Switzerland

Tidjane Thiam verabschiedet sich mit einem soliden Ergebnis

Tidjane Thiam nimmt bei seiner letzten Präsentation eines Jahresergebnisses der Credit Suisse keine Stellung zu den Geschehnissen um die Beschattungsaffäre. Er lässt die Zahlen für sich sprechen und zieht ein positives Fazit seines Wirkens.

Der scheidende Konzernchef Tidjane Thiam präsentierte am Donnerstag letztmals die CS-Resultate.

Der scheidende Konzernchef Tidjane Thiam präsentierte am Donnerstag letztmals die CS-Resultate.

Ennio Leanza / EPA

Tidjane Thiam fiel sein letzter grosser öffentlicher Auftritt als Chef der Credit Suisse (CS) sichtlich schwer. Professionell wie immer, aber doch in etwas bedrückter Stimmung führte er an seinem zweitletzten Arbeitstag vor Medienvertretern durch das letztjährige Geschäftsergebnis der Bank. Und die Zahlen lassen sich durchaus sehen. Weil die Erträge (+7%) spürbar zunahmen, bei gleichzeitig rückläufigen Kosten (–4%), legte der Gewinn um gut zwei Drittel auf 3,4 Mrd. Fr. zu. Den Aktionären soll eine aufgebesserte Bardividende von Fr. 0.28 je Aktie ausgeschüttet werden. Die eine Hälfte wird aus verrechnungssteuerfreien Kapitalreserven finanziert, die andere Hälfte aus verrechnungssteuerpflichtigen Gewinnreserven.

Eine positive Bilanz

Thiam liess es sich nicht nehmen, auf seine gesamte Amtszeit zurückzuschauen und eine zahlenmässig überaus positive Bilanz zu ziehen. Die im Herbst 2015 von ihm und seinem Team ausgearbeitete Strategie, die Bank zu einem führenden Vermögensverwalter mit einem starken Investment-Banking-Arm auszubauen, ist aus seiner Sicht perfekt aufgegangen. Trotz eines besonders zu Beginn sehr schwierigen Umfeldes seien alle Ziele erreicht worden. Die Bank verfüge nun über eine solide Kapitaldecke, habe die Kostenbasis massiv verschlankt, sei bei reduzierten Risiken operativ besser unterwegs und stehe nach einem guten Start im ersten Quartal erstmals davor, im laufenden Jahr die Ertragslage in allen fünf Divisionen zu verbessern - Auftrag erfüllt.

Auf die Frage eines Journalisten, warum er denn gehe, wenn doch alles bestens sei, fasste sich Thiam kurz. Der Verwaltungsrat habe eine Änderung an der Spitze der Konzernleitung gewollt, und deshalb mache er seinen Platz frei. Dazu gebe es nicht viel mehr zu sagen. Thiam vermied es, auf die Geschehnisse um die Beschattung von Iqbal Khan und Peter Goerke - und damit auf die eigentlichen Gründe für seine Auswechslung - zurückzukommen. «Ich habe versucht, mein Bestes zu geben», sagte er.

Austausch von Nettigkeiten

Der designierte Nachfolger, Thomas Gottstein, würdigte Thiams Verdienste und bezeichnete es als Privileg, ihn zu seinen Freunden zu zählen. Der scheidende Banker reagierte in einer für ihn nicht untypische Weise: Er erinnerte Gottstein daran, dass er, Thiam, ihn 2015 zum Chef der Schweizer Universalbank gemacht habe und damit bei ihm anfänglich auf keine überbordende Begeisterung gestossen sei. Schon bei der Formulierung der Medienmitteilung zum Abgang Iqbal Khans hatte Thiam dem Vernehmen nach darauf bestanden, als dessen Entdecker und Förderer dargestellt zu werden. Die implizite Botschaft ist klar: Beide Banker haben ihre steile Karriere zu einem grossen Teil ihm zu verdanken.

Einige Sondereffekte

Und bei allem Überschwang: Die Zahlen der CS sind zwar gut, aber nicht so gut, wie Thiam sie darstellt. In Bezug auf das letztjährige Ergebnis gilt es, namentlich auf der Ertragsseite, einige Sonderfaktoren zu berücksichtigen, die sich positiv ausgewirkt haben. Am stärksten ins Gewicht fallen Gewinne aus der Neubewertung der Beteiligung an der SIX Group (498 Mio. Fr.), nachdem der Infrastrukturanbietersein Kartengeschäft teilweise an Worldline verkauft hatte. Hinzu kommen Erlöse aus der Übertragung der InvestLab-Fondsplattform (327 Mio. Fr.) an die Allfunds Group und Gewinne aus Immobilienverkäufen. Dem gegenüber standen das Ergebnis schmälernde Rückstellungen für bedeutende Rechtsstreitigkeiten (389 Mio. Fr.).

