Switzerland

Und plötzlich geht es schnell – der Bundesrat plant weitere Lockerungen: Berset will Gruppen bis 30 Personen erlauben und die Discos öffnen

Am Mittwoch fällt der Bundesrat die nächsten wichtigen Entscheide zum Corona-Regime. Gesundheitsminister Alain Berset will im Freien, in Restaurants und an Anlässen wieder grössere Gruppen zulassen. Die Zwei-Meter-Regel hingegen soll bleiben. 

Gute Nachrichten für die Restaurants: Bundesrat Alain Berset, hier bei einer Visite Mitte Mai in seiner Heimatstadt Freiburg, bei der er auch das Café du Gothard besuchte.

Gute Nachrichten für die Restaurants: Bundesrat Alain Berset, hier bei einer Visite Mitte Mai in seiner Heimatstadt Freiburg, bei der er auch das Café du Gothard besuchte. 

Peter Klaunzer / Keystone

Welch ein Wechselbad. Nur wenige Wochen ist es her, da verhängte der Bundesrat in hohem Tempo eine einschneidende Massnahme nach der anderen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Und nun das Gegenteil: Unverhofft sprechen Bundesvertreter und Experten von Erleichterungen und Lockerungen, an die man so rasch kaum zu denken wagte. Am Sonntagabend sorgte der Covid-19-Delegierte Daniel Koch für leuchtende Augen, als er im «Sportpanorama» sagte, vielleicht seien schon im Juli wieder Fussballspiele mit Publikum möglich. Am Montagabend hielt der Epidemiologe Marcel Salathé in der Sendung «10 vor 10» fest, eine Lockerung der Distanzregeln im Freien sei angezeigt. Daran, dass Epidemiologen erfreuliche Nachrichten verbreiten, muss man sich erst noch gewöhnen. 

Auf die Ankündigungen sollen bald Taten folgen. Laut gut informierten Quellen in der Verwaltung dürfte der Bundesrat am Mittwoch weitere Lockerungen beschliessen, die über die bisherigen Ankündigungen hinausgehen. Die Angaben basieren auf den Anträgen von Gesundheitsminister Alain Berset, die im Siebnergremium gut abgestützt sein dürften. Freuen dürfen sich unter anderem die Wirte. Die derzeitige Obergrenze von vier Personen pro Tisch soll nicht nur erhöht, sondern ersatzlos aufgehoben werden. Grössere Gruppen wären jedoch gehalten, die Kontaktdaten zu hinterlassen, damit sie bei Bedarf nachträglich über eine potenzielle Infektion informiert werden könnten. In zahlreichen Punkten hält Berset am bisherigen Fahrplan fest, der vorsieht, dass beim nächsten Öffnungsschritt am 8. Juni nebst den höheren Schulen auch Zoos, Theater, Kinos, Bergbahnen und Schwimmbäder den Betrieb wieder aufnehmen können. 

Allerdings gab es in der internen Konsultation in anderen Departementen dem Vernehmen nach auch Stimmen, die auf ein schnelleres Vorgehen drängten. Sie verweisen auf die stark gesunkenen Zahlen bei den neuen Infektionen. In einer ganzen Reihe von Kantonen sind in den letzten Tagen gar keine neuen Fälle mehr festgestellt worden. Deshalb kam in der Verwaltung auch die Forderung auf, mit dem nächsten Öffnungsschritt nicht wie geplant bis am 8. Juni zu warten. Dies würde es zum Beispiel Zoos oder Bädern erlauben, noch rechtzeitig vor Pfingsten den Betrieb aufzunehmen. Doch es wäre eher eine Überraschung, wenn der Bundesrat jetzt noch von seinem Fahrplan abweichen würde. 

Fussballspiele mit bis zu 1000 Zuschauern

Immerhin soll der nächste Schritt am 8. Juni grösser ausfallen, als bisher bekannt war. Neben Theatern, Kinos oder Zoos dürfen voraussichtlich auch Discos, Nachtklubs und ähnliche Betriebe wieder den Betrieb aufnehmen. Dies kommt unerwartet. In geschlossenen Räumen mit lauter Musik scheint das Risiko von Übertragungen relativ gross zu sein, zumal man hier die Köpfe zusammenstecken und laut sprechen muss, um sich zu unterhalten. Deshalb würde der Bund auch hier Auflagen und Schutzkonzepte vorsehen. Die Obergrenze soll vorderhand offenbar bei 300 Personen liegen. Dieselbe Limite würde demnach auch bei allen anderen Veranstaltungen gelten, bei denen man nicht sitzt. Wo hingegen eine generelle Sitzpflicht umsetzbar ist wie zum Beispiel in Fussballstadien oder Theatern, sollen bereits wieder Anlässe mit bis zu 1000 Personen erlaubt werden. Veranstalter müssen in einem Schutzkonzept aufzeigen, wie die Distanz- und Hygienevorgaben eingehalten werden.

Am Mittwoch wird der Bundesrat voraussichtlich auch das Versammlungsverbot lockern – einen der gravierendsten Eingriffe in die Grundrechte. Zurzeit dürfen sich maximal fünf Personen gemeinsam im öffentlichen Raum aufhalten. Das Verbot soll nun zwar nicht ganz eliminiert werden, doch das Gesundheitsdepartement will die Obergrenze substanziell erhöhen: auf neu 30 Personen. Dies dürfte es der Polizei nicht gerade einfacher machen, das Verbot im Alltag effektiv durchzusetzen. Gleichzeitig kann man den Entscheid jedoch als psychologisches Signal verstehen: Die Situation hat sich stark entspannt – aber sie kann wieder ausser Kontrolle geraten. 

Ohnehin lauern bei den weiteren Schritten mutmasslich einige Stolperfallen. Zum Beispiel könnte es Abgrenzungsfragen geben: Wann handelt es sich bei einer grösseren Personengruppe um eine spontane Versammlung, wann ist es eine Veranstaltung? Je nachdem soll die erlaubte Obergrenze bei 30 oder 300 Personen liegen. Aber inzwischen hat die Schweiz in solch ungewohnten Fragen etwas Routine, sie stellen sich bereits seit Mitte März, als der Bundesrat das Verbot von privaten Veranstaltungen aller Art erlassen hat. 

Wieder Geburtstagsfeste und Ferienlager

Freuen können sich auch diejenigen, bei denen eine Geburtstagsfeier oder ein Familienfest ansteht. Private Veranstaltungen mit bis zu 300 Gästen sollen wieder zugelassen werden. Auch Ferienlager für Kinder und Jugendliche dürfte es diesen Sommer geben – mit einer Obergrenze von 300 Teilnehmern. 

An einem Grundpfeiler der bisherigen Strategie will Berset aber zumindest vorläufig nicht rütteln: Bei den Distanzregeln wird er dem Bundesrat gemäss den der NZZ vorliegenden Informationen keinerlei Modifikationen vorschlagen. Trotz den Bedenken, die unter anderem der Epidemiologe Salathé geäussert hat, soll es somit auch im Freien bei der Zwei-Meter-Vorschrift bleiben. Sie macht insbesondere den Wirten das Leben schwer, weil sie auch die Abstände zwischen den Tischen definiert. 

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