Switzerland

Tessin: «Jeder Deutschschweizer wird schräg angeschaut» – Ferienwohnungen sind trotz Corona-Warnung buchbar

Die Kantone Tessin und Graubünden richten einen gemeinsamen Appell an die Deutschschweizer: «Bleibt zu Hause!». Sie befürchten, dass Ferienhausbesitzer die Ostertage in ihren Chalets und Rustici verbringen wollen. Sie könnten das Coronavirus verbreiten oder die Gesundheitsinfrastruktur zusätzlich belasten, lautet die Befürchtung.

Das Tessin ist bisher der am stärksten vom Corona-Virus betroffenen Kanton. Bereits kamen 141 Personen ums Leben. In Graubünden sind es 23. Aus dem Tessin wurden bereits Patienten in Deutschschweizer Spitäler verlegt.

Den Tessinern ist es ernst. Einzelne Gemeindepräsidenten des Malcantone, einer Region nahe Lugano, haben am Donnerstag eine Anzeige in der Tageszeitung «Corriere del Ticino» geschaltet, in der sie ein Verbot der Zufahrt zum Tessin von Norden fordern, namentlich vom Gotthard- und San-Bernardino-Tunnel.

Und Norman Gobbi, Chef des Tessiner Polizei- und Justizdepartements, sagte auf Schweierdeutsch:

Bisher blieb es bei Appellen zur Selbstdisziplin. Fest steht: Die Verkehrswege sind offen. Zwar planen die Polizeien der Kantone Uri und Tessin auf der Strasse Präsenz zu zeigen und Deutschschweizer Touristen auf die Empfehlungen der betroffenen Kantone und des Bundes hinzuweisen. Aber eine gesetzliche Handhabe, Touristen zurückzuweisen gibt es nicht.

Die Züge fahren ins Tessin, aber es fahren keine Extrazüge

Und die Züge fahren. Dies bestätigt ein SBB-Sprecher auf Anfrage von CH Media. Man verzichte aber auf zusätzliche Plätze wie an früheren Ostertagen. «Der gesamte öV der Schweiz wird an Ostern keine Verstärkungen anbieten. Auch die SBB wird keine Extrazüge führen», heisst es.

Ein Blick auf Schweizer Tourismus-Portale zeigt: Trotz Behörden-Appellen ist es immer noch möglich Ferienwohnungen im Tessin und Graubünden zu Buchen. Auch über die Plattform von «Schweiz Tourismus», welche vom Bund unterstützt wird.

Das Angebot ist zwar ausgedünnt, aber es gibt noch freie Wohnungen. «Diese Angebote erscheinen noch, weil sie tatsächlich buchbar sind, oder weil sie auf unserer Datenbank nicht gelöscht wurden, obwohl sie gar nicht verfügbar sind», sagt ein Sprecher von Tourismus Schweiz.

«Grundsätzlich wollen wir einzelnen Hotels aber nicht verbieten, Gäste zu bewirten, wir können nur davon abraten.» Aktive Werbung für Osterferien macht die Tourismus-Marketing-Organisation nicht. Sie wirbt mit dem Slogan: «Dream Now- Travel Later».

Eines der noch zu buchenden Angebote stammt vom Hotel Villa del Sole, einem kleinem Familienbetrieb. Das Ehepaar Christa und Christian Balwin würde ein Ferienhaus ohne Hotellerie an Personen, die nicht der Risikogruppe angehören vermieten.

Älteren Personen raten sie aber ab. «Wir sind auf jede Einnahme angewiesen», sagt Christa Balwin. Im Moment beherbergt das Paar Angestellte des Gesundheitswesen zu stark reduzierten Preisen.

Auch das Hotel Dellavalle in Brisone von Urs Zimmermann, Vizepräsident des Verbandes Hotellerie Suisse, erscheint online noch buchbar. Das ist aber nicht mehr aktuell. Am Telefon sagt er: «Ich halte mich an diese Appelle und halte mein Hotel geschlossen. Es wäre ohnehin kein schöner Urlaub hier. Die Grotti und Seepromenaden sind geschlossen.» Er warnt Deutschweizer vor einem Besuch.

Graubünden steht an Ostern etwas weniger im Fokus als das Tessin. Zum einen gibt es weniger Corona-Fälle, zum anderen ist die Hauptsaison dort schon durch. Der Hotellierpräsident von Graubünden Ernst «Aschi» Wyrsch richtet einen eigenen Appell an die Unterländer: «Je disziplinierter Ihr jetzt seid, desto schneller könnt Ihr wieder zu uns in die Ferien kommen!», sagt er am Telefon. Hotels sind aber ohnehin kaum welche geöffnet. Der Fokus richtet sich darum auf die Ferienhausbesitzer.

Vizepräsidentin der Hauseigentümer ruft auf zum Verzicht

Doch ist es nicht das gute Recht eines Chalet-Besitzers, dort Ferien zu machen? Die Thurgauer Ständerätin und Vizepräsidentin des Hauseigentümerverbandes Brigitte Häberli sagt: «Das Eigentum ist mir sehr wichtig, aber jetzt müssen wir verzichten.» (Mitarbeit: pmü/lob)

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