Switzerland

USA wollen Zusammenarbeit mit der WHO sofort beenden und Zahlungen streichen – die neusten Entwicklungen zum Coronavirus weltweit

Rund 362 500 Personen sind bisher nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Mehr als 5,8 Millionen Menschen sind seit dem Ausbruch positiv getestet worden.

Die neusten Entwicklungen

  • Die USA stellen per sofort ihre Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein. «Wir werden heute unsere Beziehung zur Weltgesundheitsorganisation beenden», sagte US-Präsident Donald Trump am Freitag (29. 5., Ortszeit) bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Weissen Haus. Die von den USA der WHO bisher zur Verfügung gestellten Mittel würden an andere globale Gesundheitszwecke gehen. Dieser Schritt hatte sich in den letzten Wochen abgezeichnet. Immer wieder hatte der Präsident der WHO vorgeworfen, unter der Kontrolle Chinas zu stehen. Kritiker werfen ihm vor, vom eigenen Versagen abzulenken. Erst neulich haben die USA die 100 000-Marke bei den Todesfällen übersprungen. Laut einer aktuellen Studie der Columbia-Universität hätten 36 000 Leben in den USA gerettet werden können, wenn die Regierung Social Distancing und Lockdown-Massnahmen eine Woche früher eingeführt hätte. Trumps wahrscheinlichster Konkurrent um das Präsidentenamt, der Demokrat und ehemaliger Vizepräsident (unter Obama) Joe Biden, warf Trump in einer Videobotschaft vor, zu spät reagiert zu haben.
  • Die Behörden in Israel haben einen ungewöhnlichen Anstieg von Corona-Infektionen festgestellt. Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstagabend mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 64 Fälle bekannt - eine «vergleichsweise ungewöhnliche Zunahme». Das Ministerium mahnte die Bevölkerung, sich weiterhin an die Corona-Regeln zu halten. Einem Bericht des Nachrichtenportals «ynet» zufolge wollten Ministeriumsvertreter am Freitag über die Lage beraten. Allein an einer Schule in Jerusalem wurden demnach zuletzt 18 Corona-Fälle bekannt. In dem Land hatte es zuletzt einige Lockerungen gegeben. Der Erreger Sars-CoV-2 ist bisher bei 16 872 Menschenl nachgewiesen worden, 14 679 sind wieder genesen. 284 Menschen sind daran gestorben.
  • Brasilien verzeichnet 26 417 neue Infektionsfälle innerhalb von 24 Stunden. Damit erreicht die Zahl der Infektionen in dem südamerikanischen Land 438 238. Mehr als 26 750 Menschen sind bereits gestorben. Die Weltgesundheitsorganisation hat Brasilien zu einem neuen Epizentrum der Coronavirus-Pandemie erklärt. Corona-Krisenherd Copacabana
  • Die französische Regierung hat am Donnerstag (28. 5.) weitere Lockerungen bekannt gegeben. Fast im ganzen Land dürfen Restaurants, Bars sowie Touristenunterkünfte wie Campingplätze und Ferienhäuser wieder komplett öffnen. Lediglich im Grossraum Paris und den Überseegebieten Französisch-Guyana und Mayotte gibt es weiterhin Einschränkungen, da die Lage dort noch nicht stabil ist. Am 2. Juni soll auch die Reisebeschränkung fallen, die Reisen innerhalb Frankreichs zu Zielen, die mehr als 100 Kilometer vom Zuhause entfernt sind, verbietet. Das Louvre wird voraussichtlich am 6. Juli wieder aufgehen, wie das weltberühmte Kunstmuseum am Freitag (29. 5.) mitteilte.
  • In Belgien patrouillieren Roboter in einigen Spitälern und Geschäften. Besucher des Universitätsspital in Antwerpen zum Beispiel müssen ab Dienstag (2. 6.) online oder an einem interaktiven Kiosk Fragen beantworten. Der Roboter scannt den QR-Code, prüft die Antworten, misst die Körpertemperatur und prüft, ob die Gesichtsmaske richtig sitzt. Die Geräte sprechen sogar 53 Sprachen, aber Tests auf das Coronavirus durchführen können sie nicht.

Die weltweit bestätigten Infektionszahlen steigen weiter an

Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle weltweit (in Millionen)

Die Entwicklungen in der Schweiz finden Sie hier.

Die Entwicklungen in Deutschland finden Sie hier.

Da die täglichen Infektionsraten insgesamt sinken, lockern mehrere Regierungen die Beschränkungen schrittweise.

Die EU-Kommission plädiert in einem am 13. Mai präsentierten Plan dafür, die stark eingeschränkte Reisefreiheit innerhalb der EU wiederherzustellen. Immer mehr europäische Länder wollen ihre Grenzen wieder öffnen. 

Die Schweiz, Österreich, Deutschland und Frankreich kündigen Grenzöffnungen an

Nationale Regelungen

Die Schweiz, Österreich, Deutschland und Frankreich kündigen Grenzöffnungen an - Nationale Regelungen

Diese Länder sind in Europa am stärksten betroffen

Russland zählt seit Mitte Mai mehr Fälle als Grossbritannien. Seither kamen täglich 8500 bis 10 000 Neuinfizierte dazu. Derzeit sind mehr als 379 000 Infizierte und 4374 Tote gemeldet (29. 5.). In der Hauptstadt Moskau laufen Massentests auf Antikörper. Ab 1. Juni sind für Moskau Lockerungen der zweimonatigen Ausgangssperre angekündigt: Läden, Reparaturbetriebe, Wäschereien und chemische Reinigungen dürfen wieder öffnen. Kremlchef Wladimir Putin setzte ausserdem die verschobene Militärparade zum 75. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitlerdeutschland auf den 24. Juni an. Diese war ursprünglich für den 9. Mai geplant gewesen. 

