Switzerland

Ufhöre i de Kernfamilie

Die Autorin sinniert auf ihrem Balkon über den kollektiven Stillstand und die soziale Dynamik im Lockdown und kommt zum Schluss, dass sie danach nicht mehr so weitermachen möchte wie bisher.


«Ich wott eigetlich nümm so wiitermache wie vorher. Vor dem, wo jetzt würklich mal alli betroffe hät, vor de gottlose Monothematik und vor em Grosse, Chliine, Unsichtbare, i sinere Unfassbarkeit völlig Universale…»
«Denn hör doch uf. Wenn d nümm so wotsch wiitermache wie bisher, denn isch doch di erscht Massnahm ufhöre.»
«Aber ez hani doch grad ufghört. Stillstand, also fast drüü Mönet krass ufghört, natürlich nöd bewusst, eher zwangsmässig. Wahnsinn, was das mit de soziale Dynamike i de Kernfamilie macht, also Rückfall uf Präsens, ja fast prähistorische Regress i de Haltlosigkeit ohni Kontext und denn Rekontextualisierig, au im Huushalt, effektiv die totali Rückbsinnig uf das, was aastaht und wer das erledigt…»
«Ich fänds wahnsinnig hilfriich, wenn über d Gliichwertigkeit vo dem, wo aastaht und erledigt werde mues, au mal gredet wird. Aber ez chömmer ja würklich ufhöre, mir sötted zrugg is Handle cho.»
«Au die Bereitschaft, sini Handligsfähigkeit ufzgäh, das isch doch bemerkenswert, wie ganzi Völker behaglich ihri Autonomie em Staat überantwortet, ja fast druf hoffed, dass die nöchschti Pressekonferenz ihne d Absolution erteilt, wiiterhin in Hilf- und Ratlosigkeit z verharre, en Schwebezuestand…»
«Die ‹ganze Völker› leitisch du scho vor allem vo dir selber ab, oder?»
«Klar! Momentan chan ich mini Schlussfolgerige ja nur mit minere persönliche Erfahrig abgliiche, das hätt aber au öppis Beruhigends, es git aagnehm wenig Gegered und Ambivalenz, die eiget Position feschtiget sich so vo andere Stimme unverrüttlet ganz natürlich – es Stück Empowerment, won i uf jede Fall wott biibhalte.»
«Ich ha gmeint, du wotsch eigetlich nümm so wiitermache? Und dini usschliesslich um dini Erfahrig kreisende Gedanke würd i jetzt nid zwingend Empowerment nenne. Aber im Ernst, mir chönd ez vo mir us ufhöre, d Situation wiederzkäue.»
«Aber es isch doch vor allem d Analyse, wo de Weg zu Erkenntnis und strategische Veränderige ebnet. Wotsch du öppe behaupte, du wüssisch, ohni z überlege, immer grad, was jetzt als Nöchschts söll passiere?»
«I dim Fall isch s Überlege eher e einsami Drift hii zu prognostizierter Erkenntnis, wo ohni Kontermeinig oder Umsetzig kein würkliche Mehrwert für irgendöpper bringt. Es dopplets Nüüt, wo nid passiert.»
«Ha! Mehrwert ? Verstaubte Marxismus !»
«Ha! Und wo gsesch du dich im ökonomisch-soziale Zämespiel ? Als de dopplet freii Denker bi Marx ? Frei, mit siner Denkkraft z husiere, aber au frei vo willige Gfäss und Forme zum sis Denke driigüsse, also doch zwunge, sich mit eme Gegenüber uusztuusche ? Oje.»
«Pf! Rechthaberei! Und linke Terror!» «Und Präventivhaft für Gfährder?» «Feministischi Verschwörig!» «Und Virologe säget, s Virus isch nümm so virulent – hör mer doch uf.» «Hm… Aber ufhöre. Wie findemer überhaupt is Ufhöre ? Was isch undokumentierti Leeri ? Es wiiters Mal, de kollektivi Stillstand benennt, beschriebe, rezitiert – es gilt das feschtzhalte! Ich chum und chume nid zum Ufhöre.»
«Es isch Ziit, dass du wieder us em Huus gasch. En Huuch vo Differenzierig dur unerwartete, menschliche Kontakt für de Kern vo de Kernfamilie. Cha dinere Weltsicht nid schade. Es isch keis riibigsloses Fortchoo zha, weder dur Abgab vo Verantwortig no dur Rückzug vor Konfrontation, no dur extensivi Analyse oder hirnloses Losstürme uf Lösige. Nüt vo dem wird de Komplexität und Entropie vo de Weltlag gerecht. Weder noch. Und wennd ez nid sofort ufhörsch über d Krise fabuliere, hock i uf di ander Siite vom Balkon und tickere News.»

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