Switzerland

Tessin sorgt sich um Übergreifen des Coronavirus – Bund mahnt zur Ruhe

Wegen der zahlreichen Fälle in Norditalien steigt im Tessin die Sorge, dass das Coronavirus übergreifen könnte. Die Spitäler im Südkanton haben bereits reagiert. 

Rund 70 000 Grenzgänger aus Norditalien fahren pro Tag ins Tessin. Hier eine Aufnahme vom Abendverkehr in Ponte Chiasso von 2012.

Rund 70 000 Grenzgänger aus Norditalien fahren pro Tag ins Tessin. Hier eine Aufnahme vom Abendverkehr in Ponte Chiasso von 2012.

Karl Mathis / KEYSTONE

gaf./sda In der Schweiz gibt es weiterhin keinen bestätigten Fall des Coronavirus. Dies sagte ein Sprecher des Bundesamts für Gesundheit (BAG) am Sonntag (23.2.) auf Anfrage. Mit mehr als Hundert Infizierten in Norditalien ist das Virus jedoch nähergekommen. An Werktagen fahren rund 70 000 Grenzgänger aus dem Nachbarland ins Tessin. Dieses ist quasi der grösste Arbeitgeber der Lombardei.

Trotzdem halten die Schweizer Behörden vorderhand an ihrem Dispositiv fest. «Die Nachrichten aus Italien sind zwar beunruhigend», sagte Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten des BAG, am Samstagabend in der Tagesschau von SRF. Es wäre aber falsch, alle Personen aus Italien unter Generalverdacht zu stellen. Es handle sich noch immer um einen lokal begrenzten Ausbruch. Koch riet den Menschen im Tessin, Ruhe zu bewahren. 

Grenzgänger im Visier

Die Nachrichten aus Italien sorgen im Südkanton indessen für Unruhe. Politiker verlangen Massnahmen. Lega-Nationalrat Lorenzo Quadri forderte in seinem Blog, dass die Schweiz Grenzgängern, die im Dienstleistungssektor tätig seien, die Einreise verweigern solle. Zudem haben Parlamentarier im Tessiner Grossen Rat Fragen zum Coronavirus eingereicht. Ein SVP-Politiker will vom Staatsrat wissen, ob es möglich sei, Grenzgänger an den Landesgrenzen mit Temperatur-Scannern zu prüfen. Generell verlangt er Auskunft, welche Schutzmassnahmen gegen den Virus ergriffen werden. Einen ähnlichen Vorstoss hat die kantonale SP lanciert.

Die kantonalen Behörden seien mit dem Bund im Kontakt, sagte der Tessiner Regierungspräsident Christian Vitta am Sonntag gegenüber der NZZ. Sie beobachteten die Situation genau, aber gegenwärtig seien keine Massnahmen geplant. Auch der Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani nahm Stellung. «Die ganze Angelegenheit ist grösser als es anfänglich schien», sagte er der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die Behörden wollen in den nächsten Stunden und Tagen weiter informieren. 

Schulen sind ohnehin geschlossen

Unterdessen haben die Notaufnahmen der Tessiner Spitäler bereits reagiert. Personen mit Grippesymptomen werden isoliert und in Quarantäne gebracht, wie die Sonntagszeitung «Il caffè della domenica» berichtete. Dies gilt für alle Patienten mit solchen Symptomen; bisher war dies nur für Patienten vorgesehen, die sich in jüngster Zeit in China aufgehalten hatten. Kontaktpersonen würden unter Quarantäne gestellt.

In Mailand haben die Verantwortlichen Fussballspiele abgesagt. Schulen und Universitäten bleiben in den nächsten Woche als Vorsichtsmassnahme geschlossen. Eine ähnliche Massnahme ist im Tessin nicht nötig. Denn seit Samstag sind im Tessin Fasnachtsferien. Der Schulunterricht wird erst wieder am 2. März aufgenommen.

Auch die SBB haben bezüglich des grenzüberschreitenden Schienenverkehrs vorderhand keine Massnahmen getroffen. «Wir stehen in engem Kontakt mit dem BAG, welches Empfehlungen abgibt und Massnahmen anordnet», sagte Mediensprecher Daniele Pallecchi, Mediensprecher. Für den grenzüberschreitenden Schienenverkehr müssten einheitliche Regelungen gelten, da sich das Streckennetz zahlreicher anderer Transportunternehmen wie der Rhätischen Bahn (RhB), der Deutschen Bahn und von Flixbus über die Grenzen erstrecke.