Switzerland

Von Masken und einem historischen Pokal

Der FC Thun ist unter speziellen Auflagen ins Mannschaftstraining gestartet. Die Freude, endlich wieder Fussball spielen zu können, ist gross, wird aber von einer Ungewissheit getrübt.

Nach über zwei Monaten Pause gab es viel zu erzählen. Auch zwischen Trainer Marc Schneider und Chris Kablan.

Nach über zwei Monaten Pause gab es viel zu erzählen. Auch zwischen Trainer Marc Schneider und Chris Kablan.

Foto: Patric Spahni

Es ist eine skurrile Szenerie. Vor dem Westeingang zur Stockhorn-Arena steht am Montagmorgen eine kleine Gruppe Medienschaffender. Um Punkt 10.40 Uhr öffnet der Kommunikationsverantwortliche das Eingangstor, nimmt die Personalien der Gäste auf, händigt denjenigen, die keine eigene mitgebracht haben, eine Schutzmaske aus und reicht die Flasche mit dem Desinfektionsmittel.

Gestaffelt in die Kabine

Wer dieses erste Mannschaftstraining des FC Thun nach über zwei Monaten Corona-Pause verfolgen möchte, muss sich an strenge Auflagen halten, Kreuze am Boden markieren die zulässigen Aufenthaltsorte auf der Tribüne. Die Spieler stehen zum Zeitpunkt dieses Einlassprozederes auf dem ganzen Feld verteilt in Dreiergruppen und spielen sich einen Ball zu. Einige von ihnen sind da schon ziemlich lange in ihrer Trainingsausrüstung, denn um dem Schutzkonzept der Liga gerecht zu werden, haben die Thuner Verantwortlichen einen strikten Umziehplan eingeführt: Um 9.50 Uhr erhalten die ersten fünf Spieler Einlass in die Garderobe, innert zehn Minuten müssen sie wieder draussen sein, ehe sich die nächste Fünfergruppe bereit machen kann. Es ist eine zeitaufwendige, aber ebenso einmalige Angelegenheit. Ab Dienstag werden sich die Thuner jeweils zu Hause umziehen.

Um 10.59 Uhr steht Andres Gerber in der Nähe des Mittelkreises. Spieler und Staff-Mitglieder umringen den Sportchef, als dieser sagt: «Willkommen zurück. Es ist schön, euch alle wiederzusehen.» Zehn Wochen haben die Spieler nun nach individuellem Plan trainiert, auf dem Velo, beim Joggen oder mit Gewichten. Die Freude ist ihnen anzumerken, endlich wieder einen Fussball in den Füssen zu haben, auch wenn eine gelungene Aktion nur mit einem vergleichsweise nüchternen Abklatschen mit den Ellenbogen gewürdigt wird. In den Trinkpausen tauschen sie sich rege mit den Kollegen über ihre Erlebnisse in diesen aussergewöhnlichen letzten Monaten aus. Eine spezielle Würdigung erhält Nicola Sutter. Der Grund: historisch, wie Trainer Schneider mit einem Schmunzeln erzählt. Schliesslich gewann der Ostermundiger vor ein paar Wochen eine vom «Blick» organisierte Meisterschaft, in der sich die Super-League-Vertreter im Kicken an der Konsole massen. «Für diesen ersten Pokal der Vereinsgeschichte mussten wir Sutti feiern, auch wenn er nicht gern im Mittelpunkt steht.»

Faivre, der Deutschlehrer

Guillaume Faivre war oft als Lehrer seiner Tochter gefragt. Der Torhüter strahlt, als er von dieser speziellen Erfahrung erzählt. Es brauche viel Disziplin vom Lehrer, aber auch von der Schülerin –, aber es sei ziemlich gut gelaufen. Deutsch habe ihm dabei am meisten Spass gemacht, auch wenn er habe feststellen müssen, dass ihn die Drittklässlerin bezüglich Fremdsprachenkenntnissen wohl bald eingeholt haben werde. «Es wird wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis sie besser spricht als ich.» Nun ist der Neuenburger wieder in seiner Kernkompetenz zwischen den Pfosten gefragt. Nach der ersten, gut anderthalbstündigen Trainingseinheit sagt er, er sei überrascht, wie fit er sich auf dem Platz gefühlt habe. «Aber es braucht sicher noch Zeit. Wir werden sehen, wie der Körper in den nächsten Tagen reagiert.» Auch Marc Schneider ist zufrieden mit der Fitness seiner Spieler. «Die Jungs haben gut umgesetzt, was wir ihnen fürs Homeoffice aufgetragen haben.»

