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Switzerland

Thiams letzter Auftritt: «Ich gehe mit reinem Gewissen»

Was bleibt, wenn der Vorhang fällt? Eine Credit Suisse, die nach dem Beschattungsskandal ihre Glaubwürdigkeit verloren hat – nicht bei den Investoren, aber in der öffentlichen Wahrnehmung.

Was bleibt, ist ein geschasster Chef Tidjane Thiam (57), der an der gestrigen Medienkonferenz abermals betonte, dass die Bank, der er knapp fünf Jahre lang vorstand, fast alles richtig gemacht habe. Und ein neuer Chef, Thomas Gottstein (55), der den «Wachstumskurs» des Finanzinstituts weiter führen will und sich artig bei seinem Vorgänger, seinem «Freund», bedankte.

Thiams Eigenlob

Was bleibt, sind auch die nackten Fakten: Die Papiere der CS haben in der Ära Thiam gut 40 Prozent an Wert eingebüsst. Anderen europäischen Banken erging es indes nicht besser. Was bleibt, ist der von Thiam forcierte Ausbau der Vermögensverwaltung zulasten des Investmentbankings. Die anfänglich viel zu hoch gesteckten Ziele musste er nach unten anpassen. Das versprochene Wachstum kam nur in Ansätzen. Doch die Bank hat die Kosten gesenkt und steht kapitalmässig wieder solide da.

Und so geizte Thiam nicht mit Eigenlob: «Ich bin unheimlich stolz darauf, was die Credit Suisse während meiner Zeit bei der Bank erreicht hat.» Nämlich: Kosten gesenkt, Gewinn gesteigert, Kapitalbasis gestärkt, neue Gelder angezogen und Geld den Aktionären ausgeschüttet. Besonders stolz ist Thiam, dass die verwalteten Vermögen auf rund 1,5 Billionen Franken gestiegen sind.

Die Zahlen trügen

Thiam verabschiedet sich mit einem Gewinn von 3,4 Milliarden Franken, 69 Prozent mehr als im Jahr davor. Allerdings leidet die Bank immer noch unter den Nachwehen der Finanzkrise. Die entsprechenden Rückstellungen betrugen 2019 mehr als 620 Millionen Franken. Gleichzeitig profitierte die CS von ausserordentlichen Erträgen: Der Verkauf von Immobilien und der Fondsservice-Plattform Investlab sowie die Aufwertung der Beteiligung am Börsenbetreiber SIX spülten der Bank fast eine Milliarde Franken in die Kasse.

Zweifelsohne, Thiam hat bei der Credit Suisse operativ keinen schlechten Job gemacht. Gleichwohl wird sein Name mit der Beschattungsaffäre verbunden bleiben. Nie konnte er glaubhaft versichern, nichts von den Machenschaften seiner engsten Vertrauen gewusst zu haben. Das sah auch der Verwaltungsrat so. Und legte ihm den Rücktritt nahe. «Ich diene dem Verwaltungsrat. Er hat entschieden. Das habe ich zu akzeptieren», sagte ein müder Thiam.

Mit «sehr viel Dreck geworfen»

BLICK-Fragen zur Beschattungsaffäre wich er aus: «Ich gehe mit reinem Gewissen. Nur das zählt.» Man habe mit sehr viel Dreck auf ihn geworfen. Das gelte auch für die Behauptung, er fliege gewöhnlich mit dem Helikopter. Auch das entbehre jeder Wahrheit. Nun solle Ruhe einkehren im Leben des Tidjane Thiam. «Ich will mich ausruhen und Zeit mit meiner Familie verbringen.»

Was danach komme, wisse er noch nicht, sagte Thiam. Doch werden ihm auch politische Ambitionen nachgesagt. Thiam war Entwicklungsminister in der Regierung der Elfenbeinküste. Bis es zu einem Staatsstreich kam. Der Staatspräsident des Landes wurde weggeputscht – und mit ihm Minister Thiam. Das war 1999. Er wolle sich zu seinen politischen Ambitionen nicht äussern, so Thiam. Ein klares Nein klingt anders.

Die Affäre bleibt

Die Credit Suisse schlägt derweil mit dem neuen starken Mann, Thomas Gottstein, ein neues Kapitel auf. Auf die BLICK-Frage, ob die Beschattungskultur nun ein Ende habe, sagte Gottstein: «Es gab nie eine Beschattungskultur, nur Einzelfälle.» Dennoch gibt es viele offene Fragen zu klären. Etwa zur Dokumentation, zur Kontrolle, zum Informationsverhalten und zu den Kommunikationskanälen.

Dem angenommen hat sich die Finanzmarktaufsicht. Sie prüft, ob Kontrollmängel bei der Schweizer Grossbank zu der Bespitzelung der Manager geführt haben. Damit wirft die Beschattungsaffäre auch nach der Ära Thiam einen Schatten auf die Grossbank.

Thiam und Instagram

Zu reden gaben auch diverse Nachrichten, die CS-Chef Tidjane Thiam via Instagram veröffentlicht hatte. Bevor Thiam auf der Social-Media-Plattform das Bild mit anderen Konzernleitungsmitgliedern publizierte, hatte er auf Instagram auch einen Artikel der «NZZ am Sonntag» als falsch bezeichnet. In diesem stand, Auslöser für den Streit zwischen Thiam und Starbanker Iqbal Khan, der zuvor zur UBS gewechselt hatte, sei eine Auseinandersetzung über den damaligen CS-Europachef Claudio de Sanctis gewesen. Der Bericht sei eine Lüge gewesen, verteidigte Thiam den im Januar veröffentlichten Post auf Instagram.

Lange war unklar, ob Thiam selbst die Nachricht abgesetzt hatte. An der Medienkonferenz sagte der scheidende Chef: «Ich weiss überhaupt nicht, wie man etwas auf Instagram postet.» Und insinuierte, dass der Instagram-Post mit der Kommunikationsabteilung abgesprochen war.

Wirklich? Denn die Nachricht, dass Thiam gegen die «NZZ am Sonntag» via Instagram ins Feld zog, sorgte im Januar auf der CS-Pressestelle für Verwirrung. Auf Nachfrage von BLICK wusste niemand so genau, ob es sich um einen Alleingang des Chefs handelte – oder mit der Kommunikationsabteilung abgesprochen war. Wahrscheinlich weiss nur Thiam selbst, wer den Knopf drückte. Falls es sich um eine orchestrierte Aktion der CS-Kommunikationsabteilung handelte, hat sie Thiam wohl mehr geschadet als genützt. Sven Zaugg

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