Switzerland

Vierter Fall in der Schweiz, Bundesamt für Gesundheit informiert in Kürze – die neusten Entwicklungen zur Coronavirus-Situation in der Schweiz

In der Schweiz wurden vier Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schätzt das Risiko für die Bevölkerung weiterhin als moderat ein. 

NZZ-Redaktion

Ein Krankenpfleger des Mendrisiotto Ambulance Service mit Maske und Schutzanzug bereitet sich auf die Untersuchung von Patienten vor, die mit dem Coronavirus infiziert sind.

Ein Krankenpfleger des Mendrisiotto Ambulance Service mit Maske und Schutzanzug bereitet sich auf die Untersuchung von Patienten vor, die mit dem Coronavirus infiziert sind.

Elia Bianchi / EPA

Die neusten Entwicklungen:

Alle Nachrichten zu den Entwicklungen ausserhalb der Schweiz finden Sie hier.

  • Das Bundesamt für Gesundheit informiert um 14 Uhr über die aktuelle Lage beim Coronavirus und die Lancierung einer «Bevölkerungskampagne». Sie können die Pressekonferenz hier live verfolgen.
  • Im Kanton Zürich gibt es bisher keinen bestätigten Coronavirus-Fall. Das hat Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz am Donnerstagmittag (27.2.) mitgeteilt. Bisher sind laut Kantonsarzt Brian Martin rund 125 Personen getestet worden. Bei einem bestätigten Fall würde man sofort ein «Contact Tracing» machen, bei dem abgeklärt wird, mit wem die infizierte Person Kontakt gehabt hat. Diese würden identifiziert und kämen laut Martin in Quarantäne. Personen, die Symptome bei sich spüren, sollen das Ärztefon (0800 33 66 55) anrufen. Es gibt demnach neun Spitäler, in denen Infizierte betreut werden können. Der Transport ist dabei entscheidend: Wenn möglich sollen die Betroffenen, wenn es ihnen gut geht, im eigenen Auto hinfahren oder zu Fuss gehen. Wer dies nicht könne, solle auf keinen Fall Tram oder Taxi fahren, sondern über Schutz & Rettung (144) eine Ambulanz organisieren. Im Falle einer vermuteten Ansteckung von Kindern sei mit den schulärztlichen Diensten abgesprochen, dass die ganze Klasse heimgeschickt wird.
  • Im Kanton Graubünden sind zwei Fälle des Coronavirus bestätigt. Die Personen zeigen Symptome, sind jedoch in guter gesundheitlicher Verfassung, vorsorglich hospitalisiert und gut betreut, wie die Behörden am Donnerstag (27. 2.) mitteilten. Damit sind jetzt insgesamt vier Fälle bestätigt.
  • In der Schweiz gibt es einen weiteren Fall einer Erkrankung mit dem Coronavirus (27. 2). Ein 28-jähriger Informatiker, der aus Mailand zurückkam, ist in Genf positiv auf das Virus getestet worden, wie die Behörden mitteilten. Der Mann sei vor drei Tagen aus Mailand zurückgekehrt, sagte Laurent Paoliello, Sprecher des Genfer Gesundheitsdepartements. Nach seiner Rückkehr habe er mit einem Arzt Kontakt aufgenommen, der anschliessend einen Test angeordnet habe. Am Mittwochabend (26. 2.) sei dann das positive Testergebnis vorgelegen. Aufgrund der weiteren Abklärungen wurden rund 15 Menschen aus dem beruflichen und privaten Umfeld des Betroffenen zu Hause unter Quarantäne gestellt.
  • Der Genfer Uhrensalon «Watches & Wonders» wird wegen des Coronavirus abgesagt. Dies teilten die Veranstalter am Donnerstagmorgen (27. 2) mit. Die Messe hätte vom 25. bis 29. April stattfinden sollen.
  • Der Lebensmittelkonzern Nestlé bläst als Vorsichtsmassnahme alle Geschäftsreisen ab. Weltweit wurden alle Mitarbeiter gebeten, bis zum 15. März nicht zu Geschäftszwecken zu reisen, erklärte Nestlé am Donnerstag (27. 2.).
  • Die Gesundheitsbehörden werden am Freitag (28. 2.) entscheiden, ob die Basler Fasnacht trotz des Coronavirus stattfinden kann. Das teilten sie am Donnerstag (27. 2.) mit. Noch am Dienstag (25. 2.) war das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt davon ausgegangen, dass die am kommenden Montag (2. 3.) mit dem Morgenstreich beginnende dreitägige Basler Fasnacht stattfinden kann.
  • Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) stellt mehrere Millionen Franken für die Forschung rund um das Coronavirus bereit. Forscher aller Disziplinen sind aufgefordert, sich zu melden, teilte der SNF am Mittwoch (26. 2.) via Twitter mit. Es ist das erste Mal, dass der Nationalfonds Mittel für Notfälle bereitstellt. Der Nationalfonds werde am 6. März einen entsprechenden Aufruf lancieren. Die Ausschreibung für die vertiefte Erforschung des Coronavirus sei bis zur zweiten Märzhälfte befristet. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sollten dazu beitragen, das Verständnis über den Virus zu verbessern. Es gelte ferner, die klinische Reaktion und Auswirkung auf das Gesundheitswesen innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren zu untersuchen.
  • Der Tessiner Staatsrat verbietet wegen des Coronavirus vorübergehend grössere Veranstaltungen. Obwohl es weiterhin nur einen bestätigten Infektionsfall im Kanton gebe, seien von der Massnahme unter anderem sämtliche noch bevorstehenden Fasnachtsveranstaltungen betroffen, hiess an einer Pressekonferenz am Mittwoch (26. 2.). Zwei geplante Hockeyspiele sollen vor leeren Zuschauerrängen stattfinden, dies geschehe im Sinne vorbeugender Massnahmen. Der Schulunterricht soll am Montag nach den regulären Fasnachtsferien im Kanton normal wieder aufgenommen werden. Jedoch dürfen bis Ende März keine Schulreisen ins Ausland unternommen werden. Seit Dienstag (25.2.) sind alle Rekruten mit einer Ausgangssperre belegt. 
  • Italien nimmt wegen des Coronavirus keine Asylsuchenden aus der Schweiz mehr zurück. Die Suspendierung des Rückübernahmen nach Dublin-Richtlinien gilt bis auf weiteres, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) am Mittwoch (26. 2.) mitteilte. Bereits vorbereitete Rückführungen schob die Schweiz auf. In den nächsten Tagen waren SEM-Angaben zufolge Flüge für zehn Personen ins südliche Nachbarland gebucht. Das Bundesamt annullierte sie. Die Betroffenen bleiben vorerst in den Asylzentren des Bundes oder in kantonalen Einrichtungen. Über die Massnahme informiert wurde das SEM vom italienischen Innenministerium. Nicht nur die Schweiz ist demnach von dem Rückübernahmestopp betroffen, sondern alle Staaten, die im Rahmen des Dublin-Abkommens Asylsuchende an Italien als Ersteinreiseland zurückschicken. Wie das SEM ausführte, soll der Stopp von Rückübernahmen Italien ermöglichen, weitere Massnahmen im Kampf gegen das neuartige Coronavirus vorzubereiten und umzusetzen. Die Dublin-Regeln sehen vor, dass Flüchtlinge ihren Asylantrag in dem EU-Land stellen müssen, in dem sie als erstes europäischen Boden betreten.
  • Bundesrat Alain Berset hat am Mittwoch (26. 2.) im Rahmen der Pressekonferenz zur Botschaft zur Förderung der Kultur vorgängig zur Coronavirus-Situation informiert. Berset hielt fest, dass der Schutz der Bevölkerung für den Bundesrat höchste Priorität habe. Die Eidgenossenschaft sei gut vorbereitet, erklärte er weiter. Neu seien zehn Labors in der Schweiz bereit, insgesamt 1000 Tests am Tag durchzuführen. Eine rasche Diagnose sei damit sichergestellt. Ebenfalls wurden die Telefon-Hotlines ausgebaut, um die täglich über 1500 Anrufe entgegennehmen zu können. Der Bundesrat evaluiere die Situation jeden Tag und bewerte sie neu. Die Kritik, die in den Medien in den letzten Tagen am BAG laut geworden ist, wies Berset zurück. Es sei sehr schwierig, derzeit etwas Präzises über die Mortalitätsrate beim Coronavirus auszusagen. Die Zahlen, die das BAG hierzu bekanntgebe, seien aber international anerkannt.
  • Im Kanton Neuenburg sind mehrere Coronavirus-Verdachtsfälle gemeldet worden (26. 2.). Mehrere Personen, die in die Gegend von Mailand gereist waren, hatten wegen Atemwegsproblemen die Notaufnahme des Neuenburger Spitalnetzes konsultiert. Unter den Verdachtsfällen waren auch drei Kinder.
  • Der Kanton Aargau gab bekannt (26. 2.), dass bei einer Person eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliegen könnte. In einem Fall mit noch nicht erhärtetem Befund müssten vertiefte Abklärungen getroffen werden, hiess es. Ein erster Test verlief laut Angaben des Kantons positiv. Das Ergebnis eines zweiten Tests in einem Referenzlabor stand aber zunächst noch aus, es wird am Donnerstagnachmittag erwartet (Stand: 27. 2.).