Das Vereinigte Königreich verzeichnet rund 270 500 positiv getestete Personen und rund 38 000 Tote (29. 5.). Die Menschen in England dürfen wieder unbegrenzt ihre Häuser verlassen und für Tagesausflüge innerhalb des grössten britischen Landesteils umherreisen. Die Regionalregierungen in Schottland, Wales und Nordirland lehnen dies jedoch ab. Ab dem 1. Juni sind auch wieder Treffen von bis zu sechs Personen in privaten Gärten möglich. Auch Läden mit Verkaufsflächen im Freien sollen wieder öffnen dürfen. Zudem werden auch teilweise die Schulen wieder für eine grössere Zahl von Kindern geöffnet. Einreisende aus dem Ausland müssen ab dem 8. Juni in eine zweiwöchige Quarantäne. Zeitweise war Premierminister Boris Johnson selbst schwer am Virus erkrankt. 

In Italien steht die Gesamtzahl der Infektionsfälle bei rund 231 700, mehr als 33 100 Personen sind gestorben (29. 5.). Die Landesgrenzen sowie die Flughäfen sollen am 3. Juni wieder geöffnet werden. Für EU-Bürger soll die Einreise dann ohne pauschale Quarantäne wieder möglich sein. Die Ausgangsbeschränkungen wurden am 4. Mai gelockert. Geschäfte und Restaurants sind seit dem 18. Mai wieder offen. Treffen mit Freunden sind möglich, Gottesdienste wieder erlaubt.

Spanien gedenkt seit dem 27. Mai während zehn Tagen der mittlerweile mehr als 27 100 Todesopfer (29. 5.) im Land. Der Notstand soll bis mindestens zum 6. Juni gelten. Bis Ende Juni will die Regierung zu einer «neuen Normalität» zurückfinden. In zwei-Wochen-Schritten sollen Geschäfte, Kirchen, Fitnessstudios und Hotels geöffnet werden, wobei die Regionen unterschiedlich vorgehen. Madrid und Barcelona sowie andere Regionen sind am 25. Mai in die Phase eins des abgestuften Öffnungsplans übergetreten: Hotels, Restaurants und Bars im Freien dürfen wieder öffnen, private Zusammenkünfte von bis zu zehn Personen sind wieder erlaubt. Andere Regionen, wo die Infektionszahlen schon früher niedriger waren und die deshalb schon in Phase eins waren, treten ab dieser Woche in Phase zwei ein. Keine Region befindet sich bisher in Phase drei. Reisen zwischen den Landesregionen sind nicht gestattet.

Ab Juli will Spanien wieder Touristen begrüssen. Die angeordnete Pflicht zur Quarantäne für aus dem Ausland Eingereiste soll bis 1. Juli aufgehoben werden. Die Schulen bleiben bis September geschlossen. Seit dem 21. Mai gilt für alle Personen ab 6 Jahren eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Das Land verzeichnet etwa 237 900 Fälle, mehr als 27 100 Erkrankte sind verstorben (29. 5.). 

Im Schaufenster eines Tourismus-Büros in Madrid spiegelt sich ein Mann mit Schutzmaske.

Im Schaufenster eines Tourismus-Büros in Madrid spiegelt sich ein Mann mit Schutzmaske.

Sergio Perez / Reuters

Die Situation in den anderen Nachbarländern

In Frankreich liegt die Zahl der Fälle bei über 186 300, mehr als 28 660 Personen sind verstorben (29. 5.). Die Fallzahlen erreichten ihren Höhepunkt Mitte April und gehen inzwischen zurück. Seit dem 11. Mai dürfen die Menschen wieder ohne Passierschein vor die Tür. Auch die Geschäfte sind wieder offen. Bars, Restaurants und Touristenunterkünfte dürfen ab dem 2. Juni wieder in fast allen Regionen komplett öffnen. Lediglich im Grossraum Paris sowie in den Überseegebieten Französisch-Guyana und Mayotte gibt es noch Einschränkungen. Auch das Reiseverbot für Ziele, die mehr als 100 Kilometer von Zuhause entfernt sind, soll am 2. Juni fallen. In öffentlichen Verkehrsmitteln gilt eine Maskenpflicht. Die Grenze zur Schweiz und zu Deutschland sollen am 15. Juni wieder öffnen.

In Deutschland liegt die Zahl der Fälle bei rund 182 200 (29. 5.), 8472 Personen sind in Zusammenhang mit Sars-CoV-2 gestorben. 

Genaueres zur Situation in Deutschland erfahren Sie hier.

In Österreich liegt die Zahl der positiven Tests bei mehr als 16 600 (29. 5.), 668 Personen sind gestorben. Seit dem 1. Mai sind die Ausgangsbeschränkungen wieder aufgehoben. Beim Einkaufen und im öffentlichen Verkehr müssen zurzeit Mund und Nase bedeckt werden. Am 15. Juni soll die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit grossteils fallen. Die Grenze zur Schweiz und zu Deutschland soll auch am 15. Juni wieder geöffnet werden.

