Switzerland

Von der Skipiste direkt ins Fernsehstudio - warum Tina Weirather für SRF und Ski-Fans ein Glücksfall ist

Manchmal reicht ein einziger unbedachter Satz. Und schon zieht ein Shitstorm auf. Wenn Beni Thurnheer «Xamax» statt «Ajax» ins TV-Mikrophon spricht, wird er danach wochenlang an den Pranger gestellt, mit Hass eingedeckt. Was tun?

Es sind solche Gedanken, die Tina Weirather in diesen Tagen manchmal umtreiben. «Ich stelle mir das schlimm vor: Plötzlich mitten in einem Shitstorm. Vielleicht, weil ich falsch verstanden wurde. Wie würde ich damit umgehen?»

15 Jahre lang war Weirather eine erfolgreiche Skirennfahrerin. Im März beendete sie ihre Karriere. Doch jetzt ist sie bereits zurück im Skizirkus – als Ski-Expertin beim Schweizer Fernsehen. Und schon nach zwei Einsätzen gibt es nur ein Fazit: Es ist ein Erlebnis, Weirather vor dem Bildschirm zuzuhören!

Warum? Weirather versucht, den Zuschauern näher zu bringen, welche Gefühle eine Skifahrerin gerade umtreiben. Sie kann das, weil sie all das, was sie kommentiert, selbst hautnah miterlebt hat. Und sie traut sich, diese Emotionen auch direkt anzusprechen. Wenn eine Fahrerin ausscheidet, dann leidet Weirather am Bildschirm mit. Während ihrer Karriere hat sie einmal gesagt: «In so einem Moment (des Ausscheidens) bricht für mich die Welt zusammen». Das spürt der TV-Zuschauer. Weirather sagt: «Ich bin erst gerade aus dieser Ski-Bubble ausgetreten, ich bin und fühle mich aber immer noch nah. Und hoffe, dass ich diese Nähe nicht verliere. Und damit den Zuschauern einen Mehrwert bieten kann.»

Der Anruf nach dem Rücktritt

Zwei Wochen nach dem Rücktritt bekam Weirather einen Telefonanruf vom Schweizer Fernsehen. «Hättest du Interesse? Magst du mal probieren?», wird sie gefragt. Eine Woche später steht sie in Zürich im Studio. Co-kommentiert zur Probe die Frauen-Abfahrt aus Crans-Montana. Weirather und SRF merken: Das könnte sehr gut passen. «Wir melden uns in einer Woche», bekommt sie mit auf den Rückweg. Drei Tage später bereits der Anruf. «Machen wir!» Im Oktober in Sölden bereits der erste Auftritt.

Seit Weirather dreijährig war, wusste sie, dass sie Skirennfahrerin werden wollte. Vielleicht ist das nicht ganz so abwegig als Tochter von Hanni Wenzel und Harti Weirather, sie Slalom- und Riesenslalom-Olympiasiegerin 1980, er Abfahrtsweltmeister von 1982. Aber Tina Weirather fährt nicht nur Ski. Sie schaut auch Ski. Und fragt sich schon damals: «Wie würde ich wohl kommentieren?» Der Gedanke bleibt. Die Frage darum: Wem hört sie selbst besonders gerne zu? «Ich finde den Hans Knauss ganz grossartig. In Österreich gibt’s durchaus mal ein bisschen Geschrei und Getue am Bildschirm. Ich finde das ganz okay!»

Nun, wie ist sie selbst zufrieden mit ihren ersten Auftritten als Stimme des Skisports? Weirather überlegt, analysiert. Und wie sie so redet, erinnert sie ganz an die einstige Sportlerin. «Im ersten Lauf habe ich nicht ganz reingefunden, dann ging es besser. Aber es ist schon noch nicht ganz so, wie ich es könnte.» Und Weirather muss selber lachen, wenn man sie an einen Satz von ihr direkt nach dem Rücktritt erinnert: «Ich war ziemlich verbissen. Nun kann ich den Gedanken, dass sich immer alles um Leistung dreht, mal gehen lassen.» Sie gibt zu: «Das war natürlich völlig naiv. Mein Leben ist noch immer im Umbruch.»

