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Switzerland

Vom Seelsorger zum Kafferöster: Don Camillos Duft schwebt durch die Altstadt

Das Herzstück des Lokals steht direkt neben der Eingangstür. Unübersehbar. Die Kaffeeröstmaschine ist der ganze Stolz von Marco Briotti. Vor wenigen Tagen hat der 52-Jährige in der Lenzburger Altstadt eine Kaffeerösterei mit Bar und Barista-Shop eröffnet: Don Camillo, Rösterei, Bar und Baristashop, in welchem er unter anderem seine selbst gerösteten Kaffeebohnen verkauft.

Doch mit ebendieser Kaffeeröstmaschine hat Marco Briotti sich in den vergangenen Wochen einigen Ärger eingehandelt und er musste die Eröffnung des Ladens hinausschieben. Was ist passiert? Das aus der Türkei importierte Gerät blieb beim Zoll in Hamburg stecken.

Aufgrund der politischen Unruhen in der Türkei sei die Holzkiste damals ihrer Grösse wegen als verdächtig taxiert und der Inhalt von den Zollbehörden in Deutschland genau unter die Lupe genommen worden, erzählt Briotti. Er habe detailliert Auskunft über den Inhalt des riesigen Pakets erteilen müssen, was er vorhabe damit. «Der Anrufer war sehr skeptisch und hat mich gefragt: ‹Kann man mit dieser Maschine Terrorismus machen?›», sagt Briotti, blickt auf das nigelnagelneue Gerät und schüttelt den Kopf. In Zukunft dürfte jetzt zwar ärgerliche Vorfall wohl zur gerne erzählten Anekdote Briottis werden.

Handelt direkt mit den Kaffeebauern

Der Kaffeebarbetreiber de­mons­triert, wie die Röstmaschine funktioniert, in dem er Kaffeebohnen in den Trichter füllt. Anschliessend zieht er an einem kleinen Hebel und die Bohnen rieseln langsam in einen runden Röstbehälter. Kaffeerösten ist Kunst und Wissenschaft zugleich. Wärme und Röstdauer entscheiden über die Qualität des Kaffees, erzählt Briotti. Jede Kaffeesorte erfordere eine andere Behandlung. «Es ist enorm wichtig, den Röstvorgang genau zu überwachen und die Bohnen rechtzeitig herauszunehmen, da sie eine Zeit lang nachbrennen», erklärt er.

Die Leidenschaft steht Barista Marco Briotti ins Gesicht geschrieben, während er ausführlich und mit viel Sachverstand über die hohe Kunst des Kaffeeherstellens erzählt. Seit 25 Jahren repariert er Kaffeemaschinen, seit über 15 Jahren zeigt er in Seminaren, worauf es bei der perfekten Kaffeezubereitung ankonnt. «Der Mensch trinkt mit dem Gaumen und mit dem Auge», sagt er und lacht.

Damit Briotti der Kaffee tatsächlich schmeckt, muss der Rohstoff weitere Kriterien erfüllen: «Direkter und fairer Handel», sagt Briotti. Der Barista will wissen, wer seine Kaffeebohnen produziert und unter welchen Bedingungen. Er verhandelt den Preis direkt mit den Kaffeebauern. Die um einiges höheren Einkaufskosten nehme er dabei gerne in Kauf, wenn der Produzent direkt davon profitiere, sagt er. «Don Camillo»-Kaffeebohnen kommen aus Brasilien, Costa Rica, Indien und neuerdings auch aus Sumatra.

Einst Seelsorger jetzt Barista

«Don Camillo»: Der Name ist Programm. Marco Briottis ursprünglicher Beruf hat nichts mit Kaffee zu tun. Viele Jahre hat er im Kanton Aargau als Seelsorger gearbeitet. Doch dann zwangen ihn gesundheitliche Probleme zu einem radikalen Umdenken und einer beruflichen Neuorientierung. Was bisher Hobby war, wurde zum Beruf.

Und weil ­Briottis Tochter Larissa ebenso vom Kaffeevirus angesteckt ist wie ihr Vater und Ehefrau Yvonne sich um die Buchhaltung kümmert, ist «Don Camillo» bei Briottis zur Familiensache geworden. Die Familie wohnt in Ehrendingen. Die Kaffeerösterei haben sie in Lenzburg eröffnet, «weil wir hier einen Raum gefunden haben, nachdem wir von Zofingen bis nach Zürich gesucht hatten», sagt der Barista.

Das Spiegelbild in der Kaffeetasse

Die Inneneinrichtung des Lokals hat eine Schulklasse im Werkunterricht hergestellt: Gestelle für Tische und Stühle geschweisst und passende Holzplatten produziert. Die Schüler konnten ihre Klassenkasse äufnen und Briotti kam zum Mobiliar, wie er es sich vorgestellt hatte. Die Stuhlkissen wurden aus Jutesäcken genäht, in denen zuvor Kaffeebohnen transportiert worden waren. Die Beleuchtung stammt vom Chef selber. Marco Briotti hat leere Whiskyflaschen in Leuchten umfunktioniert.

«Don Camillos» Kaffeeangebot ist vielfältig. Speziell ins Auge sticht der Selficcino. Der Name lässt darauf schliessen: Der Selficcino ist ein personalisiertes Getränk. Die Handhabung sei einfach, erklärt Briotti: Das Selfie dem Barista schicken, die restliche Arbeit übernimmt der Drucker, welcher das Kaffee-Selfie mit geschmacksneutraler Lebensmittelfarbe, Schokolade- oder Kaffeepulver auf den Milchschaum setzt.

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