Bestätigte Fälle des Coronavirus in europäischen Ländern, nach Status der Patienten (in Tausend)

0100200300400RusslandGrossbritannienSpanienItalienFrankreichDeutschlandBelgienNiederlandeWeissrusslandSchwedenPortugalSchweizIrlandPolenUkraineRumänienÖsterreichDänemarkSerbienTschechienNorwegen

Die Situation in den Benelux-Staaten und Skandinavien

In den Niederlanden sind die Grundschulen seit dem 11. Mai wieder offen – zunächst für je die Hälfte der Schüler pro Tag. Auch Kitas und Bibliotheken sind wieder offen. Am 1. Juni sollen alle Schulen und eingeschränkt auch Museen, Theater, Kinos, Restaurants und Cafés wieder öffnen. Ab 1. Juli sind Lockerungen auch für den Tourismus geplant. Bisher sind in den Niederlanden über 46 150 Infektionsfälle registriert worden, 5922 Personen sind gestorben (29. 5.).

Belgien verzeichnet rund 57 850 Ansteckungen und rund 9400 Tote (29. 5.). Seit dem 11. Mai sind alle Geschäfte wieder offen, allerdings gelten Hygieneauflagen. Am 18. Mai sind weitere Lockerungen erfolgt, etwa für den Unterricht an Schulen, Coiffeure und Sporttrainings. Jede Art kultureller, sportlicher oder touristischer Veranstaltungen bleibt bis 30. Juni verboten.

In Dänemark sind Kitas, Kindergärten und Primarschulen bereits seit Mitte April wieder offen. Kurz darauf wurden die Einreisebestimmungen gelockert. Seit dem 11. Mai darf der gesamte Einzelhandel wieder öffnen. Die Öffnung von Museen, Kinos und Theatern folgt am 8. Juni. Das Versammlungsverbot für mehr als zehn Personen soll dann auf maximal 50 Teilnehmer gelockert werden. Das Land meldet über 11 700 Fälle, 568 Personen sind gestorben (29. 5.). 

Schweden geht einen auch im eigenen Land umstrittenen Sonderweg: Grundschulen, Geschäfte und Restaurants blieben in der Krise weitgehend geöffnet. Das Einreiseverbot für Personen ausserhalb der EU sowie aus Ländern der Freihandelszone ist um einen Monat bis zum 15. Juni verlängert worden. Das Land hat mehr als 35 700 Fälle und über 4200 Tote erfasst (29. 5.).

In Polen müssen seit dem 4. Mai polnische Bürger, die in Deutschland, der Slowakei, Tschechien oder Litauen arbeiten oder studieren, bei einer Rückkehr nach Polen nicht mehr für 14 Tage in Quarantäne. Restaurants und Coiffeurs sind wieder geöffnet. Über 22 800 Fälle sind seit Ausbruch der Krise registriert worden, über 1030 Personen sind gestorben (29. 5.). Wegen der Pandemie wurde die für den 10. Mai angesetzte Präsidentenwahl verschoben.

In Tschechien durften am 25. Mai auch Restaurants, Bars und Cafés ihre Innenräume wieder öffnen. Grünes Licht bekamen Sportveranstaltungen mit bis zu 300 Beteiligten. Der reguläre internationale Reiseverkehr mit Bus, Bahn und Flugzeug ist wieder zugelassen. Die Grenzübergänge zu Österreich und Deutschland sind seit dem 26. Mai wieder offen. Einreisende müssen allerdings Beweise für einen negativen Corona-Test mitführen. Es besteht Maskenpflicht in Geschäften, Büros und dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr. Das Land verzeichnet derzeit mehr als 9100 Fälle und 319 Tote (29. 5.).

In Ungarn gilt seit dem 11. März das Notstandsrecht. Das Parlament hat ein Gesetz gebilligt, das der Regierung erlaubt, für unbegrenzte Zeit per Dekret zu regieren. Am 15. Mai hat Ministerpräsident Orban jedoch angekündigt, die umstrittenen Sondervollmachten bis Ende Mai wieder abzugeben. Nach Behandlung der Vorlage im Parlament und ihrer Billigung würden der Notstand und die Sondervollmachten voraussichtlich am 20. Juni enden, schrieb Justizministerin Judit Varga auf ihrer Facebook-Seite. Ungarn verzeichnet mehr als 3800 Infizierte und 509 Tote (29. 5.).

Die Situation in der Türkei

Die Türkei verzeichnet mehr als 160 900 Infektionsfälle und 4461 Tote (29. 5.). Zuletzt sind die Opferzahlen gesunken und das Land hat daher begonnen, Beschränkungen zu lockern. Unter anderem soll es ab dem 1. Juni für bisher nach aussen abgeschottete Grossstädte wie Istanbul wieder Reisefreiheit geben.

Die Situation auf dem Balkan

Griechenland hat das Coronavirus frühzeitig eingedämmt. Seit dem 4. Mai dürfen sich die Bürger wieder ohne Bewilligung bewegen. Seit dem 11. Mai sind sämtliche Geschäfte wieder geöffnet, Cafés und Restaurants seit dem 25. Mai. Am 1. Juli soll der Tourismus für das Ausland geöffnet werden. Im öffentlichen Nahverkehr gilt eine Maskenpflicht. Mehr als 2900 Personen sind als infiziert gemeldet, 175 sind gestorben (29. 5.).

In Serbien dürfen seit 4. Mai Gaststätten öffnen, wenn sie ihre Kundschaft draussen bedienen. In Belgrad sind Kindertagesstätten und Grundschulen für Kinder, deren Eltern arbeiten müssen, seit dem 11. Mai wieder offen. Der öffentliche Verkehr wird schrittweise hochgefahren. Im öffentlichen Raum gelten Abstandsregeln und Maskenpflicht. In Serbien gibt es etwa 11 300 bestätigte Fälle und 241 Todesopfer (29. 5.).

