Switzerland

Vontobel senkt Preise für Anlage-App

Der Start der ersten digitalen Vermögensanlage verlief offenbar enttäuschend, daher senkt die Privatbank nun die Gebühren.

Wer als Privatanleger nicht mindestens eine Million Franken auf der hohen Kante hat, der braucht bei Vermögensverwaltungsbanken wie Vontobel gar nicht erst aufzutauchen. Neue Digitaltechnologien versprechen dank tieferer Kosten, das professionelle Geldanlegen zu demokratisieren. 

In der Schweiz haben bisher vor allem Newcomer wie Simplewealth, Truewealth oder Swissquote eine automatisierte Vermögensverwaltung gestartet. Im vergangenen Juli wagte sich mit Vontobel die erste etablierte Vermögensverwaltungsbank auf das digitale Spielfeld. Volt heisst die Smartphone-App, mit der Anleger bereits ab 10'000 Franken investieren können. Die Traditionsbank öffnete sich mit Volt auch normalen Sparern. 

Die App bietet drei Module zur Auswahl: Basis bietet gemäss den Risikovorgaben des Kunden eine Fondsanlage, bei Themen können Anleger über Vontobel-Zertifikate in Anlageideen investieren wie E-Commerce oder Smart Healthcare. Das dritte Modul Chancen umfasst Aktien, die nach Ansicht der Vontobel-Experten kurzfristige Gewinnchancen bieten. 

Aus grossen Worten wurden kleine Taten

Zum Start der App sparten die Macher nicht mit grossen Worten: Volt sei in der Schweiz «das erste Produkt seiner Art», tönte Georg Schubiger, der das Vermögensverwaltungsgeschäft bei Vontobel leitet. Die Bank hoffte auf «mehrere Tausend Kunden» in den kommenden Monaten.

Ein gutes halbes Jahr später hat Vontobel die eigenen Ambitionen zurückgefahren. An der Jahresmedienkonferenz sprach Bankchef Zeno Staub die neue App mit keiner Silbe an. Und auch auf Nachfrage ist dem Management nicht zu entlocken, wie viele Kunden und wie viele Gelder Volt denn nun hat.

«Das ist noch kein grosser Treiber für das Neugeldgeschäft, wir sind noch in der Lernphase», räumte Finanzchef Martin Sieg Castagnola ein. Vontobel habe die neue App ja auch noch gar nicht aktiv beworben, heisst es etwas entschuldigend. Derzeit würden primär Bestandskunden Volt «ausprobieren», im Schnitt hätten diese 15'000 Franken über die App angelegt.

Stillschweigend die Preise gesenkt

Sprich: Volt bewegt sich noch im Niederspannungsbereich. Dafür spricht auch, dass die Bank klammheimlich die Preise gesenkt hat. So wurde die pauschale Monatsgebühr von 8 Franken gestrichen. Neu hängen die Kosten nur noch von der Höhe der Anlagegelder ab: Beim Mindestbetrag von 10'000 Franken werden 0,96 Prozent fällig.

Laut Professor Andreas Dietrich vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug der Hochschule Luzern ist Volt damit immer noch teurer als Konkurrenten, bei denen die Gebühr im Schnitt bei 0,73 Prozent läge. Hinzu kommen Gebühren für die gekauften Produkte wie Fonds oder Zertifikate. Im Fall von Volt sind dies zusätzlich höchstens 0,05 Prozent.

Erste Anbieter geben bereits auf

Dabei hätten Experten wie Andreas Dietrich Volt durchaus zugetraut, automatisierten Anlagelösungen in der Schweiz zum Durchbruch zu verhelfen. Das ist bisher nicht geschehen. Laut der Studie «Digitales Anlegen» des Instituts für Finanzdienstleistungen und des Swisscom-Thinktanks E.foresight verwalten 14 Anbieter digitaler Anlagelösungen in der Schweiz insgesamt nur 600 bis 700 Millionen Franken – in dieser Zahl ist Volt mangels Daten nicht enthalten.

Die ersten Anbieter werfen bereits das Handtuch: Ende November hat die Glarner Kantonalbank ihren Investomaten mangels Nachfrage eingestellt, die Allianz hat das Angebot Elvia E-Invest abgeschaltet. Dagegen haben Roboadvisor in Grossbritannien und den USA Milliarden an Kundengeldern einsammeln können.

«In der Schweiz sind Roboadvisor kaum bekannt, da die etablierten Banken keine entsprechenden Angebote haben», erklärt Bankenprofessor Dietrich. «Zudem bekommen normale Sparer in der Schweiz im Unterschied zu Grossbritannien und den USA bereits eine Anlageberatung von Kantonal- oder Raiffeisenbanken» – sprich, in der Schweiz ist die Marktlücke kleiner als im angelsächsischen Raum. 

Volt wird für Raiffeisen-Kunden fit gemacht

In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich entscheiden, ob Volt noch auf Touren kommt. Denn ab Sommer will die Raiffeisen-Bankengruppe die App von Vontobel ihren Kunden zur Verfügung stellen – mit einem auf Raiffeisen-Kunden angepassten Angebot. Auch die Einstiegsschwelle soll mit 5000 Franken halb so hoch sein wie bei Vontobel. 

Und Vontobel selbst schraubt nicht nur an den Preisen, sondern auch am Angebot: So gibt es die App neu auch auf Englisch und soll damit Bankkunden im Ausland ansprechen. Auch Anlagen in Fremdwährungen wie Dollar und Euro sind nun über Volt möglich. Weitere Verbesserungen stellt Vontobel in Aussicht. Und spricht bei Volt nicht von einem Flop – sondern von einem «Soft Launch». 

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