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Switzerland

Teuer, teurer, Rhodium

Das seltene Edelmetall sorgt gerade für viel Wirbel an den Märkten und zieht Südafrikas Platin-Branche aus einer langen Krise.

Der Preis für Rhodium steuert derzeit auf den Rekordwert zu.

Der Preis für Rhodium steuert derzeit auf den Rekordwert zu. 

Science Photo Library / Keystone

Zwölf Jahre ist es her, seit Rhodium Rohstoffexperten zum letzten Mal in Atem gehalten hat. Damals kostete eine Feinunze mehr als 10 000 $, so viel wie nie zuvor und mehr als zehnmal so viel wie Gold. Zufällig trug im gleichen Jahr auch James Bond in «Ein Quantum Trost» eine Rhodium-Sonnenbrille.

Jetzt steuert der Preis für das seltene Metall – manche nennen es «das edelste der Edelmetalle» – wieder auf den Rekordwert zu. In dieser Woche wurden mehr als 9000 $ je Feinunze geboten, 50% mehr als zu Jahresbeginn und 260% mehr als vor einem Jahr. Auch Palladium, wie Rhodium ein Schwestermetall von Platin, überrascht selbst erfahrene Edelmetallhändler. Anfang der Woche erreichte es einen neuen Rekordwert von mehr als 2500 $ je Feinunze. Gegenüber dem Vorjahr sei der Preis um 76% gestiegen, verglichen mit einem Tief Ende 2008 ergebe sich sogar ein Anstieg um mehr als 1000 %, schrieb der Edelmetallhändler Heraeus.

Beschränkte Anlagemöglichkeiten

Das Kursfeuerwerk lässt auch Privatanleger aufhorchen. Doch bis jetzt gibt es nur wenige Exchange-Traded Funds für die beiden Edelmetalle. Im Fall von Rhodium findet gar kein Handel an regulierten Märkten statt. Die Hauptabnehmer aus der Industrie verhandeln direkt mit den Minenkonzernen und sind dabei auf Diskretion bedacht. Der Markt ist somit klein, illiquide und intransparent.

Händler erklären den Kursanstieg mit einer kräftigen Nachfrage aus der Autoindustrie. Platinmetalle kommen in Abgaskatalysatoren zum Einsatz. Zwar sank jüngst der Autoabsatz sowohl in den USA als auch in China, dem grössten Automarkt auf der Welt. Doch gleichzeitig wurden die Abgasvorschriften in China verschärft, Indien wird demnächst folgen. «Der Absatzrückgang wird durch die höheren Beladungen in den Katalysatoren überkompensiert», sagt Hans-Günter Ritter, Chef des Edelmetallhandels bei Heraeus.

Folgen des Dieselskandals

Der Aufschwung für Rhodium und Palladium ist teilweise auch dem Dieselskandal geschuldet. Denn die beiden Edelmetalle werden vorrangig in Katalysatoren für Benziner verwendet, während sich Platin eher für Dieselfahrzeuge eignet. Das zeigt sich auch am Rohstoffmarkt: Während sich die Preise für Palladium und Rhodium in vier Jahren vervielfachten, legte der Platinpreis gerade einmal um 25% zu. Zusätzlich kommen für Platin aus der Schmuckindustrie wenige Impulse, vor allem aus China und Hongkong.

Innert Jahresfrist vervierfacht

Preis eines Rhodium-Zertifikates (Xtracker Physical Rhodium) in $

Febr. 2019Jan. 202002004006008001000

Hauptgewinner des Rummels um die weiss glänzenden Edelmetalle ist Südafrikas Bergbau. Das Land ist der mit Abstand wichtigste Lieferant von Platin und Rhodium auf der Welt und der zweitwichtigste Palladiumproduzent. Im Gegensatz zu Rhodium fällt Palladium nicht nur bei der Platin-, sondern auch bei der Nickelförderung als Nebenprodukt an.

Platin-Nebenprodukte wecken Hoffnung

«Für die Platin-Branche ist das nicht nur ein Licht am Ende des Tunnels, es ist ein gigantischer Scheinwerfer», sagt Peter Major vom Investitionshaus Mergence in Johannesburg. Über Jahre hinweg schrieben viele Bergwerke Verluste, wurden immer wieder von Streiks erschüttert. Der einst drittgrösste Förderer, Lonmin, erlebte einen so rapiden Niedergang, dass er letztlich zum Schnäppchenpreis übernommen wurde.

Nun beleben ausgerechnet die Nebenprodukte die gebeutelte Branche. «Wir haben noch nie ein solches Preisniveau für Platinmetalle insgesamt gesehen», sagt Major. «Es ist eine sensationelle Entwicklung.» Die Reaktionen an der Johannesburger Börse sind entsprechend: Der Aktienkurs von Anglo Platinum, einem Teil des Rohstoffkonzerns Anglo American, kletterte um rund 140% binnen Jahresfrist, während sich die Kurse der Rivalen Sibanye und Impala Platinum um mehr als 300% verbesserten. Die beiden Letztgenannten hatten offenkundig den richtigen Riecher: Ende 2016 hatte Sibanye den amerikanischen Palladiumförderer Stillwater Mining für mehr als 2 Mrd. $ gekauft. Im vergangenen Jahr zog Impala Platinum mit der Übernahme von North American Palladium in Toronto für 800 Mio. $ nach.

Die Platinförderer setzen nun viel daran, die Produktion auszuweiten, doch die Möglichkeiten sind begrenzt. Denn mit einem höheren Palladium- und Rhodium-Ausstoss steigt auch das Platin-Angebot am Markt und drückt den Preis. Bei Rhodium handelt es sich überdies um eine Rarität in der Erdkruste. Im Jahr kommen nur kleine Mengen aus den Bergwerken auf den Markt. Um das Metall zu gewinnen, muss es erst mühsam vom Platin getrennt werden.

In Südafrika droht Stromkrise

Die Experten erwarten somit kein baldiges Ende des Preisauftriebs. Aber man müsse sich nach einer so starken Bewegung auf grosse Schwankungen einstellen, sagt Ritter. Die Nachfrage aus der Autoindustrie werde stark bleiben. Womöglich erhalten die Preise aller Platinmetalle noch einen zusätzlichen Schub, sollten Südafrikas Minenkonzerne wegen einer Stromkrise abermals die Produktion drosseln müssen.

Zumindest auf dem kleinen Rhodium-Markt zeigte sich in der Vergangenheit, wie schnell sich das Blatt auch wieder wenden kann. 2008 stieg der Preis nur kurz auf Rekordniveau und stürzte binnen weniger Monate von 10 000 auf weniger als 1000 $ je Feinunze ab. Billig war die Sonnenbrille von James Bond damit freilich immer noch nicht.

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