Die Vereinigten Staaten zählen mit mehr als 1,7 Millionen Infizierten seit Beginn des Ausbruchs die meisten bestätigten Fälle der Welt (29. 5.). Die Zahl der Toten liegt bei über 101 600. Im Umfeld von Präsident Donald Trump haben sich mehrere Mitarbeiter infiziert: eine Pressesprecherin von Vizepräsident Mike Pence, ein persönlicher Bediensteter von Trump und mehrere Geheimdienstmitarbeiter im Weissen Haus.

Seit der Zuspitzung der Coronavirus-Pandemie in den USA im März haben bereits mehr als 40 Millionen Menschen mindestens zeitweise ihren Job verloren – so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit.

Diese Region ist derzeit am stärksten betroffen

New York ist das Zentrum der Epidemie in den USA. Mehr als 371 500 Menschen im Gliedstaat sind infiziert, über 29 500 Menschen sind gestorben (29. 5.). Die Infektionsrate ist rückläufig. Seit dem 15. Mai werden in weniger betroffenen Regionen die Beschränkungen schrittweise gelockert. Versammlungen von bis zu zehn Personen sind wieder erlaubt. Gouverneur Andrew Cuomo wirbt für freiwillige Coronavirus-Tests für alle New Yorker, die wieder arbeiten gehen dürfen.

So präsentiert sich die Lage in andern Regionen

Die ersten Gliedstaaten haben Ende April, Anfang Mai mit einer Lockerung der Beschränkungen begonnen, darunter Tennessee und Georgia, ausserdem Texas, Alabama, Idaho, Iowa, Maine und Kalifornien. Demokraten protestierten in Städten wie Dallas und Texas dagegen. Florida begann am 4. Mai mit der Öffnung.

Im Staat Nevada mit dem Glücksspielparadies Las Vegas sollen am 4. Juni nach wochenlangen Schliessungen die Casinos und Hotels wieder öffnen. Casino-Betreiber müssen Hygieneauflagen und Abstandsregeln befolgen und den Gästen Schutzmasken anbieten. Auch Fitnesszentren, Schwimmbäder und Wasserparks können ihren Betrieb mit Vorsichtsmassnahmen wieder aufnehmen, allerdings nur mit Gruppen von maximal 50 Personen.

Daten aus den Gliedstaaten Illinois und Michigan zeigen, dass Dunkelhäutige stärker betroffen sind. Laut Experten spiegelt dies die Ungleichheit bezüglich Gesundheitszustand und Zugang zu medizinischer Versorgung wider. 

In Kanada wurde das Coronavirus aufgrund der besseren Testmöglichkeiten früher festgestellt als in Mittel- und Südamerika. Dort registrieren die Länder erst nach und nach Infizierte.

Diese Länder sind derzeit am stärksten betroffen

In Kanada ist die Zahl der Infektionsfälle auf rund 90 000 gestiegen (29. 5.). Rund 7000 Personen sind gestorben. Die Regierung hat ein Einreiseverbot für Ausländer erlassen. Die Grenze zu den USA bleibt bis zum 21. Juni für nicht notwendige Reisen geschlossen. 

Brasilien verzeichnet mehr als 438 200 Fälle und über 25 700 Tote (29. 5.). Nur in den USA sind noch mehr Infektionsfälle bekannt. Für Personen, die sich in Brasilien aufgehalten haben, gilt ein Einreiseverbot in die USA – amerikanische Staatsbürger sind von dieser Regelung ausgenommen. Das Gesundheitssystem und das Bestattungswesen sind vielerorts kollabiert. Zudem sind die Indigenen in Amazonien besonders anfällig für das Virus. Der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro will dennoch schnell zur Normalität zurück und desavouiert mit seiner Ablehnung von Schutzmassnahmen die Gouverneure der Gliedstaaten. Wegen Meinungsverschiedenheiten im Umgang mit dem Coronavirus hat Bolsonaro bereits zwei Gesundheitsminister verschlissen, Gesundheitssekretär Wanderson Oliveira bat diese Woche um Entlassung. In einem am Donnerstag veröffentlichten Brief schrieb der Spezialist für Pandemien von «Steinen im Weg».

Corona-Krisenherd Copacabana

So gestaltet sich die allgemeine Situation in der Region

In Mittel- und Südamerika sind fast alle Länder betroffen. Mehrere Länder haben Einreiseverbote erlassen. In Kuba dürfen Einheimische nicht mehr ausreisen. Haiti, Panama, Kolumbien und Honduras haben Ausgangssperren verhängt. Argentinien hat seine Ausgangsbeschränkungen bis auf den 7. Juni verlängert. Das Virus zirkuliert dort vor allem im Grossraum Buenos Aires.

El Salvador schloss am 11. März, noch vor der ersten bestätigten Infektion im Land, die Grenzen und führte am 22. März die strengsten Ausgangsbeschränkungen Lateinamerikas ein. Wer die Quarantäne missachtet, wird für bis zu 30 Tage in ein «Eindämmungszentrum» gesteckt. Das oberste Verfassungsgericht des Landes hat die Praxis für unzulässig erklärt. Bisher wurden über 2190 Menschen positiv getestet (29. 5.), 39 von ihnen starben.

