Switzerland

Swisscom-Panne: Jetzt kündigt der Bund eine Untersuchung an

In weiten Teilen der Schweiz sind in der Nacht auf Mittwoch die Notrufe ausgefallen. Betroffen waren auch die internetbasierten Dienste der Swisscom, die Festnetz-Telefonie, die Mobiltelefonie über Voice over LTE und Swisscom TV. Der Ausfall dauerte nach Angaben der Swisscom von 22.33 Uhr am Dienstagabend bis 00.10 Uhr am Mittwoch.

Die Störung sei auf geplante Wartungsarbeiten der Swisscom zurückzuführen. Während der Durchführung sei es zu einem mehrfachen menschlichen Fehlverhalten gekommen, teilt das Unternehmen mit. Ziel der Arbeiten war die Erweiterung der Netzkapazität. Die Wartungsarbeiten seien gestoppt und rückgängig gemacht worden, hiess es weiter. Das habe zur Erholung der Systeme geführt.

Bakom kündigt «vertiefte Abklärung» an

Nach der zweiten Panne innerhalb eines Monats hat das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) nun «eine vertiefte Abklärung der Ursachen» angekündigt.

Das Bakom verfüge zur Zeit noch nicht über einen detaillierten Fehlerbericht, teilte das Bundesamt auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Deshalb seien genaue Aussagen zum Fehler und zum Verlauf der Fehlerbehebung noch nicht möglich. Sollte das Bakom Rechtsverletzungen feststellen, so kann es gemäss Gesetz von der Swisscom Massnahmen verlangen, damit die Verletzung nicht wieder vorkommt, die Konzession durch Auflagen ergänzen und diese im schlimmsten Fall sogar einschränken, suspendieren, widerrufen oder entziehen.

Spezialisten der Swisscom würden derzeit den Fortschritt überwachen und falls nötig manuell eingreifen, um die betroffenen Dienste wieder herzustellen, teilt die Swisscom mit.

Notrufnummern ausgefallen

Zahlreiche Dienststellen der Rettungsdienste teilten über Twitter beziehungsweise in Medienmitteilungen mit, dass sämtliche Notrufnummern ausgefallen seien. Polizei und Sanität waren zum Teil nur noch via Mobilkommunikation erreichbar. Die entsprechenden Handynummern waren in den Tweets angegeben worden.

Nach rund anderthalb Stunden funktionierten die Notrufnummern aber vielerorts wieder, wie zahlreiche Polizeidienststellen ebenfalls über Twitter am Mittwochmorgen mitteilten. Von dem Unterbruch in der Kommunikation waren beispielsweise der Kanton Basel-Landschaft und die Städte Basel, Winterthur ZH sowie St. Gallen betroffen. Die Polizei Basel-Landschaft erklärte obendrein, dass die App Alertswiss ebenfalls nicht funktionierte.

Ganzes Land betroffen

Auch im Tessin und in der Romandie funktionierten die Notrufnummern teilweise nicht mehr, wie einzelne Polizeidienststellen ebenfalls über Twitter mitgeteilt hatten. Auch hier dienten Handynummern der Sicherheitsbehörden als Ersatz. Stark betroffen war der Kanton Freiburg.

Die Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass während der Zeit des Ausfalls über die Ausweichnummern keine Notrufe eingegangen seien. Auch bei der Waadtländer Kantonspolizei wurden die alternativen Nummern nicht angewählt.

Die Kantonspolizei Bern schrieb am Morgen auf Twitter, die Funkverbindungen der Blaulichtorganisationen hätten jederzeit funktioniert. Ausserdem seien die grossen Wachen besetzt und die Aussenpräsenz verstärkt worden. Die Polizei Basel-Landschaft erklärte ausserdem, dass die App Alertswiss ebenfalls nicht funktioniere.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) teilte auf Anfrage mit, natürlich sei es auch für den Bevölkerungsschutz relevant, wenn die Notfallnummern nicht funktionieren. Doch das Babs verfüge bei Notfällen über alternative Kommunikationsmöglichkeiten, nämlich die klassischen Kanäle Radio und Sirenen. Diese seien krisenresistent, sagte Babs-Sprecher Andreas Bucher.

Zweiter Ausfall in diesem Jahr

Grund für den Ausfall waren laut Swisscom geplante Wartungsarbeiten. Diese hätten zu einem unerwarteten Fehlverhalten geführt. Sie seien gestoppt und rückgängig gemacht worden. Das habe zur Erholung der Systeme geführt.

Von der Störung betroffen waren internetbasierte Dienste, die Festnetz-Telefonie inklusive Notrufnummern, die Mobiltelefonie über Voice over LTE und Swisscom TV. Auf der privaten Störungs-Plattform allestoerungen.ch gingen am späten Dienstagabend über 6000 Meldungen ein.

Bereits Mitte Januar hatten Störungen auf dem Swisscom-Netz die Notfallnummern in weiten Teilen der Schweiz lahmgelegt. Verantwortlich dafür war eine fehlerhafte wichtige elektronische Komponente. Damals war aber das Mobilfunknetz nicht betroffen.

(red/sda)