Switzerland

Unbewiesene Schuld: Es wäre ehrlicher gewesen, das Los entscheiden zu lassen

Die Uefa hat der Schweizer Fussballnationalmannschaft einen Sieg geschenkt, den ersten in diesem Jahr – es ist ein Sieg am grünen Tisch, ein Forfait-Sieg gegen die Ukraine, über den sie sich nicht allzu sehr freuen sollte. Denn ob der Entscheid auch gerecht ist, ist zumindest fraglich.

Die Schweizer Nationalmannschaft erhält von der Uefa einen Forfait-Sieg – Mario Gavranovic und Renato Steffen dürften sich darüber kaum so ausgelassen freuen wie hier im Training.

Die Schweizer Nationalmannschaft erhält von der Uefa einen Forfait-Sieg – Mario Gavranovic und Renato Steffen dürften sich darüber kaum so ausgelassen freuen wie hier im Training.

Laurent Gillieron / Keystone

Detailliert begründet hat die Uefa ihn noch nicht, sie stellt einzig fest, dass die Ukraine «verantwortlich» sei, dass der Mitte November abgesagte Match nicht habe stattfinden können. Dagegen lässt sich wenig einwenden: Alle Ukrainer waren vom Luzerner Kantonsarzt nach mehreren positiven Corona-Fällen in Quarantäne geschickt worden. Sie konnten nicht spielen. Weil sie keine Mannschaft stellen konnten. Das ist ihr Vergehen.

Die eigentliche Frage aber ist, ob sie sich eines Fehlverhaltens schuldig gemacht haben. Die Ukrainer bestreiten dies. Sie hatten zwar viele Infektionen zu verzeichnen, neun in vier Tagen. Aber es gibt bis jetzt keine Indizien oder gar Beweise, die darauf hindeuten, dass die Ansteckungen auf Fahrlässigkeit oder auf Nichteinhaltung des Uefa-Protokolls zurückzuführen sind. Und selbst wenn es Fehler gegeben hätte: Darf man als schuldig gelten, wenn man sich ansteckt? Es mischen sich auch Vorurteile in die Diskussion. So deutete auch Pierluigi Tami, der Direktor des Schweizer Nationalteams, unlängst ohne genauere Kenntnis an, dass die Ukrainer womöglich etwas falsch gemacht hätten. Und die Ukrainer ihrerseits behaupten, der Luzerner Kantonsarzt sei befangen und parteiisch. Beides ist, Stand heute, falsch und nicht bewiesen und darf in der Beurteilung des Falls keine Rolle spielen.

Fakt ist: Mehrere ukrainische Spieler hatten sich infiziert. Und sie hatten das Pech, auf einen strengen Kantonsarzt zu treffen, der nicht nur die positiv getesteten, sondern gleich alle Spieler in die Isolation schickte. Kann man den Ukrainern dies zum Vorwurf machen? Anderswo, in einem anderen Teil der Welt oder nur schon in einem anderen Kanton der Schweiz, hätten die Behörden vielleicht anders entschieden. Die Schweizer begründeten ihren Anspruch auf einen Forfait-Sieg in der letzten Woche unter anderem damit, dass sie eine «Corona-freie» Mannschaft gestellt habe. Aber auch sie hatten in diesem Herbst ihre Corona-Fälle, sieben in drei Zusammenzügen. Bestraft worden sind sie dafür nicht. Die Ukrainer mit der Forfait-Niederlage hingegen schon. Ihre Verstimmung ist nachvollziehbar.

Das sind die Unwägbarkeiten im Corona-Zeitalter, es kommt zu Verzerrungen im Gerechtigkeitsempfinden, überall in der Gesellschaft. In der Krise müssen alle damit leben, auch die Sportbehörden. Es gibt keine Regeln, die jederzeit für alle Gerechtigkeit herstellen. Der Zufall regiert mit. Und deshalb wäre es ehrlicher gewesen, das Los entscheiden zu lassen, statt eine Schuldzuweisung vorzunehmen, die sich nur schwer begründen lässt. Von einem Münzwurf hingegen erwartet niemand Gerechtigkeit. Es ist einfach Schicksal. Nichts passte besser in diese Zeit.

Mit dem Entscheid gegen die Ukraine aber bleibt der Nachgeschmack, ein Arzt habe die Schweizer Fussballnationalmannschaft vor dem Abstieg aus der stärksten Gruppe der Nations League bewahrt, weil er das Spiel verhindert habe. Das ist eine Verschwörungstheorie. Aber die Ukrainer werden sie noch sehr lange erzählen.

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