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat am 25. Februar den ersten Fall einer Ansteckung mit dem Coronavirus in der Schweiz bestätigt. Er betrifft einen 70-jährigen Mann. Nach Angaben des Bundes hatte er am 15. Februar an einer Versammlung in der Gegend von Mailand teilgenommen. Zwei Tage später habe er erste Symptome gezeigt. Der Mann habe sich seither zu Hause aufgehalten. Am Dienstag (25. 2.) sei er positiv getestet worden. Der Patient ist seither in der Klinik Moncucco in Lugano isoliert. Sein Gesundheitszustand ist laut den Behörden stabil. Am Donnerstag (27. 2.) ist ein zweiter Fall bestätigt worden. Ein 28-jähriger Informatiker, der aus Mailand zurückkam, ist in Genf positiv auf das Virus getestet worden, wie die Behörden mitteilten.

Laut Daniel Koch, Leiter des Bereichs übertragbare Krankheiten beim BAG, war ein solcher Fall erwartet worden. Jetzt werde das gemacht, was vorbereitet worden sei. Das heisst: Alle Kontaktpersonen des infizierten Mannes werden eruiert und in Quarantäne genommen. Unter anderem muss sich die Familie des Mannes für 14 Tage in Quarantäne begeben. Falls sie Krankheitssymptome zeigt, wird sie medizinisch untersucht und isoliert. Momentan ist unklar, ob der 70-Jährige überhaupt jemanden angesteckt hat.

Laut Koch kann man noch nicht vom Patienten null in der Schweiz sprechen, da es noch keine Ansteckungskette hierzulande gibt. Um das Virus weiterzugeben, brauche es eine gewisse «Dosis» der Viren, sagte Koch. Gewisse Personen stecken sehr viele an, andere weniger.

Daneben werden laufend Verdachtsfälle abgeklärt. Inzwischen haben die Behörden die Schwelle für Tests auf das Coronavirus herabgesetzt und auch die Kapazitäten dafür ausgebaut. Landesweit können mittlerweile zehn Labors täglich maximal 1000 Tests auf das Coronavirus durchführen.