Erst der Rücktritt – dann fällt Weirather in ein Loch

Die Zahlen ihrer Karriere: 222 Weltcup-Rennen. 41 Podestplätze. 9 Weltcup-Siege. 2 kleine Kristallkugeln. WM-Silber. Olympia-Bronze. Aber auch: 4 Kreuzbandrisse. 7 Knieoperationen. «Irgendwie schon nicht ganz normal, was ich alles erlebt habe», sagt Weirather. Und doch fühlt sich das Ende surreal an. Auch wegen Corona. «Von der Rennpiste direkt in den Lockdown. Es war wie bei einer Verletzung. Die Zeit steht einfach still. Von Vollgas auf nichts.»

Eines der grössten Highlights Ihrer Karriere: Olympia-Silber im Super-G von Pyeongchang 2018.

In den ersten Monaten nach dem Rücktritt fällt Weirather darum in ein kleines Loch. «Ich musste Sport machen. Mein Körper war noch nicht bereit für die Umstellung. Er dürstete nach Training», sagt sie. «Und ich schlafe noch immer nicht gut. Ich war lange brutal müde. Ich hatte auch während meiner Karriere Schlafstörungen. Dann dachte ich natürlich, ich werde nach dem Karrierenende sofort wie ein Murmeltier schlafen… Aber ist schon um einiges besser.» Doch eines ist Weirather wichtig: «Wissen Sie, jeder Ex-Sportler sagt: <Nimm dir zwei bis drei Jahre Zeit! Und habe nicht das Gefühl, dass in sechs Monaten alles umgestellt sein kann.> Es ist wohl einfach so, dass man diese Phase des ersten Durcheinanders danach einfach akzeptieren muss.»

Sie vermisst die magischen Sonnenaufgänge

An diesem Wochenende stehen die Rennen von St.Moritz an. Weirather kehrt noch einmal zurück auf die Piste – aber mit der Kamera in der Hand. Bevor sie im Studio das Geschehen analysiert, übermittelt sie direkt vor den Rennen als Kamera-Fahrerin live Eindrücke in die Stuben.

Befürchtet sie plötzlich ein Vermissen des Rennzirkus? «Bis jetzt noch nicht. Aber diese Momente werden kommen. Spätestens wenn ich die WM-Rennen in Cortina d’Ampezzo kommentiere.» Es ist ein Ort, wo Weirather stets gute Leistungen zeigte. Und dann schwingt doch noch ein Hauch von Melancholie in ihrer Stimme mit: «Es sind kleine Sachen, die ich vermisse: Die Sonnenaufgänge auf dem Berg. Das Team um mich herum. Magische Sachen, die man gar nicht wahrnimmt, solange man sich jeden Tag schindet und in der Bubble bewegt.»

Sanfte Melancholie? Ja. Aber schlimme Wehmut? Nein. Wenn Tina Weirather von ihrem neuen Leben erzählt, dann dringt die Freude wuchtig durch den Telefonhörer. Gerade ist sie in der Heimat in Liechtenstein mit ihrem Freund Fabio Nay zusammengezogen. Bei der Bank LGT, ihrem ehemaligen Sponsor, absolviert sie eine 21-wöchige Ausbildung, speziell auf sie zugeschnitten, um herauszufinden, ob die Finanzwelt auch künftig etwas für sie sein könnte. Und zwischendrin, da kommentiert sie Skirennen.

Nein, einen Shitstorm muss Weirather nicht befürchten, wenn sie so weitermacht wie bisher. Und doch gibt sie zu bedenken: «Früher, da gab es Fakten, an denen sich die ganze Welt orientierte. Jetzt, im Zeitalter von und nach Trump, gibt es die Tendenz, dass sich jeder die eigene Wahrheit zurechtbiegt und darauf besteht. Es gibt viele Leute, die sich sagen: Wenn das der Präsident von Amerika tut, warum soll das nicht auch für mich gelten? Und dann bastelt sich jeder seine eigenen Realitäten. Diese Entwicklung bereitet mir Sorgen.»

‹Wie würde ich mit einem Shitstorm umgehen?› – die Frage wird Weirather noch eine Weile begleiten. Vor allem aber wird sie uns TV-Zuschauer noch eine ganze Weile begleiten. Und das ist eine gute Nachricht.

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