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Trumps Gerede vom «Krieg» führt in die Irre

Der US-Präsident bezeichnet das Coronavirus als «Feind», über den ein «totaler Sieg» errungen werden müsse. Ärzte nennt er «Krieger», sich selber einen «Kriegspräsidenten». Das ist falsch.

Hier geht es besonders martialisch zu: Donald Trump bei seiner täglichen Pressekonferenz.

Hier geht es besonders martialisch zu: Donald Trump bei seiner täglichen Pressekonferenz.

Foto: Patrick Semansky / AP Photo

Es gibt bei Politikern die Neigung, den Kampf gegen das Coronavirus zum «Krieg» zu erklären. In Europa macht Frankreichs Präsident Emmanuel Macron das zuweilen, ganz besonders martialisch aber geht es bei Donald Trumps täglichen Pressekonferenzen zu.

Der amerikanische Präsident bezeichnet das Virus als «Feind», über den ein «totaler Sieg» errungen werden müsse. Die Ärzte, die sich um die Infizierten kümmern, nennt er «Krieger» und «Helden», die «an der Front» stünden. Insofern ist es wohl auch folgerichtig, dass Trump sich selbst inzwischen als «Kriegspräsident» sieht.

Ein Virus lässt sich nichts aufzwingen

Nun ist diese Kriegsanalogie einerseits durchaus verständlich. Das Virus tötet sehr schnell sehr viele Menschen. Dagegen müssen sich Staaten und Gesellschaften verteidigen. Und vielleicht beinhaltet der Begriff ja auch jene Dringlichkeit und Dramatik, die nötig ist, um Menschen davon zu überzeugen, dass sie von einem auf den anderen Moment ihr gesamtes Leben umkrempeln müssen, um am Leben zu bleiben.

Andererseits jedoch ist das Gerede vom Krieg irreführend. Nach dem gängigen Verständnis ist ein Krieg eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen zwei Akteuren, die unterschiedliche Ziele verfolgen – militärisch und vor allem politisch. Der preussische Offizier Carl von Clausewitz hat das 1832 in die klassische Definition gefasst, Krieg sei «eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln». Das Ziel von Krieg sei, so Clausewitz, den Gegner mit Gewalt «zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen».

In den Kampf gegen Corona geschickt: Mitglieder der Nationalgarde bei einem Einsatz in New York.

In den Kampf gegen Corona geschickt: Mitglieder der Nationalgarde bei einem Einsatz in New York.

Foto: Eduardo Munoz / Reuters

Wer vom Krieg gegen das Coronavirus spricht, erweckt den Eindruck – oder die Hoffnung –, man müsse dem Krankheitserreger nur mutig und entschlossen genug gegenübertreten, dann werde der schon aufgeben. Als sei das Virus eine feindliche Armee, die man zurückschlagen oder durch harte Gegenwehr beeindrucken könne.

Das erinnert an die Appelle nach Terroranschlägen, man dürfe sich nicht einschüchtern lassen, man solle weiter in Konzerte und auf Weihnachtsmärkte gehen. Tatsächlich gab es in New York noch vor kurzem Politiker, die den Bürgern diese Art des Widerstands empfahlen. Inzwischen hat dort das grosse Sterben begonnen.

Ein Impfstoff könnte ein Sieg sein

Denn abgesehen davon, dass Mut und Entschlossenheit selbst in echten Kriegen oft nicht reichen, sind diese Eigenschaften im Kampf gegen ein Virus irrelevant. Es existiert einfach. Es greift Zellen an, zerstört sie und vermehrt sich. Es kann, zumindest nach jetzigem Stand, weder zum Rückzug noch zur Kapitulation gezwungen werden.

Das mag sich ändern, sobald ein Medikament oder ein Impfstoff entwickelt worden ist. Das könnte man dann vielleicht einen Sieg nennen. Aber im Augenblick gibt es nur eine wirksame Verteidigung gegen das Virus: Um eine Infektion zu vermeiden, muss man anderen Menschen ausweichen und sich selbst hinter Masken verstecken.

Zu Helden werden die Ärzte, weil die Regierung sie im Stich gelassen hat.

Der einzige Zusammenhang, in dem die Kriegsanalogie Sinn ergibt, ist die Mobilisierung aller gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kräfte. Das Ziel im Kampf gegen das Coronavirus ist, möglichst viele Menschenleben zu retten, nicht – wie in den meisten Kriegen –, Menschenleben möglichst effektiv zu vernichten. Das heisst, eine Regierung tut alles, damit ihre Bürger einigermassen unbeschadet durch die Krise kommen.

Das fängt damit an, dass es genügend Schutzkleidung für Ärzte gibt, eine ausreichende Anzahl an Spitalbetten und Beatmungsgeräten. Und es hört im besten Fall damit auf, dass diejenigen vom Staat aufgefangen werden, die durch die Krise ihre Existenzgrundlage verlieren.

Das Loblied klingt hohl und falsch

Genau bei dieser Aufgabe hat die US-Regierung bisher auf erschütternde Weise versagt. Und deswegen klingt auch das Loblied auf das Heldentum der Ärzte, Sanitäter und Krankenschwestern, das der Präsident täglich anstimmt, hohl und falsch. Niemand bezweifelt, dass viele Mediziner in diesen Tagen grossartige Dinge tun, dass sie Leben retten oder dort, wo das nicht mehr möglich ist, das Sterben erleichtern.

Aber zu Helden, zu Menschen, die eine Ansteckung mit dem Virus und damit ihr eigenes Leben riskieren, um anderen Menschen zu helfen, werden die Ärzte zwangsweise – weil ihre Regierung sie im Stich gelassen hat.

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