Ein Blick auf die einzelnen Geschäftseinheiten zeigt, dass die Schweizer Universalbank mit 2,7 Mrd. Fr. mehr als die Hälfte zum gruppenweiten Vorsteuergewinn beitrug. Damit hinterlässt Gottstein seinem Nachfolger André Helfenstein ein gut geöltes Kraftwerk. Aber auch das eigentliche Kerngeschäft, die internationale Vermögensverwaltung, weitete den Gewinn vor Steuern deutlich um über einen Viertel auf 2,1 Mrd. Fr. aus. Und selbst die Problemsparte Handel (Global Markets), die immer noch 28% des Eigenkapitals bindet und über einen Viertel aller Mitarbeiter beschäftigt, versechsfachte ihr Ergebnis auf 956 Mio. Fr. Damit übertraf sie sogar die einstige Wachstumshoffnung Asien/Pazifik (902 Mio. Fr.). Aus dem Rahmen fiel einzig das klassische Beratungsgeschäft (Investment Banking & Capital Markets) mit einem Verlust von 162 Mio. Fr.

Starke Geldzuflüsse

Eindrücklich ist nicht zuletzt auch der Anstieg der verwalteten Vermögen, die im eigentlichen Kerngeschäft der Bank, dem Wealth-Management, die Basis für künftige Erträge bilden. Allein im vergangenen Jahr expandierten sie um 162 Mrd. Fr auf 1507 Mrd. Fr. Diese Ausweitung geht zur einen Hälfte (79 Mrd. Fr.) auf den Zufluss neuer Gelder zurück. Die andere Hälfte steuerte das gute Marktumfeld bei, das zu entsprechenden Höherbewertungen führte. Allein in den zurückliegenden vier Jahren wurden der Bank netto neue Vermögen von knapp 200 Mrd. Fr. zur Verwaltung anvertraut. Das ist eindrücklich, selbst wenn das von hartnäckig niedrigen Zinsen geprägte Umfeld dazu führt, dass sehr viel anlagesuchendes Geld im Umlauf ist. Die Kunst besteht nicht so sehr darin, neue Gelder anzuziehen, als sie vielmehr so zu verwalten, dass für die Bank substanzielle transaktions- und bestandesabhängige Erträge resultieren.

Die gestärkte Ertragskraft schlägt sich in einer zwar deutlich auf 7,7% gestiegenen, aber immer noch wenig berauschenden Eigenkapitalrendite nieder. Sie liegt in einem Bereich, in dem sich die meisten Kantonalbanken bewegen, deren staatliche Aktionäre keine allzu grossen Ansprüche an die Verzinsung ihres Eigenkapitals haben. Und selbst wenn man die von der Bank bevorzugte Rendite auf dem materiellen Eigenkapital (tangible equity) heranzieht, bleibt der ausgewiesene Wert von 9% unter der angepeilten Marke von 10%.

Kein Zweifel: Die CS ist zwar heute eine andere Bank als 2015, bei Thiams Antritt. Aber sie bekundet immer noch Mühe, ihre Kapitalkosten zu verdienen, notiert an der Börse unter ihrem Buchwert und zeigt, wie andere europäischen Banken auch, Symptome einer strukturellen Ertragsschwäche. In ihren gewichtigsten Geschäftseinheiten, in der Vermögensverwaltung und Retail Banking, erodieren tendenziell die Erträge, der Margendruck hält an. Und im Investment Banking schiebt die Bank eine immer noch zu grosse und zu wenig rentable Handelseinheit (Global Markets) vor sich her.

Es wartet viel Arbeit

Und zudem: In der Ära Thiam hat sich der Kurs der CS-Aktie halbiert. Schwerer als all diese Probleme dürfte der im Verlauf der vergangenen Monaten erlittene Reputationsverlust wiegen. Gerade in dieser Hinsicht dürfte auf den stillen Schaffer Gottstein und seine Kollegen viel Arbeit zukommen. Der angehende Chef hat bereits verlauten lassen, dass er an der von seinem Vorgänger eingeschlagenen strategischen Marschrichtung festhalten werde.

Credit Suisse in Zahlen

Geldwerte in Mio. Fr. (US GAAP)

2018 2019 ±%
Geschäftsertrag 20 920 22 484 7
Ergebnis vor Steuern 3 372 4 720 40
Reingewinn 2 011 3 425 70
Eigenkapitalrendite (%) 4,7 7,7 -
Kosten/Ertrag (%) 82,7 77,6 -
Kernkapitalquote (CET1; %) 12,6 12,7 -
Verw. Vermögen (Mrd. Fr.) 1 345 1 507 12
Netto-Neugeld (Mrd. Fr.) 53,7 79,3 48
Personalbestand (Vollzeitstellen) 45 680 47 860 5

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