Laut der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sind im Kanton Neuenburg einige Coronavirus-Verdachtsfälle gemeldet worden. Mehrere Personen, die in die Gegend von Mailand gereist waren, hatten wegen Atemwegproblemen die Notaufnahme des Neuenburger Spitalnetzes konsultiert. Unter den Verdachtsfällen waren auch drei Kinder. Im Kanton Aargau wurden bisher 29 Verdachtsfälle erfasst; bei fünf davon sind die Laboruntersuchungen noch ausstehend und bei den anderen 24 verliefen sie negativ. Verdachtsfälle werden isoliert, bis die Diagnose feststeht. Bei Fällen mit dem Coronavirus versuchen die Kantonsärzte die Personen zu ermitteln, mit denen die Patienten näheren Kontakt hatten, um eine weitere Verbreitung des Virus einzudämmen.

Für die Schweizer Gesundheitsbehörden ändert sich trotz dem ersten Coronavirus-Fall nichts an der aktuellen Risikoeinschätzung. Das sagte Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), am Dienstagabend (25. 2.) vor den Bundeshausmedien in Bern. Das Risiko für die Bevölkerung sei weiterhin «moderat» – auch, weil sich der Mann offenbar nicht in der Schweiz, sondern in Italien angesteckt habe. Das BAG schätzt die Lage in der Schweiz weiterhin als «normal» ein. Sollte es mehrere Ketten geben und sollte man die Übersicht über diese verlieren, dann würde man dem Bundesrat vorschlagen, die «besondere» Lage auszurufen, sagte Koch.

Momentan sind laut dem Bund siebzig Tests in der Schweiz hängig, eine gute Handvoll aus dem Kanton Tessin.

Das BAG hat als Reaktion auf den ersten Infektionsfall in der Schweiz Massnahmen beschlossen. Personen an der Grenze, die ein gewisses Risiko haben, sich anzustecken, werden genau informiert, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie Symptome zeigen. Dies soll mit Flyern und Plakaten geschehen. Zudem soll die Bevölkerung mit einer Informationskampagne über Hygienemassnahmen aufgeklärt werden.

Daneben haben die Schweizer und die Tessiner Behörden trotz der Ausbreitung des Coronavirus im nahen Norditalien nur sanfte Massnahmen beschlossen.  In den nächsten Tagen werden Informationsbroschüren in gedruckter Form an den Schweizer Grenzübergängen verteilt. Zudem werden der Bevölkerung öffentlichkeitswirksam verschiedene Hygienemassnahmen in Erinnerung gerufen.

Verschärfte Grenzkontrollen ergäben keinen Sinn, sagte Daniel Koch am Dienstag (25. 2.) vor den Medien. «Man sieht den Menschen nicht an, ob sie das Virus in sich tragen oder nicht.» Restriktivere Massnahmen träten erst in Kraft, «wenn wir die Übersicht verlieren über die Ansteckungsketten». Derzeit gebe es in der Schweiz noch gar keine solche Kette.

Laut BAG werden die strategischen Massnahmen erst geändert, wenn die Ansteckungsketten nicht mehr nachvollziehbar sind. Von Reisen nach Norditalien wird nicht abgeraten. Das BAG empfiehlt Reisenden jedoch, sich zu erkundigen, ob ihre Reiseziele überhaupt zugänglich seien.

Ausser im Kanton Tessin, wo der Staatsrat sämtliche bevorstehende Fasnachtsveranstaltungen abgesagt sowie zwei Hockeyspiele zu Geisterspielen erklärt hat, haben die Behörden bisher keine Absage von Veranstaltungen veranlasst. Der Bund hat jedoch in Aussicht gestellt, dass Massnahmen des «social distancing» ergriffen werden könnten, falls sich das Virus in der Schweiz ausbreitet. Und er verwies darauf, dass die Veranstalter selber Vorsorge treffen könnten. In Basel, wo die Fasnacht am 2. März mit dem Morgestraich beginnt, muss man sich mit dem Virus auseinandersetzen. Ausserdem steht mit dem Genfer Autosalon eine weitere Grossveranstaltung mit internationalem Publikum an. Er wird am 5. März eröffnet, und es werden über eine halbe Million Besucher erwartet. Hier hat der Veranstalter bereits mit verstärkten Hygienemassnahmen und Verhaltensregeln für Aussteller reagiert.

