Switzerland

Verwirrung: Deutsche Medien berichten über extrem geringe Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffs

Wirbel um den Corona-Impfstoff von AstraZeneca. Die deutschen Zeitungen «Bild» und «Handelsblatt» behaupten, deren Impfstoff habe eine Wirksamkeit von unter 10 Prozent bei Senioren. Die Pharmafirma AstraZeneca hat das sofort dementiert. Die «Daily Mail» zitiert einen AstraZeneca-Sprecher: «Berichte, dass die Wirksamkeit des AstraZeneca / Oxford-Impfstoffs bei Erwachsenen über 65 Jahren nur acht Prozent beträgt, sind völlig falsch.» Verschiedene Wissenschafter halten die Zahl für völlig unmöglich und erklären, dass niemand wisse, woher diese Zahl von acht Prozent komme.

Die Universität Oxford verwirft den Bericht im hohen Bogen und erklärt, es gebe keine Grundlage für diese Behauptung, und die Daten seien bereits transparent veröffentlicht worden. Auch der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn sagt, bei dieser Behauptung handle es sich um eine Lüge. Oder um eine Verwirrung beim Journalisten des «Handelsblatts», wie ein Vertreter der britischen Regierung vermutet. Acht Prozent der über 65-jährigen hätten an den klinischen Tests teilgenommen. Wahrscheinlich habe der Reporter das mit der Wirksamkeit verwechselt. Die britische Behörde hätte einen Impfstoff mit einer Wirksamkeit von acht Prozent nicht zugelassen.

Klinische Wirksamkeit von 62 Prozent

Der Pharmakonzern erwartet, dass die Wirksamkeit des Impfstoffes in allen Altersgruppen ähnlich sei. An der Studie haben aber vor allem Menschen im Alter zwischen 18 und 55 teilgenommen. Bekannt ist bereits, dass der AstraZeneca-Impfstoff in den klinischen Studien eine geringere Wirksamkeit aufwies als die beiden mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer. Während diese eine Wirksamkeit von mehr als 94 Prozent belegten, schreibt Infovac, dass der am 30. Dezember in Grossbritannien zugelassene Impfstoff mit dem Zwei-Dosen-Impfschema «eine Wirksamkeit von 62 Prozent nicht überschreiten dürfte.»

Infovac ist die von der Universität Genf geführte und vom BAG unterstützte Informations- und Beratungsplattform für Mediziner aller Sparten. Infovac führt weiter aus: «Aufgrund von aufgetretenen methodischen Problemen in der Phase-3-Studie in Grossbritannien warten die USA, die Schweiz und andere Länder auf die Ergebnisse der laufenden Phase-3-Studie in den USA.»

Was diese Prozentzahlen der Wirksamkeit betrifft, scheint in der Bevölkerung einige Verwirrung zu bestehen.

70 oder 62 Prozent heisst nicht, dass eine geimpfte Person nun eine 30 bis 40-Prozent-Chance hat, an Covid-19 zu erkranken. Die Wahrscheinlichkeit ist auch bei einer Wirksamkeit von 70 Prozent viel viel kleiner, weil auch damit die Infektionsketten unterbrochen werden. Das Virus verbreitet sich nicht mehr und das Ansteckungsrisiko ist sehr gering. Zum Vergleich: Auch eine Grippeimpfung hat keine 100-prozentige klinische Wirksamkeit, im Winter 2019/20 lag sie bei 62 Prozent. Trotzdem stecken sich von den Grippegeimpften nur weniger als ein Prozent mit dem Influenza-Virus an.

Warten auf die Zulassung des AstraZeneca-Impfstoffs

Im Moment gibt es aber weder eine Zulassung durch das Heilmittelinstitut Swissmedic noch durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA für den Astrazeneca-Impfstoff «ChAdOx1». In den EU-Staaten wird diese Zulassung stark gefordert. Bis am Freitag hat die EMA noch Zeit. Die Zulassung ist eigentlich unbestritten, die Frage ist nur, welche Auflagen damit verknüpft sind.

Schweiz hat 5,3 Millionen Impfstoffe bestellt

Auch die Schweiz wartet dringendst auf den Impfstoff von AstraZeneca. Der Bund hat mit dem britischen Pharmaunternehmen und der schwedischen Regierung einen Vertrag über die Lieferung von bis zu 5,3 Millionen Impfdosen abgeschlossen.

Gemäss deutschen Zeitungen hat Astrazeneca anscheinend erklärt, es gebe einen Trick, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Wenn man dem Geimpften zuerst nur die halbe Dosis verabreiche und einen Monat später eine weitere volle Portion, erreiche der Impfstoff eine Wirksamkeit von 90 Prozent. Wie die Arzneimittelbehörden das beurteilen, bleibt abzuwarten. Die 8-Prozent-Meldung ist wohl eher eine Ente.

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