In Venezuela gibt es laut offiziellen Zahlen über 1300 Infizierte und 11 Tote (29. 5.). Wegen der schweren politischen Krise liegt das Gesundheitssystem des Landes am Boden.

Ein Arbeiter geht auf der Anlage eines Krematoriums in Mexiko-Stadt an leeren Särgen vorbei.

Ein Arbeiter geht auf der Anlage eines Krematoriums in Mexiko-Stadt an leeren Särgen vorbei. 

Sashenka Gutierrez / EPA

China war ursprünglich das Zentrum des Coronavirus, auch andere Länder Asiens verzeichneten früh erste Fälle. Zum Teil wurden ganze Städte abgeriegelt. Die Krise ist noch nicht ausgestanden. Am 1. Mai öffneten sich zum ersten Mal wieder die Tore zu Parkanlagen und zur Verbotenen Stadt im Herzen Pekings. Allerdings werden die Besucherströme kanalisiert. Internationale Flüge sollen noch bis Oktober beschränkt bleiben.

Dieses Land ist in Asien am stärksten betroffen

In Chinas Millionenstadt Wuhan (Provinz Hubei), in der das Coronavirus seinen Anfang nahm, sind insgesamt 3896 Personen im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Zuvor war «nur» von 2579 Toten berichtet worden. China hat angekündigt, alle 11 Millionen Einwohner der Stadt testen zu lassen.

Am 13. Mai hat die Regierung mit Jilin erneut eine Millionenmetropole abgeriegelt, nachdem etwa zwei Dutzend neue Infektionsfälle festgestellt worden waren. Seither dürfen nur noch Menschen, die negativ getestet wurden, die Stadt verlassen.

Insgesamt hat China mehr als 84 100 Infektionsfälle (29. 5.) und 4638 Todesfälle gemeldet. 

In China sinkt die Zahl der derzeit Erkrankten weiter

Bestätigte Coronavirus-Fälle in China, nach Status der Patienten (in Tausend)

1 Zwischen dem 12. und dem 18. Februar wurden in der Provinz Hubei nicht nur Fälle gezählt, die durch Tests bestätigt worden waren, sondern auch solche aus klinischen Diagnosen.

2 Die Behörden korrigieren die Zahl der Toten in Wuhan um 1290 nach oben.

So gestaltet sich die allgemeine Situation in der Region

Südkorea gilt wegen seiner Test- und Quarantänemassnahmen als Vorbild. Doch in der letzten Woche (29.5.) sind die Infektionen wieder angestiegen. Wegen der jüngsten Häufung von Infektionen in Bars und Nachtclubs in der Hauptstadt Seoul sind seit dem 9. Mai sämtliche nächtlichen Unterhaltungseinrichtungen geschlossen. Zuletzt gab es bei in einem Logistikzentrum eines Online-Versandhändlers eine Häufung von Infektionen. Für Fahrgäste in öffentlichen Transportmitteln gilt seit Dienstag (26. 5.) eine Maskenpflicht, die ab Mittwoch auf In- und Auslandflüge ausgedehnt wird. Bisher gibt es in Südkorea rund 11 400 Fälle, 269 Personen sind gestorben (29. 5.).

Nordkorea zählt zu den wenigen Ländern weltweit, die bisher keine Coronavirus-Infektionen bestätigt haben. Laut WHO-Angaben vom 8. April führt Nordkorea Tests durch und hat rund 500 Personen unter Quarantäne gestellt.

Japan hat den Notstand für das gesamte Inselreich am 25. Mai vorzeitig aufgehoben; er war ursprünglich bis zum 31. Mai angesetzt. Nun können Geschäfte wieder öffnen. Der Trend der täglichen Neuinfektionen zeigt seit einiger Zeit nach unten. Japan zählt rund 16 600 Infektionen und 881 Todesfälle (29. 5.). Kritiker hatten der Regierung vorgeworfen, weniger zu testen als andere Länder. Manche Experten halten jedoch dagegen, dass Japan viel weniger Tote und Betroffene mit schweren Symptomen aufweise.

Passanten laufen mit Gesichtsmasken durch die Strassen von Kyoto.

Passanten laufen mit Gesichtsmasken durch die Strassen von Kyoto.

Dai Kurokawaa / EPA

In Indien ist die Infiziertenzahl in den vergangenen Tagen täglich um mehrere tausend Personen angestiegen. Dennoch sind seit Montag (25. 5.) nach verschiedenen Beschränkungen wieder Inlandflüge möglich. Das Land zählt derzeit rund 165 400 bestätigte Fälle und mehr als 4700 Todesopfer (29. 5.).

In Singapur dürfen seit dem 12. Mai einige Geschäfte wieder öffnen, seit dem 19. Mai können die Kinder wieder zur Schule. Wer gegen die Abstandsregeln verstösst, muss bis zu 7000 Dollar Busse zahlen, bis zu sechs Monate im Gefängnis sitzen – oder beides. Treffen jeglicher Art von Personen, die nicht zu einer Familie oder einem Haushalt gehören, sind verboten. Der wirtschaftlich höchstentwickelte Staat in Südostasien rechnet für das zweite Quartal 2020 mit einem Wirtschaftseinbruch von rund 20 Prozent. Insgesamt sind in Singapur mehr als 33 200 Fälle gemeldet, 23 Personen sind verstorben (29. 5.). 

In anderen Teilen Asiens ist die Bewegungsfreiheit nach wie vor eingeschränkt. Malaysia, Indonesien, Vietnam und Hongkong haben Einreisebeschränkungen und teilweise Ausgangssperren erlassen.

