Switzerland

Und ewig lockt der Ministrant

Satire darf alles – zumindest, wenn es die Richtigen trifft. Das zeigen Reaktionen auf ein «Vatikan Special» des SRF-Satirikers Deville.

«Latent homoerotische Ausstrahlung»: Satiriker Dominic Deville reisst gerne Witze über den Pabst.

«Latent homoerotische Ausstrahlung»: Satiriker Dominic Deville reisst gerne Witze über den Pabst.

Oscar Alessio / SRF

Wenn der Satiriker Dominic Deville im Schweizer Fernsehen ein «Vatikan Special» ankündigt, droht mächtig Ärger. Das zumindest wird den Zuschauern gleich zu Beginn der Sendung klargemacht. «Wir finden, der Ombudsmann sollte unbedingt wieder einmal eine Sendung von uns schauen», sagt Deville, «und allen Katholiken schon einmal: Entschuldigung.» Was folgt, ist unterhaltsame, bewährte Kost über Gott (ist ein alter Spanner), Ministranten (werden für alles mögliche missbraucht), die Schweizergarde (trägt läppische Uniformen), die Jesuiten (sind Nerds) und natürlich über den Vatikan und den Papst – diesen «Oberbappe» mit «latent homoerotischer Ausstrahlung» und, Obacht, «erzkonservativer Gesinnung». 

Verletzte Gefühle

Ob das unter den reaktionären Klerikern in Chur für Wutanfälle oder eher für gütig-pausbackiges Schmunzeln gesorgt hat, ist unbekannt. Sicher ist, dass Provokationen in Sachen Christentum seit «Life of Brian» (Debüt anno 1979) nicht mehr ganz einfach sind. Immerhin hat es die Satire-Abteilung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens geschafft, den Ombudsmann wie angekündigt auf den Plan zu rufen. Denn laut Medienberichten haben «gleich drei» (!) Zuschauer die Sendung beanstandet, etwa wegen verletzter Gefühle oder Empörung über sexuelle Anspielungen (zum Vergleich: gegen eine Arena-Sendung von Jonas Projer gingen einst rund 500 Beschwerden ein).

Die Beschwerdeantwort des kürzlich nicht ganz freiwillig abgetretenen SRF-Ombudsmanns Roger Blum ist interessant – zeigt sie doch, dass der Umgang mit dem Thema «Satire und Religion» heute wieder sehr delikat ist. Zumal Satiriker, die sich auch mit dem Islam beschäftigt haben, wegen Morddrohungen untertauchen mussten oder gar ermordet wurden, wie im Fall «Charlie Hebdo».

Ex-Ombudsmann Blum ist denn auch bemüht, die Grenzen so festzulegen, dass Satire auf Kosten religiöser Gefühle zwar erlaubt ist. Aber eben nur dort, wo es seiner Meinung nach die Richtigen trifft. Denn im Grunde gelten bis heute alle Religionen als besonders schützenswert. Selbst die sieben katholischen Sakramente sind gemäss der Unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI) vor Verballhornung geschützt, also auch die Taufe oder die Ehe.

Diese engen Grenzen lassen sich in der Praxis natürlich kaum noch rechtfertigen, zumindest im Fall christlicher Glaubensrichtungen. So verweist Blum in seiner Beschwerdeantwort darauf, dass die Ehe kaum auf Dauer vor satirischen Angriffen geschützt werden könne. Seine Ablehnung der Beschwerden begründet er aber vor allem damit, dass Deville «das katholische Personal», nicht aber zentrale Glaubensinhalte veräppelt habe. 

Was sich das «katholische Personal» gefallen lassen muss, gilt laut Blum aber nicht für alle. Denn während Satire früher alles durfte, ist es heute etwas komplizierter. «Satire», so schreibt er nämlich, «darf (fast) alles. Ihre Devise ist, dass sie nach oben tritt und eher nicht nach unten, will sagen: Aufs Korn genommen und sarkastisch verspottet werden die Mächtigen und nicht die Schwachen, Abhängigen.»

Hauptsache, «mächtig» 

Wen man genau als «mächtig», «schwach» oder «abhängig» einstuft, ist allerdings oft eine politische Frage: Ist nur Trump verspottenswert, oder darf man auch über Greta lachen? Tritt man gegen unten, wenn man sich über Abzocker und unfähige Manager, aber auch über IV-Betrüger lustig macht? Und warum soll es erlaubt sein, Witze auf Kosten von Ministranten zu reissen, wo diese doch unbestrittenermassen schwach und abhängig sind? 

Umgekehrt ermöglicht es Blums Satirekodex, Vertreter nichtchristlicher Religionen gezielt als «Schwache» einzustufen, um sie vor jeglicher satirischer Kritik zu schützen. Die Frage, wie der Ombudsmann eine Sendung über islamische Würdenträger beurteilt hätte, bleibt indes offen, weil er keine Gelegenheit dazu hatte.

Satiriker Deville hat sich bisher darauf beschränkt, seinen Berufskollegen Andreas Thiel zu massregeln. Denn nur den Koran zu kritisieren, wie das Thiel getan hat, das geht laut Deville nicht:  «Zuerst dachte ich, er werde nach dem Koran-Bashing dasselbe mit der Bibel machen», sagte er in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger», «aber da kam nichts.» Thiel erntete bekanntlich nicht drei Beschwerden, sondern zahlreiche Morddrohungen für seine Scherze.

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