Switzerland

Verordnung: Detailhändler scheren sich nicht um Corona-Regeln

Seit über einer Woche dürfen Detailhändler keine Waren mehr verkaufen, die nicht zum täglichen Bedarf gehören. Dazu gehören etwa Bücher und Sportartikel. Betriebe, die sich nicht an die Verordnung des Bundesrats halten, bekommen Post von der Staatsanwaltschaft. Es droht gemäss Epidemiengesetz eine Busse und im schlimmsten Fall eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.

Doch einige Händler nehmen es mit der Weisung offenbar nicht so genau. Die Otto's-Filiale in Niederhasli (ZH) hat etwa Kleider und Elektrogegenstände nicht abgesperrt, wie ein Leser-Reporter berichtet. Es könne aber sein, dass die Verkäufer an der Kasse den Verkauf dann verweigern, vermutet der Leser-Reporter. Eine Anfrage blieb bisher von Otto's unbeantwortet.

Lidl-Mitarbeiter sind «wütend»

Auch Lidl Schweiz bot laut einem Mitarbeiter noch für anderthalb Wochen, nachdem die Weisung in Kraft trat, Güter des nichttäglichen Bedarfs an. Der Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, sagt zu 20 Minuten: «Die Chefs wiesen die Mitarbeiter trotz Verbots an, diese Produkte – Gartenartikel und Kleider – zu verkaufen, um die Zielvorgaben zu erreichen. Bei Problemen mit der Polizei sollten wir uns an den Rechtsdienst wenden.»

Die Mitarbeiter seien wütend, dass sie nicht die Anweisungen der Polizei umsetzen durften, sondern lange mit den Behörden diskutieren mussten. Je nach Region sei die Polizei bis zu dreimal am Tag vorbei gekommen. «Sie hat den Mitarbeitern mit Strafen in Höhe von 10'000 Franken und der Mitnahme aufs Revier gedroht.»

Tatsächlich stellten verschiedene Polizeikorps in den letzten Tagen Verstösse gegen die Verordnung fest: Am Freitag rückte die Kapo St. Gallen aus, weil ein Grossverteiler Absperrungen bei Gütern für den nicht täglichen Bedarf entfernt hatte. «Diese wurden anschliessend wieder angebracht.»

Polizei musste ausrücken

Im Kanton St. Gallen gab es laut Sprecher Florian Schneider in den ersten Tagen der Verordnung etwa fünf Interventionen im Geschäftsbereich. Die Polizei habe in allen Fällen das Gespräch gesucht und sei auf Verständnis gestossen. Manch einer habe noch während die Polizei vor Ort war, die entsprechenden Regale mit Absperrband versehen. Die Kantonspolizei Zürich musste insgesamt rund ein Dutzend Mal bei Detailhändlern intervenieren.

Lidl Schweiz dementiert auf Anfrage, weiter Güter des nicht täglichen Bedarfs verkauft zu haben. Lidl habe die entsprechenden Bereiche am Samstag vor einer Woche abgesperrt. Eine entsprechende Anweisung an die Mitarbeiter habe es nicht gegeben. Ebenso seien keine Anzeigen gegen Lidl bekannt. Eine Anweisung zum Verweis auf den Rechtsdienst habe es nicht gegeben. Lidl habe die Mitarbeiter lediglich angewiesen, bei Polizeikontrollen in einer Filiale den operativen Krisenstab zu informieren, der dem Rechtsdienst angesiedelt sei.

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