Iran verzeichnete seit Februar eine rasch steigende Anzahl an Corona-Fällen und entwickelte sich damit nach China zu einem der am stärksten betroffenen Länder weltweit. Schiitische Pilger trugen das Virus auch in Nachbarländer wie den Irak, Bahrain und Kuwait, die mit starken Abschottungsmassnahmen reagierten. Saudiarabien rief dazu auf, Pilgerreisen nach Mekka und Medina zu unterlassen und während des Fastenmonats Ramadan, der am 23. April begann, zu Hause zu beten. In Katar bis zum 30. Mai fast alle Geschäfte schliessen und alle Geschäftsaktivitäten eingestellt werden. 

Dieses Land ist derzeit am stärksten betroffen

Iran verzeichnet noch immer die meisten Fälle in der Region. Mehr als 143 800 Menschen sind positiv getestet worden, die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen. Mindestens 7600 Menschen sind gestorben (29. 5.). Es gilt ein Reiseverbot. 

Zweite Welle? In Iran steigt die Zahl der gegenwärtig Infizierten wieder

Bestätigte Coronavirus-Fälle in Iran, nach Status der Patienten (in Tausend)

So gestaltet sich die allgemeine Situation in der Region

Waren die meisten Länder der Region, abgesehen von Iran, eher moderat von der Pandemie getroffen, stiegen auch hier die Zahlen. Dank Beschränkungen sind auch hier die Infektionsraten teilweise rückläufig.

Israel hat die Beschränkungen weiter gelockert. Seit 17. Mai sind die Schulen für einige Jahrgänge wieder offen – Schüler ab der vierten Klasse müssen Masken tragen. Die Regierung will zudem Versammlungen von bis zu 50 Personen im Freien wieder erlauben. Am 14. Juni sollen alle Versammlungsbeschränkungen aufgehoben sein. Israel zählt rund 16 900 Infizierte und 284 Tote (29. 5.).

In Syrien hat Machthaber Bashar al-Asad die für Mai geplante Parlamentswahl ein zweites Mal verschoben. Neuer Termin ist der 19. Juli. Das Gesundheitsministerium hat bisher 122 Corona-Fälle gemeldet, darunter vier Tote (29. 5.).

Am 20. Mai 2020 wurden in Johannesburg, Südafrika, rund 11 000 Essenspakete verteilt. Bedürftige standen dafür teilweise über Stunden an. Nahrungsmittelknappheit ist eines der grossen Probleme, dass die Corona-Pandemie und der damit einhergehende Lockdown in dem afrikanischen Land ausgelöst haben.

Am 20. Mai 2020 wurden in Johannesburg, Südafrika, rund 11 000 Essenspakete verteilt. Bedürftige standen dafür teilweise über Stunden an. Nahrungsmittelknappheit ist eines der grossen Probleme, dass die Corona-Pandemie und der damit einhergehende Lockdown in dem afrikanischen Land ausgelöst haben. 

Kim Ludbrook / EPA

In Afrika haben sich nach Angaben der WHO mehr als 100 000 Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert. Dennoch nimmt die Pandemie mit bisher 3100 Todesfällen auf dem Kontinent laut der WHO einen anderen Verlauf als anderswo. Nach ersten Analysen könnte die relativ niedrige Todesrate damit zu tun haben, dass mehr als 60 Prozent aller Afrikaner jünger als 25 sind und frühzeitig Ausgangsbeschränkungen eingeführt wurden. Da die meisten Länder über schlecht ausgebaute Gesundheitssysteme verfügen, befürchteten Experten, dass das Virus hier noch tödlicher wirken könnte.

Dieses Land ist derzeit am stärksten betroffen

Zurzeit melden Ägypten und Südafrika mit rund 20 700 bzw. 27 400 Fällen die höchsten offiziellen Zahlen in Afrika (29. 5). In Ägypten sind davon 845 Personen gestorben, in Südafrika 577. Südafrika hat eine Ausgangssperre verhängt. Die Lockdown-Massnahmen sollen jedoch am 1. Juni gelockert werden. In Ägypten gilt eine nächtliche Ausgangssperre.

So gestaltet sich die allgemeine Situation auf dem Kontinent

Zahlreiche Länder haben Reisebeschränkungen oder Ausgangssperren erlassen. Viele Regierungen in Afrika sind autoritär. Beschränkungen werden unreflektiert verhängt, obwohl viele Menschen von der Hand in den Mund leben. Auch Versicherungen gibt es kaum und die versprochenen Staatshilfen kommen – falls überhaupt – zu spät an. Dies führt zu Revolten wie in Kamerun, Simbabwe oder Niger. Die Sicherheitskräfte haben diese bisher gewalttätig niedergeschlagen. 

Australien und Ozeanien sind im weltweiten Vergleich weniger betroffen. Dennoch haben auch die Länder dieser Region Massnahmen im Kampf gegen das Virus erlassen. Überall gelten Einreisebeschränkungen oder -verbote.

Dieses Land ist derzeit am stärksten betroffen

Australien meldet über 7150 Fälle. 103 Personen sind bisher nach einer Infektion gestorben (29. 5.). Angesichts sinkender Infiziertenzahlen will Australien die Ausgangsbeschränkungen stufenweise lockern und die Wirtschaft bis Juli wieder öffnen. Ab dem 1. Juni wird es innerhalb der meisten Gliedstaaten wieder möglich sein zu reisen. Ankommenden Flugpassagiere müssen zwei Wochen in Hotel-Quarantäne. 

