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Vom Staatsfeind zum Superstar

Der konservative Parlamentarier Khang Hyo-shang (58) weiss, was Südkoreaner hören wollen. Die Euphorie über die Oscargewinne der schwarzen Gesellschaftskomödie «Parasite» konnte er nicht ungenutzt verfliegen lassen. Als Abgeordneter der Freiheitspartei Koreas (FPK) vertritt Khang in der Nationalversammlung einen Wahlkreis in Daegu, der Geburtsstadt von «Parasite»-Regisseur Bong Joon-ho (50). Also dachte Khang diese Woche laut über ein «Bong-Joon-ho-Filmmuseum» in Daegus Duryu-Park nach. Bong sei schliesslich «der Stolz von Daegu». Ausserdem lobte Khang die Produktionsfirma CJ Entertainment für ihren Beitrag zu dieser «glänzenden Errungenschaft».

Eine Welle der Freude hat die Menschen Südkoreas erfasst seit der Oscarverleihung am Sonntag. Vier Trophäen hat «Parasite» gewonnen, darunter die für den besten Film. Das hat noch kein Kinowerk nicht englischer Sprache geschafft. Die ganze Welt staunt. Der relativ kleine Tigerstaat ist plötzlich bekannt. Da liegt es nahe, dass die Nation sich feiert.

Die Regierung von Präsident Lee Myung-bak führte ihn auf einer Liste mit 81 Namen von Leuten aus dem Kulturbetrieb «mit liberalen politischen Ansichten». 

Am Donnerstag hat die Stadtregierung von Seoul nun erklärt, sie erwäge, eine Touristentour zu den Schauplätzen des Films einzurichten. Zuletzt waren dort kleine Armeen von Selfie-Schützen unterwegs, um sich an historischer Stätte abzulichten, berichtet die «Korea Times». Ein Nudelgericht aus dem Film erfreut sich ungeahnter Beliebtheit. Alle aus der Filmcrew sind plötzlich für die Medien interessant – selbst Leute, die nur indirekt mit der Komödie zu tun haben, wie zum Beispiel Regisseur Bongs Dolmetscherin.

Viele Südkoreanerinnen und Südkoreaner nutzen den Umstand, dass die Kinos «Parasite» wieder ins Programm genommen haben. Und die Kinos freuen sich über den Oscareffekt – vor allem nach Verlusten wegen der Coronavirus-Angst.

Trotzdem amüsiert es viele Einheimische, dass auch konservative Oppositionelle wie Khang die Bong’sche Filmkunst preisen. Denn als die Konservativen noch regierten, war Bong für sie eine Art Staatsfeind. Viel zu links, viel zu kritisch. Die Regierung von Präsident Lee Myung-bak führte ihn auf einer Liste mit 81 Namen von Leuten aus dem Kulturbetrieb «mit liberalen politischen Ansichten». Lees Nachfolgerin, Park Geun-hye, die mittlerweile wegen Amtsmissbrauchs im Gefängnis sitzt, erweiterte die Liste gar auf 9000 Namen; darunter war auch der von «Parasite»-Hauptdarsteller Song Kang-ho sowie jener der CJ-Vizechefin Lee Mi-kyung. Die Abneigung von rechts war bis zuletzt zu spüren. Erste Preise für «Parasite» taten FPK-Politiker als linken Szeneerfolg ab.

Partei gibt ihr «Bestes»

Hong Joon-pyo, Ex-Parteichef und gescheiterter Präsidentschaftskandidat von 2017, sagte, er schaue sich «Parasite» nicht an. Aber bei vier Oscars und Massenbegeisterung müssen eben auch Altvordere mitlachen.

Am 15. April sind Parlamentswahlen. «Ein monumentales Werk für Koreas Kultur und Kino», lobt also FPK-Sprecher Park Yong-chan. «Weiterhin» werde die Partei ihr Bestes geben für die Kunst. Kandidat Jang Won-yong aus Daegu verspricht eine Bong-Gedenkhalle mit Park. Kandidat Bae Young-shik will eine Strasse nach Bong benennen, ihm ein Denkmal setzen und sein Geburtshaus renovieren. Khang Hyo-shang muss aufpassen, dass er den Anschluss hält beim Reiten der «Parasite»-Welle.

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