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Ticker zum Transplantationsgesetz: Sagt das Volk Ja zum Systemwechsel bei der Organspende?

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Ticker zum TransplantationsgesetzSagt das Volk Ja zum Systemwechsel bei der Organspende?

Werden künftig alle zu Spendern, die zu Lebzeiten nichts Gegenteiliges festgehalten haben? Die News, Stimmen und Infografiken zur Vorlage hier live.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit den Anpassungen des Transplantationsgesetzes werden alle nach dem Tod grundsätzlich Spenderin oder Spender. Wer das nicht will, soll das künftig ausdrücklich festhalten.

  • Für Gesundheitsminister Alain Berset entspricht die sogenannte erweiterte Widerspruchslösung einem europäischen Trend. Im Parlament wurde die Vorlage deutlich angenommen.

  • Das Komitee «Nein zur Organspende ohne explizite Zustimmung» hat das Referendum ergriffen.

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Die erweiterte Widerspruchslösung ist ein indirekter Gegenvorschlag zur Organspendeinitiative, die 2019 eingereicht wurde. Anlass für den Gegenvorschlag, der das Anliegen der Initianten aufnimmt, sind die tiefen Spendenzahlen in der Schweiz im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern. In der Schweiz kommen auf eine Million Einwohner pro Jahr rund 18 Organspender, in Spanien mehr als doppelt so viele. In den meisten europäischen Ländern gilt bereits eine Widerspruchslösung.

Laut der jüngsten Tamedia-Umfrage dürfte die Gesetzesänderung durchkommen. 61 Prozent der Befragten befürworteten Ende April die Anpassung des Transplantationsgesetzes. Die Anhängerinnen und Anhänger aller Parteien mit Ausnahme der SVP unterstützen das Gesetz sehr deutlich.

Bislang dürfen in der Schweiz beim Tod nur Organe entnommen werden, wenn die Zustimmung des potenziellen Spenders vorliegt. Falls dessen Wille nicht bekannt ist, werden die Angehörigen befragt (erweiterte Zustimmungslösung). Diese können zustimmen, falls sie wissen oder vermuten, dass der Betreffende seine Organspende befürwortet hätte.

Bundesrat und Parlament wollen einen Systemwechsel: Mit einer Widerspruchslösung gilt jede Person grundsätzlich als Spenderin oder Spender, ausser sie hat zu Lebzeiten festgehalten, dass sie nicht spenden will. Die Angehörigen sollen in der Schweiz aber weiterhin einbezogen werden, falls jemand seinen Willen zu Lebzeiten nicht festgehalten hat. Deshalb spricht man von der erweiterten Widerspruchslösung. Die Angehörigen können eine Organentnahme ablehnen, wenn sie wissen oder vermuten, dass die betroffene Person sich dagegen entschieden hätte.

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Die Befürworter

Für Gesundheitsminister Alain Berset entspricht die erweiterte Widerspruchslösung einem europäischen Trend. Die Änderung sei eine Antwort auf den Organmangel. Gemäss Umfragen wären viele Menschen bereit, ein Organ zu spenden, tun diesen Willen aber nicht kund. Im Parlament wurde die Vorlage mit grosser Mehrheit angenommen.

Die Gegner

Das Komitee «Nein zur Organspende ohne explizite Zustimmung» hat das Referendum ergriffen. Es hält es für «ethisch fragwürdig», mündige Menschen zu Organspendern zu machen, wenn diese zu Lebzeiten nicht widersprochen haben. Es kritisiert einen massiven Eingriff in die Grundrechte: Der Verfassung garantiere das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung.

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