Die verschiedenen Detailhändler registrieren inzwischen ein verändertes Einkaufsverhalten. Bei Coop, Migros, Aldi und Lidl hat der Absatz verschiedener Konsumgüter zugenommen, seit das Virus näher gerückt ist. Dazu gehören länger haltbare Lebensmittel wie Teigwaren oder Konserven und auch Desinfektionsmittel oder Babynahrung. Im Tessin, wo der erste Corona-Fall aufgetreten ist, macht sich das gegenwärtig am stärksten bemerkbar. Von eigentlichen Hamsterkäufen und Engpässen könne aber noch keine Rede sein, hiess es etwa bei der Migros.

Ein rares Gut geworden sind derzeit allerdings Hygiene- und Atemschutzmasken in den Apotheken. Gemäss dem Dachverband Pharmasuisse überschreitet die Nachfrage nach Pandemieartikeln die Nachfrage das Angebot momentan bei weitem. Dies sei aber auch auf die saisonale Grippe zurückzuführen. Nach dem Auftreten des Coronavirus hatten sich zunächst vor allem Touristen aus Asien damit ausgerüstet. Seit das Virus in Norditalien und später im Tessin nachgewiesen werden konnte, fragen auch in der Schweiz Wohnhafte die Masken stärker nach. Eine einfache Chirurgenmaske schützt den Träger jedoch nur beschränkt vor einer Ansteckung, sie dient vielmehr dem Schutz der Mitmenschen. Laut dem BAG ist die Maske nur als ergänzender Schritt zu anderen Hygienemassnahmen (zum Beispiel Händewaschen) und Distanzhalten sinnvoll. Gesunden Personen raten die Behörden vom Kauf der Atemschutzmasken ab. Diese würden in Spitälern benötigt und dort auch eine grössere Wirkung erzielen.

Im Tessin sind viele Gesichtsmasken ausverkauft.

Im Tessin sind viele Gesichtsmasken ausverkauft.

Pablo Gianinazzi / Keystone

In zahlreichen Firmen wurden und werden gegenwärtig Notfallpläne und Verhaltensmassregeln für die Mitarbeitenden ausgearbeitet. Am weitesten gehen dabei Unternehmen im Tessin, wo der erste Fall aufgetreten ist und viele Grenzgänger aus Italien beschäftigt sind. So empfehlen verschiedene Betriebe ihren Mitarbeitern, so weit wie möglich aus dem Home-Office zu arbeiten. «Unternehmen zwingen Mitarbeiter jedoch nicht, zu Hause zu bleiben, sondern raten ihnen lediglich, diese Möglichkeit zu nutzen», betont Daniela Bührig, Sekretärin des Verbandes der Tessiner Industrie. Die IT-Infrastrukturen, sichere Netzwerke für die Remote-Arbeit seien in den meisten Fällen vorhanden. «Die Unternehmen improvisieren also nicht», hält Bührig fest.

Betroffen ist unter anderem der Lifthersteller Schindler, der in Locarno eine Produktionsstätte unterhält. Die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter, ihrer Familien und der örtlichen Gemeinschaft habe erste Priorität, erklärt Mediensprecherin Carolyn Pike. «Schindler hat seine Mitarbeiter gebeten, Reisen nach und von Italien aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Situation zu vermeiden», hält Pike fest. Mitarbeiter, die kürzlich die betroffenen Gebiete in Norditalien besucht hätten, würden gebeten, eine 14-tägige Selbstquarantäne einzuhalten. «Wir ermutigen unsere Mitarbeiter in Europa dazu, sogenanntes Smart Working einzusetzen und alle nicht unerlässlichen Reisen zu verschieben», sagt Pike. Das Gleiche gelte für Asien. Die Mitarbeiter seien gebeten worden, auch Reisen von und nach Asien zu vermeiden.