So gestaltet sich die allgemeine Situation in der Region

In Neuseeland sind seit 18. Mai die Schulen wieder geöffnet. Abstandsregeln und Hygienevorschriften müssen strikt eingehalten werden. Das Land registriert 1504 Infektions- und 22 Todesfälle (29. 5) und nur noch einen aktiven Covid-Fall. Neuseeland möchte das Virus im ganzen Land eliminieren. 

Fidschi und andere Inselstaaten im Südpazifik haben internationale Flüge gestrichen und weisen Kreuzfahrtschiffe ab.

China bekam das Virus erst durch starke Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens in den Griff. Staaten wie Taiwan, Vietnam und Hongkong haben trotz der Nähe zur Volksrepublik weniger Fälle als ihre Nachbarn. Sie waren vorbereitet. Denn Asien erlebte in den vergangenen zwei Jahrzehnten drei grössere Epidemien: Sars in den Jahren 2002 und 2003, die Schweinegrippe (H1N1) in den Jahren 2009 und 2010 und Mers 2015. Viele Länder Asiens modernisierten ihre Aktionspläne für solche Epidemien und investierten in die Forschung. Die Lehre daraus war, dass schon früh starke Einschränkungen des öffentlichen Lebens getroffen werden müssen. 

Wie Asien die Epidemie in den Griff bekam 

Auch Singapur stand bei der Bekämpfung des Coronavirus lange Zeit gut da. In der zweiten Aprilhälfte schnellten dort allerdings die Fallzahlen infolge von Erkrankungen unter Gastarbeitern aus dem Ausland wieder nach oben.

Neuseeland erklärte das Coronavirus Ende April für «gegenwärtig eliminiert». Ähnliche Erfolge vermeldete Island. 

Mit der Ausbreitung des Coronavirus ist ein Wettbewerb zwischen Biotech-Firmen und Forschungsinstituten um die Herstellung eines Impfstoffes entbrannt. Die WHO teilte am 23. April mit, 83 Impfstoffe seien in Entwicklung, sechs davon befänden sich im Stadium klinischer Studien. In Deutschland hat das Mainzer Unternehmen Biontech, das zusammen mit dem Pharma-Riesen Pfizer an einem Impfstoff arbeitet, als erstes die Zulassung für Tests an Menschen bekommen. Im März begann die amerikanische Biotech-Firma Moderna als erstes Unternehmen mit der Durchführung von klinischen Studien. China hat bisher für die Erprobung von drei möglichen Impfstoffen grünes Licht gegeben, während in Grossbritannien zurzeit ein Impfstoff der Universität Oxford klinisch getestet wird. Fachleute sind sich weitgehend einig, dass es 12 bis 18 Monate dauern wird, bis der erste Impfstoff die Marktzulassung erhalten wird.

Auch ein Medikament, das erwiesenermassen zu einer raschen Genesung beiträgt, ist noch nicht verfügbar. Die Hoffnung ruht vor allem auf bereits existierenden Mitteln, deren Wirksamkeit bisher nur gegen andere Krankheiten nachgewiesen wurde.

Die WHO testet das antivirale, gegen Ebola entwickelte Medikament Remdesivir, zwei Malariamittel (Chloroquin und Hydroxychloroquin), eine Kombination zweier HIV-Medikamente (Lopinavir und Ritonavir) sowie diese zwei Präparate zusammen mit Interferon-Beta, einem Mittel zur Behandlung von Multipler Sklerose.

Eine umfassende Datenanalyse bekräftigt, dass sich die Malaria-Arzneien Chloroquin und Hydroxychloroquin wahrscheinlich nicht zur Behandlung von Covid-19 eignen. Im Gegenteil, die Wirkstoffe erhöhen womöglich die Todesrate und führen zu mehr Herzrhythmusstörungen, berichten Forscher aus den USA und der Schweiz im Journal «The Lancet» (22. 5.). Zu ähnlichen Ergebnissen waren zuvor schon kleinere Studien gekommen. Der amerikanische Präsident Donald Trump hat Chloroquin nicht nur wiederholt als Wundermittel gepriesen, sondern auch erklärt, er nehme das Medikament prophylaktisch ein, um sich vor dem Virus zu schützen.

Die USA wollen mit ihrem Projekt «Operation Warp Speed» bis zum Jahresende einen Impfstoff entwickeln. Amerikanische Spitäler dürfen seit Mai das Ebola-Medikament Remdesivir einsetzen. Eine klinische Studie hatte gezeigt, dass der Wirkstoff bei Covid-19-Patienten die Genesungszeit um mehrere Tage verkürzen kann. Der Arzneimittelhersteller Gilead führe laut eigener Aussage Gespräche mit Chemikalien- und Arzneimittelherstellern, um das experimentelle Medikament für Europa, Asien und Entwicklungsländer bis spätestens 2022 herzustellen.

Derzeit laufen weltweit über ein Dutzend klinische Studien, um die Wirksamkeit des Grippemittels Avigan, allgemein als Favipiravir bekannt, zu ermitteln. Herstellerin ist die japanische Fujifilm Holdings. Allerdings kamen laut japanischen Medienberichten zuletzt Zweifel an dessen Wirksamkeit gegen das Coronavirus auf (20. 5.). Ausserdem verursacht das Medikament in Tierstudien nachweislich Geburtsfehler. Die japanische Regierung hatte zugesagt, Avigan zu verschenken. Mehr als 40 Länder bekundeten ihr Interesse.

