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VIDEO - Türkisches «Game of Thrones»: wie die Türkei mit TV-Serien die Welt erobert

Nein. Das ist nicht «Game of Thrones». Ich musste aber auch zweimal hinschauen.

Das ist «Dirilis Ertugrul»: ein türkisches TV-Drama.

Die Türkei ist nach den USA der zweitgrösste Exporteur von TV-Serien. Mit Hunderten von Millionen Zuschauern auf der ganzen Welt.

Und das ist kein Zufall. Dahinter steckt System und ein Ziel: Die Türkei versucht, ihren Einfluss in der Welt zu vergrössern.

Viele von uns im Westen haben vielleicht noch nicht so viel davon gesehen, aber türkische Serien sind sehr beliebt, vor allem im Nahen und im Mittleren Osten, aber auch in Osteuropa, Nordafrika und in Lateinamerika.

In Pakistan hat «Dirilis Ertugrul» in kürzester Zeit über 130 Millionen Zuschauer gewonnen. Sie wurde auf Anweisung des Premierministers sogar im Staatsfernsehen gezeigt.

Imran Khan: “Durch die Serie lernt unsere Jugend die islamische Geschichte und Moral kennen.”

Genau deshalb sind türkische Serien so beliebt in der muslimischen Welt. Sie nutzen eine Marktlücke, die von Hollywood weit offen gelassen wurde.

Hier ist die Darstellung von Muslimen sehr eingeschränkt. Im besten Fall sind sie naive Gläubige. Im schlimmsten Terroristen.

In den türkischen Serien hingegen steht die islamische Welt im Zentrum. Islamische Werte und Traditionen werden gefeiert.

«Dirilis Ertugrul» - auf Deutsch «Die Auferstehung des Ertugrul» - spielt in der Gründungszeit des Osmanischen Reiches und stellt eine heile muslimische Gesellschaft dar. Die Feinde sind hier die Kreuzritter.

Die Serien sind auch beliebt, weil sie einfach sehr gut gemacht sind. Die Produktionen werden immer hochwertiger und teurer.

Und das ist notwendig, wenn man heutzutage ein globales Publikum ansprechen will, denn dieses hat sich an einen gewissen Standard gewöhnt.

So ist es kein Zufall, dass «Dirilis Ertugrul» auch als das türkische «Game of Thrones» gilt.

Dass die Türkei nicht nur auf das einheimische Publikum zielt, zeigt sich auch an der wachsenden Präsenz auf globalen Streaming-Diensten wie Netflix oder Youtube.

Das Land will offensichtlich ein grösstmögliches Publikum erreichen.

Und das ist ganz im Sinne von Präsident Erdogan.

Ertugrul ist ein toller Held: gütig, mutig, unfehlbar.

Nein, ich übertreibe nicht. Und diese Darstellung vom reinen muslimischen Helden ist auch kein Zufall. Sie passt perfekt in die Propagandastrategie des türkischen Präsidenten Erdogan.

Denn «Dirilis Ertugrul» ist auch eine Antwort auf die bis dahin erfolgreichste türkische Serie im Ausland: «Das prächtige Jahrhundert». Auch diese Produktion zeigt eine glorreiche Vergangenheit des Osmanischen Reiches unter Sultan Süleyman dem Prächtigen.

Der Held ist aber nicht ganz so makellos.

Er trinkt Alkohol und lässt sich von Frauen verführen. Das gefiel Erdogan nicht.

Er drohte sogar mit einer Klage wegen Volksverhetzung. Die Produzenten mussten das Drehbuch ändern, und die Einschaltquoten fielen in den Keller.

Daraufhin wurde der Staatssender TRT mit der Produktion von «Dirilis Ertugrul» beauftragt. Der Staatssender ist von der Regierung abhängig und vertritt deren Kurs.

Deshalb ist es auch nicht überraschend, dass diese Serie auf einer Linie mit der politischen Propaganda Erdogans daherkommt: nationalistisch, konservativ, islamisch.

Und Erdogan nutzt die wachsende Nostalgie für das Osmanische Reich und stilisiert sich in den eigenen Propagandavideos zum neuen Sultan hoch.

Erdogan verheimlicht nicht, dass er sich eine Art Wiederbelebung des Osmanischen Reiches wünscht. Und damit den Führungsanspruch in der muslimischen Welt für sich beansprucht.

«Dirilis Ertugrul» eignet sich also gut zur Propaganda, denn die Serie ist auch in den arabischen Staaten sehr beliebt. Und das passt den Machthabern dieser Staaten gar nicht.

Das ist die Serie «Königreiche des Feuers». Produziert von Saudiarabien und den Emiraten. Für 40 Millionen Dollar.

So viel lassen es sich die arabischen Staaten kosten, um auf den wachsenden Einfluss der Türkei in der Region zu antworten.

In «Königreiche des Feuers» werden die Osmanen als brutale Tyrannen dargestellt, die die arabischen Völker unterdrücken.

Es ist eine direkte Antwort auf «Dirilis Ertugrul» und ein deutliches Zeichen dafür, wie wichtig TV-Serien sein können im internationalen Machtkampf.

Die Türkei versucht nicht nur über Serien Einfluss in der Region zu gewinnen:

Syrien. Der Irak. Libyen. Nagorni Karabach. Sie mischt sich in immer mehr Konflikte in der Region ein, zum Teil mit Militärgewalt.

Das kommt international nicht gut an. Auch deshalb ist es gerade jetzt für die Türkei sehr wichtig, ihr Image aufzupolieren. Und ihre Version der Geschichte zu erzählen.

Filme und Serien sind ein nicht zu unterschätzendes Propagandainstrument. Auch Hollywood und Bollywood sind ideologisch gefärbt.

Aber die Türkei nutzt dieses Instrument sehr gezielt und auch sehr erfolgreich. Nur bekommen wir davon im Westen nicht so viel mit.

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