Bis am Samstag hat der Trainer in dieser Woche je ein Training pro Tag angesetzt. Fokus: Spass haben. Etwas anderes, und das zeigt, dass die Fussballwelt trotz Trainingsauftakt noch nicht wieder die alte ist, ergibt in den Augen der Verantwortlichen im Moment keinen Sinn. «Es bringt nichts, jetzt mehrere Wochen zu planen und Sachen auszuprobieren», sagt Schneider. «Wir müssen nach diesem langen Unterbruch erst einmal wieder in einen gewissen Rhythmus kommen.» Die Herangehensweise des Trainers hat indes nicht nur belastungssteuernde Gründe, sondern rührt auch daher, dass über dem Profifussball hierzulande nach wie vor ein grosses Fragezeichen steht, was dessen Fortsetzung anbelangt.

Corona-konformes Abklatschen zwischen Guillaume Faivre (l.) und Dennis Salanovic.

Corona-konformes Abklatschen zwischen Guillaume Faivre (l.) und Dennis Salanovic.

Foto: Patric Spahni

Schneiders Wunsch

Am Mittwoch entscheidet der Bundesrat definitiv, ob die Meisterschaft wie geplant im Juni wieder aufgenommen werden kann. Zwei Tage später tagt die Generalversammlung der Liga, und die 20 Vertreter aus Super und Challenge League stimmen über Fortsetzung oder Abbruch ab. Schneider bezieht keine klare Position, sagt, er sei froh, müsse er diesen Entscheid nicht fällen. «Ich will mir nicht den Kopf über Dinge zerbrechen, auf die ich null Einfluss habe. Irgendwann am Freitag werden wir vom Entscheid der Ligaversammlung erfahren, und was entschieden wird, müssen wir dann umsetzen.» Aber der 39-Jährige lässt durchblicken, dass die gesundheitlichen Bedenken, welche die letzten Wochen geprägt haben, sicherlich kleiner geworden sind. «Wir müssen wieder einen Schritt Richtung Normalität machen, und da gehört Fussball dazu.»

Auch Andres Gerber wagt keine Prognose bezüglich der wegweisenden Abstimmung. Für den 47-Jährigen ist klar: «Es wird so oder so eine anspruchsvolle Situation.» Gerber erwartet bei beiden möglichen Ausgängen Klagen von Teams, die sich benachteiligt fühlen die sich also entweder um den Aufstieg betrogen sehen oder aufgrund der vertrackten Situation mit per 30. Juni auslaufenden Verträgen eine potenzielle Wettbewerbsverzerrung wittern. Gerber nennt das Beispiel von Simone Rapp, der bis Ende Juni von Lausanne ausgeliehen ist. Was, wenn die Waadtländer plötzlich bei ihm anklopfen und den Stürmer aufgrund des strengen Spielplans gerne als zusätzliche Offensivoption im Kader hätten?

Es sind komplizierte, rechtlich heikle Diskussionen, die anstehen und welche die Planung der sportlichen Zukunft nicht einfacher machen. Ebenso ist unklar, ob die Kurzarbeitsentschädigung auch nach dem Trainingsauftakt bezahlt wird. Für Gerber ist der Anspruch auf diese staatliche Unterstützung gegeben, solange bei Spielen keine Zuschauer zugelassen sind. «Ansonsten wäre das ja, wie wenn das Panorama Center geöffnet hätte und alle arbeiten würden, aber gleichzeitig nichts verkaufen dürften. Das geht einfach nicht auf.» Auch diesbezüglich dürfte Ende Woche Klarheit herrschen.

Football news:

Der Vertrag über den Transfer von Stürmer Eldor Shomurodow nach Genua ist noch lange nicht abgeschlossen. Nach Informationen des Sport-Express bot der italienische Klub für den Spieler 8 Millionen Euro an, doch die Rostocker werden wohl mit einer Absage rechnen
Mendes verdiente rund 20 Millionen Euro für das Sommer-Transferfenster
Carrager über Arsenal: Liverpool ist ein paar Jahre Voraus, aber Arteta könnte Sie in die Champions League führen
Roma ist Favorit im Kampf um Jovic. Real hat Angebote von Inter Mailand und Milan
Ruben diash flog nach Manchester, um den Wechsel zu City abzuschließen
Van Dykes Transfers sind der Schlüssel zum Sieg von Liverpool. Sie haben jeden Versuch des Arsenals getötet,
Tony Adams: Leno ist kein Top - 4-Torwart. Für mich war Martinez die erste Nummer