Bezüglich Immunität nach einer durchgemachten Covid-19-Krankheit warnt die WHO, es sei keineswegs sicher, dass einmal Infizierte fortan geschützt sind. Allerdings, so die Hoffnung, würde eine zweite Infektion deutlich milder verlaufen.

Die Beschränkungen haben ganze Wirtschaftszweige lahmgelegt. Entsprechend erwartet der Internationale Währungsfonds (IMF) die schlimmste Rezession seit der Grossen Depression. Unter der Annahme, dass die Pandemie im zweiten Quartal 2020 ihren Höhepunkt erreicht, erwartet der IMF einen Rückgang der realen Weltwirtschaftsleistung (BIP) um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Falls die Pandemie in der zweiten Jahreshälfte abklingt, ist 2021 jedoch ein starker Wiederaufschwung mit einem globalen Wirtschaftswachstum von 5,8 Prozent zu erwarten. Für Asien prognostiziert der IMF zum ersten Mal seit 60 Jahren ein Nullwachstum.

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation sind fast die Hälfte der 3,3 Milliarden Arbeitskräfte weltweit wegen der Massnahmen gegen das Virus in ihrer Existenz bedroht. Betroffen seien vor allem 1,6 der zwei Milliarden Menschen, die irregulärer Arbeit nachgehen. Ihr Einkommen sei im weltweiten Durchschnitt um 60 Prozent eingebrochen, in Afrika und Lateinamerika sogar um mehr als 80 Prozent.

Viele Notenbanken haben ihre Leitzinsen reduziert und auch die übrigen geldpolitischen Instrumente praktisch ausgeschöpft, um Kredite zu verbilligen sowie Investitionen und Konsum anzukurbeln. Die Regierungen helfen betroffenen Unternehmen mit Sofortzahlungen.

Nach langen Verhandlungen haben sich die Mitgliedstaaten der EU auf ein Hilfspaket für die europäische Wirtschaft in der Höhe von 540 Milliarden Euro einigen können. Der EU-Gipfel hat das vereinbarte Paket am 23. April gebilligt. Zudem soll es laut Deutschland und Frankreich einen Wiederaufbaufonds in der Höhe von 500 Milliarden Euro geben. Österreich, Schweden, Dänemark und die Niederlande haben einen Gegenvorschlag zu dem deutsch-französischen Vorstoss für einen Corona-Wiederaufbauplan vorgelegt. Darin sprechen sich die vier Länder für einen einmaligen Notfall-Fonds zur Stärkung der EU-Wirtschaft aus. Sie machten deutlich, dass sie einer Vergemeinschaftung von Schulden und einer Erhöhung des EU-Budgets nicht zustimmen werden. Die EU-Kommission ihrerseits schlug am 27. Mai Wiederaufbau-Hilfen in der Höhe von 1850 Milliarden Euro vor. Was von Befürwortern als Zeichen europäischer Solidarität und Schritt in Richtung zusätzlicher Integration gefeiert wird, dürfte bei anderen auf Ablehnung stossen.

Weltweit wurden zahlreiche Grossveranstaltungen abgesagt oder verschoben. Dazu gehören das Oktoberfest in München, die Olympischen Sommerspiele, die Fussball-Europameisterschaft, der Eurovision Song Contest, die Expo 2020 in Dubai sowie zahlreiche andere Veranstaltungen im Sport- und Kulturbereich.

So geht der Sport mit der Corona-Krise um

Anfang Januar 2020 teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit, dass eine mysteriöse Lungenerkrankung in der zentralchinesischen Metropole Wuhan durch ein neuartiges Coronavirus verursacht werde. Experten gehen davon aus, dass sich bereits im November die ersten Personen infiziert haben könnten. Der Stammbaum des Virus lässt sich über die Veränderungen in seinem Genom nachvollziehen (Details hier).

Seinen Ursprung soll das Virus auf einem Tiermarkt in Wuhan haben. Dort soll es von einer noch nicht identifizierten Tierart auf den Menschen übergesprungen sein. Die am engsten mit ihm verwandten Viren sind Fledermausviren, was darauf hindeuten könnte, dass Fledermäuse an der Infektionskette beteiligt sein könnten.

Es kursieren Verschwörungstheorien, wonach das Virus in einem Labor in Wuhan gezüchtet worden sei. Auch der amerikanische Präsident Donald Trump äusserte sich derart. Diese Vorwürfe wies Yuan Zhiming, Chef des Instituts für Virologie in Wuhan, zurück. Auch die WHO ist der Ansicht, das Virus sei tierischen Ursprungs.

Anfang Mai hat die WHO alle Länder dazu aufgefordert, Fälle von Lungenentzündungen Ende 2019 zu überprüfen. Damit reagierte die WHO auf einen Bericht aus Frankreich, wonach Covid-19 bereits am 27. Dezember bei einem Mann in einem französischen Spital behandelt worden sei, fast einen Monat bevor die französische Regierung die ersten Fälle bestätigte. Die später als Covid-19 identifizierte Krankheit wurde der WHO von den chinesischen Behörden zum ersten Mal am 31. Dezember gemeldet. Zum Bericht

Wie sich das Coronavirus weltweit ausgebreitet hat

Zum Zeitpunkt Erkrankte (ohne Geheilte/Tote) pro Land oder chinesische Provinz

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom «neuartigen Coronavirus».

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen «Sars-CoV-2» (severe acute respiratory syndrome coronavirus 2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde «Covid-19» (coronavirus disease 2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

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