Switzerland

Voleros grosse weite Welt liegt in Düdingen

Volero ist ausgezogen, die Welt des Volleyballs zu erobern. Gelandet ist es in Düdingen, Kanton Freiburg, Sensebezirk. Jedenfalls kommt von dort das Team, das heute an die Côte d’Azur reist, um im Achtelfinal des CEV-Cup gegen den einstigen Ligakontrahenten zu spielen. Das Duell ist eines in der zweiten Klasse Europas.

Es ist nicht der Glamour, den sich Präsident Stav Jacobi ausgemalt hatte, als er 2018 entschied, sein Spitzenteam aus Zürich abzuziehen und in Le Cannet anzusiedeln. In der französischen Ligue A hätte Volero Le Cannet den Rhythmus finden sollen, um in der Champions League gegen die Besten bestehen zu können. In der Schweiz reihte sein Club Sieg an Sieg, Titel an Titel - und war auf der grössten Bühne doch nie bereit für den Coup. Oder gerade deswegen. Und nun harzt es auch in der neuen Heimat.

Laura Unternährer war in der letzten Saison die einzige Schweizerin (Bild: Freshfocus)

Fünfter ist Jacobis Team derzeit in der Liga. Es ist nicht einmal das, was ihn am meisten stört an der derzeitigen Situation. Dem Team fehlt es an Grundsätzlichem. Jacobi nennt es den «Geist von Volero», dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, aufgebaut über eineinhalb Jahrzehnte, das abhandengekommen sei. Immer hatte er Spielerinnen, die alles gaben für den Club, weil sie ihm viel zu verdanken hatten, weil sie damit aufgewachsen waren.

Laura Unternährer, in der vergangenen ersten Saison die einzige Schweizerin bei Volero Le Cannet, nennt Jacobi als Paradebeispiel. Doch die 26-Jährige entschied sich, ihren Lebensmittelpunkt wieder in die Schweiz zu verlegen, und wechselte zu Kanti Schaffhausen. «Seit ihrem Abgang habe ich niemanden mehr, der unsere Werte trägt. Wir haben einfach gute Spielerinnen, mehr nicht», sagt Jacobi. Er würde dem gerne entgegenwirken, doch dafür ist er zu selten vor Ort.

Beobachter statt Macher

Er wohnt in Herrliberg, arbeitet in Zürich, daran will er nichts ändern. «Und reise ich hinunter, will ich mich nicht einmischen, weil ich schlicht zu wenig weiss. Durch die Umstellung bin ich zum Beobachter geworden. Diese Rolle gefällt mir nicht.»

Jacobi war in Zürich der Macher, derjenige, der das Team zusammenstellte, zusammenhielt, der Millionen ausgab für den Erfolg. Er führte es in 14 Jahren zu 13 Doublegewinnen mit Meisterschaft und Cup. Er dachte, sein Konstrukt sei zum Selbstläufer geworden. Ist es nicht. Er verlor die Kontrolle. Wie oder ob das Abenteuer an der Côte d’Azur endet, weiss er nicht. Vielsagend ist aber dieser Satz: «Ich mache das aus dem Herzen heraus. Deshalb müssen auch die Emotionen stimmen. Ist das nicht der Fall, stellt sich die Grundsatzfrage.»

«Zurzeit stehen in den Schweizer Teams zehn Ausländerinnen und vier Einheimische. Ich will, dass das umgekehrt ist»Stav Jacobi

Klar ist: Zurück in die Schweiz will er nicht mit seinem Profiteam. In Zürich hat er ein anderes Projekt, eine Akademie, in der 15- bis 20-jährige Spielerinnen ans Profitum herangeführt werden sollen: zwei Trainings täglich, daneben Schule und Ausbildung. Fast zwei Jahrzehnte lang hegte er diesen Plan, erst jetzt dürfte es auch mit der Zusammenarbeit mit Schulen klappen. Jacobis Ziel: «Zurzeit stehen in den Schweizer Teams zehn Ausländerinnen und vier Einheimische. Ich will, dass das umgekehrt ist.» Wenn Jacobi redet, scheint die Côte d’Azur weit weg. Mit Düdingen kommt heute ein Stück Heimat zu Besuch.

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