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Thailands Demonstranten greifen nach den Kronjuwelen – damit spitzt sich die Lage zu

Die Tabubrüche in Thailand gehen in die nächste Runde. Jetzt fordern Demonstranten gar eine Umverteilung der königlichen Vermögen. Ob das gut enden wird, ist fraglich.

Die Demonstrationen in Bangkok wenden sich immer deutlicher auch gegen den König.

Die Demonstrationen in Bangkok wenden sich immer deutlicher auch gegen den König.

Geem Drake / www.imago-images.de

Die Protestbewegung in der thailändischen Hauptstadt Bangkok wird immer provokanter: Mit der unverblümten Forderung nach einer Umverteilung der königlichen Vermögenswerte haben die meist jugendlichen Demonstranten am Mittwoch ein völlig neues Territorium betreten und eine Eskalation in Kauf genommen. Es geht um die immensen Besitzungen der Monarchie und letztlich um die milliardenschweren Assets des 68-jährigen Monarchen Maha Vajiralongkorn.

Das Königshaus ist Mehrheitsaktionär von SCB

Schauplatz der Provokation ist der Hauptsitz der Siam Commercial Bank (SCB). Es handelt sich um jenes Finanzinstitut, an dem das Crown Property Bureau (CPB), das die Milliardeninvestitionen des Palastes verwaltet, einen Anteil von 23,4 Prozent hält. Das entspricht einem Wert von rund 2,3 Milliarden Dollar. Das ist zwar «nur» ein kleiner Bruchteil des königlichen Gesamtvermögens, das vor allem dank Immobilien auf über 40 Milliarden geschätzt wird. Aber die Bank ist ein symbolhafter Ort: Sie ist im ganzen Land omnipräsent und gerade in diesen Zeiten herrscht auch in Thailand wieder finanzieller Notstand. Thailand mag die Ausbreitung von Covid-19 im Griff haben, doch die wirtschaftlichen Folgen der Krise sind gravierend und betreffen vor allem die unteren und mittleren Einkommenskategorien.

Ursprünglich sah der Plan - angeblich - eine Manifestation vor dem Crown Property Bureau vor. Nach dessen Abriegelung durch die Polizei, die im Umkreis von 150 Metern zudem eine Schutzzone um das Gebäude zog, änderten die Demonstranten ihren Kurs. Sie gingen damit nicht nur einer direkten Konfrontation mit den Sicherheitskräften aus dem Weg. Auch das Risiko, in den Fängen der drakonischen Lèse Majesté-Gesetzgebung zu landen, wurde damit kleiner. Mit dem Plan B, die älteste Bank im Königreich zu exponieren, stellten sie vor allem aber ein weiteres Mal unter Beweis, wie flexibel sie agieren und mobilisieren, und wie leicht sie Abwehrdispositive der Behörden umgehen können.

Tabubruch – die nächste Runde

Das Spiel der Protestbewegung, die diesmal etwa 15 000 Personen zu mobilisieren vermochte, bleibt dennoch hochriskant. Sie nennt sich neuerdings «Free Youth Movement», was – wie die United Front of Thammasat and Demonstration (UFTD) – auf studentische Ursprünge verweist. Sie umfasst inzwischen aber auch Personen, die vor Jahren zur oppositionellen Front für Demokratie und gegen Diktatur (UDD) gehörten. Diese wiederum setzte sich zum Teil aus dem Kreis der Thaksin Shinawatra nahestehenden Rothemden zusammen.

Im August wurden aus dem Kern der Bewegung erstmals Forderungen nach einer Reform der Monarchie laut. Jener präzedenzlose Ruf kam in einem zehn Punkte umfassenden Katalog zum Ausdruck. Jetzt geht der Tabubruch weiter: Auf einem Plakat, das vor dem SCB-Hauptsitz entfaltet wurde, wurde der König indirekt als Räuber bezeichnet, der sich die Aktien der Bank unter die Nägel gerissen habe. In Thailand herrsche die grösste Ungleichheit, rief in diesem Zusammenhang einer der Anführer, Panupong Jadnok, vor versammelter Menge. Aber dafür habe man den reichsten Monarchen der Welt.

Kann so viel Provokation im konservativen Thailand gut gehen? Vor Jahresfrist galten derlei Aussagen jedenfalls nicht nur als unaussprechbar, sondern nahezu auch als undenkbar. Es fehlt denn auch nicht an Stimmen, die warnen, dass der Bogen überspannt werden könnte. Die Forderungen nach mehr Demokratie waren und sind durchaus legitim. Immerhin sind seit dem letzten Militärputsch nunmehr sechs Jahre vergangen und Thailand ist seither in autoritären Strukturen erstarrt. Die ultimativen Forderungen nach einem Rücktritt von Premierminister Prayuth Chan-ocha, dem damaligen Putschisten, sind entsprechend nachvollziehbar. Aber jetzt gehen die Ideen der Opposition weit darüber hinaus: Der König soll in die Schranken gewiesen werden.

Gewaltanwendung wird innenpolitisch immer heikler

Es gibt bisher wenig Anzeichen dafür, dass die etablierten Machtträger im Königreich solchen Herausforderungen noch lange zusehen werden. Überraschend ist vielmehr, dass sie es soweit kommen liessen. Aus Kreisen der Thammasat Universität, die sich als Hotspot des Widerstands entpuppt hat, verlautet jedenfalls, dass die Einschätzung verbreitet sei, wonach die Regierung Prayuth frühere Gelegenheiten zur «Eindämmung» des Unmuts verpasst habe.

Im Klartext heisst das folgendes: Ein gewaltsames Vorgehen gegen die Protestbewegung wird innenpolitisch immer schwieriger. Es wäre nicht nur ein Schock für das Königreich sondern auch für das Ausland. Dort schaut man immer sorgenvoller auf den schwelende Machtkampf. Für den Monarchen schliesslich, dessen Reputation ohnehin bereits angeschlagen ist, wäre ein brutaleres Vorgehen entlarvend und käme einer weiteren Blamage gleich. Gerade in Deutschland, dem beliebten Aufenthaltsort von Rama X, wo eine Diskussion über die Präsenzzeit des Königs, dessen Status und Machtfülle entbrannt ist, käme eine härtere Gangart derzeit eher schlecht an.

Untrennbar: Armee und Königshaus

Unwahrscheinlicher wird ein Eingreifen von Polizei und Armee deshalb nicht. Premierminister Prayuth hat am Mittwoch vor Geschäftsleuten zwar erneut bekräftigt, dass er keine Verhängung des Kriegsrechts plane. Doch das wäre gar nicht nötig: Auf der Basis der aktuellen Notstandsgesetze liesse sich ein schärferes Vorgehen pro forma durchaus «rechtfertigen». Zudem gilt Prayuth in Thailand trotz seiner Funktion als Regierungschef längst nicht mehr als starker Mann. Über einen direkten Draht zum König verfügt er nicht, seine Tage sind ohnehin gezählt, und es ist offensichtlich, dass er seine zwiespältige Bilanz nicht noch mit einem Blutvergiessen abschliessen will.

Ausschlaggebend sind derzeit vielmehr Haudegen wie der frühere Armeechef Apirat Kongsompong, den der König vor wenigen Tagen zum stellvertretenden Chef des Crown Property Bureau ernannt hat. Auch beim neuen Armeechef, General Narongphan Jitkaewtae, steht die Loyalität gegenüber der Monarchie über allem.

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