Switzerland

UFC-Kämpferin Stephanie Egger: Sogar im Bundeshaus fiebern sie mit ihr mit

Stephanie Egger war bereit, als der Anruf kam: Letzten Herbst erhielt die St. Gallerin zehn Tage Vorlauf, bevor sie in der Ultimate Fighting Championship (UFC) zum ersten Mal in den Kampfkäfig steigen durfte. Die 32-jährige Profi-Athletin zögerte nicht, unterschrieb in der Mixed-Martial-Arts-Meisterschaft – und stand tatsächlich kurz darauf auf den Brettern.

«Ich hatte eigentlich gerade gekämpft und mich darauf gefreut, endlich wieder ohne Bedenken Schoggi und Glace zu essen», sagt sie. «Aber in so einem Fall muss man die Chance packen.» Die UFC ist schliesslich die Glamour-Liga unter den Kampfsport-Divisionen, die Sportart wächst wie keine zweite im Moment. Die grossen Namen sind mittlerweile Popstars: Connor McGregor, Khabib Nurmagomedov, Rhonda Rousey. Und plötzlich ist Stephanie Egger mittendrin, als zweite Schweizerin neben dem Freiburger Volkan Özdemir.

Alle vier Geschwister machten Judo

Einer, der bei ihrem Auftritt auf der «Fight Island» vor Abu Dhabi mitfiebert, ist ihr jüngerer Bruder. Mike Egger, 28, SVP-Nationalrat. «Eine extrem emotionale Sache», sagt dieser über die Fights seiner Schwester. «Das ist nicht einfach. Da steht jemand aus deiner Familie im Käfig und steckt harte Schläge ein. Mir ists deutlich lieber, wenn sie überlegen ist und gewinnt.»

Das tut Stephanie normalerweise auch. Wie alle der insgesamt vier Egger-Geschwister fängt sie mit Judo an. Früh schon zeichnet sich ab, dass sie angefressen ist vom Kampfsport. «Ich habe so lange genervt, bis ich mit fünf Jahren auch schon ins Training gehen durfte», sagt sie.

Bruder Mike hörte früh wieder auf

Der jüngere Bruder ist da weniger hartnäckig. «Ich habe mich auch im Judo versucht, als Nesthäkchen schaut man ja viel bei den älteren Geschwistern ab.» Aber noch während der Primarschule hört er wieder auf.

Weil er gegen die ältere Schwester immer den Kürzeren zog? «Das auch», sagt er und lacht laut. «Ich hatte weder körperlich noch technisch eine Chance gegen sie. Aber vor allem hat sie mir geholfen, wenn ich im Kindergarten von anderen Kindern geplagt wurde», erzählt er. «So schlecht hast du es gar nicht gemacht», widerspricht die grosse Schwester. «Du hättest immer noch Talent, das hat man die ein, zwei Mal gesehen, als du zu mir zum Training gekommen bist.»

U23-Europameisterin, Teilnehmerin an den Jugendspielen

In einer Sache können sich beide einigen. Während Mike sich früh auf seine Fähigkeiten als Verhandler verlegt («Vielleicht bin ich in der Politik gelandet, weil ich in der Familie der Kleinste war. Meine einzige Chance war, mich demokratisch mit den anderen beiden Schwestern gegen sie zu verbünden.»), setzt Stephanie auf Judo. Sie wechselt auf die Sportschule in Magglingen, trainiert zweimal täglich, wird U23-Europameisterin und nimmt an den Olympischen Jugendspielen teil.

Bis 25 setzt sie auf die Karte Sport, dann ist Schluss. «Mit Judo lässt sich kaum Geld verdienen und irgendwann will man nicht mehr von den Eltern abhängig sein», sagt Stephanie, die einen Bachelor in Psychologie hat. Zu den Mixed Martial Arts kam sie dann per Zufall. «Ich bin ins Fitness gegangen, um Sport zu machen. Und dann bin ich da irgendwie reingerutscht.»

Jetzt kommt die Chance in Las Vegas

Sieben Profikämpfe (fünf Siege) später steht sie vor dem grössten Fight ihres Lebens. Am 22. Mai tritt Egger in Las Vegas im Bantamgewicht (bis 61 kg) gegen die Amerikanerin Sarah Alpar an. Nachdem es beim kurzfristigen Aufgebot im letzten Herbst gegen Tracy Cortez eine Punktniederlage gab, soll nun der erste Sieg hier. «Ich fliege dorthin, um etwas zu zeigen», sagt sie. Noch ist sie in ihrer Gewichtsklasse weit hinten rangiert. «Das ist der Weg, um sich in der UFC einen Namen zu machen.»

Im Gegensatz zum brotlosen Judo gibt es bei den Amis gutes Geld zu verdienen. Mit ihrem Vertrag über vier Kämpfe wird Egger zwar nicht reich. Aber sie weiss: «Wer spektakuläre Fights zeigt, interessant ist, für Einschaltquoten sorgt und Social-Media-Follower bringt, kann es weit schaffen. Das ist mein Ziel.»

Sogar im Nationalrat hat es Fans

Zu sehen ist der Fight im Pay-TV. Über Ufcfightpass.com und via Sky-App (Sender RMC2). Mike Egger wird am Samstag zu Hause vor dem Fernseher mitfiebern. Und mit ihm ein paar weitere Schweizer Politiker. «In der Nationalratskommission bin ich zuletzt immer wieder auf Stephanie angesprochen worden», erzählt er. «Die Ratskollegen wollen wissen, wo sie den Fight sehen können. Da gibt es schon noch ein paar Fans.»

Vielleicht verständlich, schliesslich sind die Bandagen zwar hart in der UFC. «Aber im Kampfsport meiner Schwester geht es ehrlicher zu als im Bundeshaus», sagt er augenzwinkernd. «Auch wenn ich manchmal froh bin, dass ich mich bei einem Versprecher bei einer Wortmeldung wieder rausreden kann – und nicht so hart bestraft werde wie Stephanie, wenn sie die Deckung im falschen Moment senkt.» Das soll ihr in der Nacht auf Sonntag nicht passieren. Vielleicht ein gutes Omen: Gegnerin Alpar ist Rechtsauslegerin. Das kann jemanden, der den SVP-Bruder ein Leben lang in Schach hielt, kaum aus der Ruhe bringen.

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