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Trotz Klimaversprechen: Staaten setzen auf Ölindustrie

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat es am Weltwirtschaftsforum in Davos der Welt nochmals unmissverständlich klargemacht: Für ihn gibt es keinen Ausstieg aus der fossilen Energie. Den Europäern gab er den Rat, von den USA mehr flüssiges und billiges Erdgas einzukaufen. Die USA produzieren inzwischen mehr Erdöl und Erdgas als irgendein anderes Land auf der Welt – seit 2015 mehr Erdöl als Saudiarabien, seit 2012 mehr Gas als Russland.

Und auch in der Kohleproduktion liegen die Vereinigten Staaten im Ranking an zweiter Stelle nach China. Das Pariser Klimaabkommen ist für Trump kein Thema. Die US-Regierung hat den Austritt aus dem Vertrag beantragt.

Das gilt allerdings nicht für die anderen grossen Produzenten fossiler Energie, die den Klimaschutz offensichtlich auch nicht so ernst nehmen, wie es die Klimaforscher fordern. Das zeigt die kürzlich erschienene Studie «The Production Gap» verschiedener Forschungsinstitute und des UNO-Umweltprogrammes.

Alles wie bisher

Demnach decken zehn Staaten mehr als 60 Prozent der weltweiten Förderung von Kohle, Erdöl und Erdgas ab. Darunter sind neben den USA auch China, Russland, Indien, Australien, Indonesien und Kanada. Diese Länder, wie auch die restlichen 176 Vertragsstaaten, die das Abkommen ratifizierten, bekennen sich dazu, eine globale Erderwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit um zwei Grad zu verhindern.

Doch die völkerrechtliche Verbindlichkeit ist eine Sache, das Verhalten eine andere. Der neue Bericht zieht ein ernüchterndes Fazit: Die weltweite Produktion fossiler Energie wird bis 2030 um 50 Prozent über dem Niveau liegen, das die Klimaforscher dringend empfehlen, um die kritische Erwärmung der Erde um zwei Grad abzuwenden.

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Soll die durchschnittliche globale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts unter 1,5 Grad liegen, verantworten die Staaten sogar eine deutliche Überproduktion an fossiler Energie von 120 Prozent.

Ende 2020 wird von den Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommens verlangt, verschärfte nationale Klimapläne vorzulegen. Der neue Bericht wirft nun jedoch Fragen auf. Denn auffällig ist: Die Pläne der grössten Produzenten fossiler Energie bis 2030 sind nicht vereinbar mit den Klimazielen, die sie bisher im Rahmen des Pariser Klimaabkommens festgelegt haben. Das heisst: Die projektierte Mehrproduktion von Kohle, Erdöl und Erdgas verursacht bei deren Verbrennung mehr CO2, als die Staaten reduzieren wollen. So scheint es, dass die vorgelegten Klimapläne bisher nur die halbe Wahrheit dokumentieren.

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Die Schweiz setzt sich seit der Klimakonferenz in Paris dafür ein, dass die Informationen zur Festlegung der nationalen Klimaziele der einzelnen Vertragsstaaten nachvollziehbar sind. «Die Vertragsstaaten des Pariser Abkommens haben eigentlich gute Vorgaben für die Erstellung der Klimapläne verabschiedet», sagt Franz Perrez, Schweizer Umweltbotschafter und Delegationsleiter an den UNO-Klimakonferenzen. Trotzdem ist er skeptisch. «Die Länder können ihre Klimaziele selber definieren. Ich vermute, die wichtigen Erdöl und Kohle exportierenden Staaten werden ohne zusätzlichen politischen Druck keine Auskunft abgeben, wie viel Öl und Kohle sie noch exportieren wollen», sagt Perrez.

Die Autoren des Berichtes studierten die nationalen Pläne und die öffentlich zugänglichen Daten für die Produktion von Kohle, Erdöl und Erdgas in den nächsten zehn Jahren. Ihr Fazit: «So schnell der Anteil an erneuerbarer Energie und klimaschonender Technologie auch wächst, es gibt keine Garantie, dass die Menge der fossilen Treib- und Brennstoffe und deren Treibhausgas-Ausstoss sinkt.»

Zeichen einer Trendwende

Der Kurs der Klimaforscher sieht ganz anders aus. Die globalen CO2-Emissionen sollten in den nächsten Jahren allmählich sinken, um am kostengünstigsten das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Das zeigt der Weltklimarat IPCC 2018 im Sonderbericht auf, wie eine Erderwärmung um 1,5 Grad verhindert werden kann.

Dieses Ziel liegt jedoch in weiter Ferne: Noch nie wurde so viel Kohle, Erdöl und Erdgas verbrannt wie im letzten Jahr. Gut 80 Prozent des Energieangebots war fossile Energie. Das heisst: Erneuerbare Quellen wie Wasserkraft sowie Sonnen- und Windenergie decken im besten Fall die zusätzliche Energienachfrage durch das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum.

Energiemultis sehen offensichtlich auch in Zukunft in der klimaschädlichen fossilen Energie ein grosses Geschäft: Jahrelang sanken die Investitionen in die Erkundung neuer Quellen, nun sind sie gemäss der Internationalen Energieagentur (IEA) im letzten Jahr auf 60 Milliarden Dollar gestiegen, das entspricht gegenüber 2018 einem Wachstum von 18 Prozent. Auch die Zahl neuer Erdöl- und Erdgasquellen ist in den letzten Jahre kontinuierlich gesunken, nun gibt es Zeichen einer Trendwende – durch wichtige Offshore-Entdeckungen vor Guyana, Südafrika und Angola.

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Ob die Pläne der Energieunternehmen für die nächsten Jahrzehnte auch realisiert werden, hängt letztlich von den Regierungen ab. Sie schüren Erwartungen für die Zukunft, je nachdem welche Klimamassnahmen, Regulierungen und Subventionen sie festlegen. Vor zehn Jahren haben die zwanzig wirtschaftsstärksten Staaten (G-20) ein Abkommen beschlossen, um schrittweise die Subventionen für fossile Energie zu reduzieren. «Zehn Jahre später – trotz einigen Reformen – verteilen viele Regierungen immer noch in gleichem Masse Subventionen, einige haben sogar neue eingeführt», schreiben die Autoren des neuen Berichtes.

Es gibt verschiedene Studien, die abschätzen, wie hoch die Beiträge etwa in Form von Direktzahlungen und Steuererleichterungen sind. Fest steht aber: Die Subventionen liegen innerhalb der G-20 im zweistelligen Milliardenbereich.

Es sieht so aus, dass diese Staaten weiterhin von einer höheren Nachfrage nach fossiler Energie ausgehen und entsprechend in neue Infrastrukturen investieren. Das birgt laut Perrez aber ein grosses Risiko für die Produzenten fossiler Energie. «Greift die internationale Klimapolitik und nimmt die Nachfrage nach fossiler Energie wie erwartet ab, dann sind das verlorene Investitionen in neue Infrastrukturen in Milliardenhöhe», sagt der Umweltbotschafter.

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