Ähnliche Vorkehrungen trifft Siemens Schweiz, wie Mediensprecher Benno Estermann auf Anfrage mitteilt: «Alle Rückkehrer von Dienst- und Privatreisen, die sich in den letzten 14 Tagen in Italien aufgehalten haben, werden aufgefordert – nach vorheriger Absprache mit der Führungskraft – zwei Wochen im Home Office zu arbeiten.» Bei grippeähnlichen Symptomen sind die Mitarbeitenden aufgefordert, sich umgehend telefonisch mit ihrem Hausarzt in Verbindung zu setzen.
Berufliche Reisen nach Italien sollten Siemens-Mitarbeiter nur in absolut notwendigen Fällen unternehmen. Auch geplante Geschäftsbesuche aus Italien sollten bis auf Weiteres auf einen späteren Zeitpunkt verschoben oder durch Video- oder Telefonkonferenzen ersetzt werden. Diese Anweisungen gelten auch für Südkorea und Japan.

Bei den öffentlichen und privaten Transportunternehmen, die grenzüberschreitende Verkehrsverbindungen anbieten, verfolgt man die neusten Entwicklungen in Sachen Coronavirus aufmerksam. «Wir stehen in engem Kontakt mit dem Bundesamt für Gesundheit», erklärt der SBB-Sprecher Martin Meier. Zurzeit würden keine Massnahmen getroffen, um Bahnverbindungen ins Ausland zu unterbrechen. «Der Lead liegt beim Bund», sagt Meier. «Wenn das Bundesamt für Gesundheit empfehlen würde, den grenzüberschreitenden Verkehr einzustellen, würden wir dies unverzüglich umsetzen.»

Sollte der Bund entsprechende Massnahmen anordnen, wären nicht nur die SBB betroffen, sondern zahlreiche weitere Verkehrsunternehmen wie Flixbus, Postauto, die Rhätische Bahn sowie weitere Bahn- und Busunternehmen, die grenzüberschreitende Linien anbieten.

Sollte sich das Virus in der Schweiz weiter ausbreiten, werde der Bund weitere Massnahmen ergreifen, hatte Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), bereits am Montag (24. 2.) erklärt. Dabei handle es sich um Massnahmen des «social distancing» wie etwa die Absage von Veranstaltungen. Hierfür sei es jedoch noch zu früh, hiess es. Der Bund verfolge die Lage aber genau und beurteile sie täglich neu. 

Am Dienstag (25. 2.) hatten sich die Gesundheitsminister aus Italien, der Schweiz, Deutschland, Slowenien, Frankreich und Österreich in Rom zu Beratungen getroffen. Bundesrat Alain Berset nahm für die Schweiz an dem Treffen teil. Die Nachbarländer hätten Vertrauen in die in Italien getroffenen Massnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Virus. Die Konferenzteilnehmer hielten eine Schliessung der Grenzen zwischen Italien und seinen Nachbarländern für übertrieben, sagte der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza.

Um sich selbst und andere zu schützen, empfiehlt die WHO, eine Reihe grundlegender Hygienemassnahmen einzuhalten. So sollte man unter anderem regelmässig die Hände mit Wasser und Seife oder einer alkoholbasierten Lösung reinigen. Muss man husten oder niesen, sollte man Mund und Nase mit einem Taschentuch oder der Armbeuge bedecken. Das Taschentuch hinterher in einem geschlossenen Behälter entsorgen und Hände waschen.

Schauen Sie im Video, wie Sie sich und andere schützen können.

Mitarbeit: gam., cts., cb., ase., alg.; mit Agenturmaterial