Switzerland

Südhalbkugel blieb verschont: Die gefürchtete Grippewelle, die nie kam

Der Winter auf der südlichen Hemisphäre neigt sich langsam dem Ende zu, und bemerkenswerterweise gab es weder in Australien, Neuseeland, Südafrika noch in weiten Teilen Südamerikas eine Grippewelle dieses Jahr. Es drängt sich die Vermutung auf, dass die strikten Massnahmen, welche überall auf der Welt im März im Kampf gegen Sars-CoV-2 eingeführt wurden, auch andere respiratorische Erkrankungen an der Verbreitung hinderten, unter anderem auch die Grippe, die jährlich bis zu 650’000 Personen tötet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) überwacht in vielen Ländern zirkulierende Viren und arbeitet hierfür mit lokalen Labors zusammen, welche ständig Daten übermitteln. In den ersten beiden Augustwochen waren von 200’000 Grippetests, die der WHO gemeldet wurden, nur 46 positiv. In einem normalen Grippejahr beträgt diese Zahl rund 3500. Und es wurde nur leicht weniger getestet als in den Vorjahren. In Australien werden in einer gewöhnlichen Grippesaison 86’000 Personen positiv auf ein Influenza-Virus getestet, und es sterben 130 daran. In diesem Winter waren es lediglich 627 Fälle bei einem Todesfall.

Kaum Grippefälle auf der Südhalbkugel im 2020

Tote pro 100'000
∅ Grippe 2015‑19
Covid-19 2020
Tote pro 100'000
∅ Grippe 2015‑19
Covid-19 2020
Tote pro 100'000
∅ Grippe 2015‑19
Covid-19 2020
Tote pro 100'000
∅ Grippe 2015‑19
Covid-19 2020
Tote pro 100'000
∅ Grippe 2015‑19
Covid-19 2020
Tote pro 100'000
∅ Grippe 2015‑19
Covid-19 2020

Nun hofft man in Europa und den USA, dass die Entwicklung ähnlich verläuft und es keine zusätzliche Belastung des Gesundheitssystems durch die Grippe geben wird. Die These geht so: Da es nur sehr wenige Grippefälle auf der Südhalbkugel gab, können sie nun auch nur vereinzelt auf die Nordhalbkugel importiert werden.

Allerdings sind in in den meisten Ländern, in denen der Winter kurz bevorsteht, nicht mehr so starke Eindämmungsregeln in Kraft. Das macht es nicht nur Sars-CoV-2 leichter, sich zu verbreiten, sondern allen anderen Viren auch. Um diesen Winter das Gesundheitswesen zu entlasten, lanciert der Bund deshalb eine neue Grippekampagne. Auch Kinder ab sechs Monaten sollen geimpft werden.

«Wenn es zu einer grösseren zweiten Corona-Welle kommt, dann erwarte ich, dass die Grippeviren verdrängt werden.»

Hans Hirsch, Professor für Virologie und Infektiologe am Unispital Basel

Durch das fehlende Zirkulieren der Grippeviren in Australien oder Südafrika konnten Wissenschaftler auch die Frage nicht klären, wie sich Ko-Infektionen auswirken würden, also das gleichzeitige Erkranken an Grippe und Covid-19.

Es gibt allerdings einige Hinweise. Forscher der Stanford University untersuchten im März in Kalifornien 49 Covid-Erkrankte und stellten fest, dass immerhin 11 gleichzeitig mit einem anderen Atemwegsvirus infiziert waren, beispielsweise mit Rhinoviren, RS-Viren oder anderen Coronaviren. Keine Person hatte aber zusätzlich die Grippe. Eine zusätzliche Infektion mit einem der Erreger hatte keinen Einfluss auf den Schweregrad der Covid-Erkrankung.

Schon mehrere Untersuchungen stellten fest, dass Ko-Infektionen von Influenza-Viren und anderen respiratorischen Viren in der Normalbevölkerung eher selten sind – mit Ausnahme von stark immungeschwächten Personen. Es gibt also eine Form des Schutzes, wenn man bereits mit einem Influenza-Erreger infiziert ist. Die unspezifische Immunantwort bremst über Botenstoffe wie Typ-I-Interferone auch die Vermehrung von anderen Erkältungsviren.

Bei Sars-CoV-2 könnte es ähnlich sein, wie eine Studie von Forschern vom Basler Universitätsspital vergangenen März mit 7000 Patienten zeigte, die sich im Spital wegen Atemwegsbeschwerden meldeten. Ganze 50 Prozent von ihnen waren mit Sars-CoV-2 infiziert. Covid-19 drängte in der exponentiellen Phase der Epidemie damals Erkältungen und Grippe in den Hintergrund. Womöglich sinke die Wahrscheinlichkeit, sich eine Grippe zu holen, wenn man bereits mit Sars-CoV-2 infiziert sei, mutmassen die Studienautoren. Weniger als 2 Prozent der Corona-Infizierten litten zusätzlich noch an einer Grippe oder einer anderen respiratorischen Viruskrankheit.

Studienleiter Hans Hirsch, Professor für Virologie und Infektiologe am Unispital Basel, rechnet für diesen Winter wieder mit einem ähnlichen Szenario: «Wenn es zu einer grösseren zweiten Corona-Welle kommt, dann erwarte ich, dass die Grippeviren verdrängt werden.» Anders sehe es möglicherweise bei Kindern aus, die sich eher mit RS-Viren oder Metapneumoviren infizierten, diese würden dann unter Umständen Sars-Infektionen seltener machen. «Wenn jetzt allerdings auch Kinder verbreiteter an Covid-19 erkranken, werden es auch bei ihnen andere Winterviren schwerer haben.»

Die Wahrscheinlichkeit einer gleichzeitigen Infektion von Sars-CoV-2 und Influenza schätzt Hirsch als gering ein. Wenn es doch dazu käme, wäre der Schweregrad des Verlaufs von den Wirtsfaktoren und dem individuellen Immunitätsgedächtnis abhängig. «Wenn ich von unserer Studie extrapolieren darf, würde ich beim normalen Erwachsenen eher erwarten, dass meist Sars-CoV-2 das Rennen macht», sagt Hirsch.

Es gibt also für die Nordhalbkugel berechtigte Hoffnung, keine schwere Grippesaison zu erleben in den kommenden Monaten. Das Problem ist aber nicht aufgehoben, sondern womöglich nur aufgeschoben. Denn je länger die Menschen nicht mehr mit Influenza-Viren in Kontakt kommen, desto stärker nimmt auch die Immunität ab. Hirsch sagt dazu: «Das ist tatsächlich eine wichtige Überlegung. Wenn wir rückblickend die Influenza-Viren der letzten 10 Jahre anschauen, sehen wir, dass sich die 4 Typen A/H1N1, A/H3N2, B-Yamagata und B-Victoria regelmässig abwechseln.» Das spreche dafür, dass immer jener Strang dominiere, gegen den es am wenigsten Immunität in der Bevölkerung gebe.

Nächstes Jahr werden also unter Umständen mehr Personen anfällig für eine Grippe sein, womöglich steht uns dann ein weiterer harter Winter bevor.

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