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Streit zwischen den USA und China: Bytedance erhält eine erneute Verlängerung der Frist für den Verkauf des Tiktok-US-Geschäfts bis zum 4. Dezember

Die neusten Entwicklungen

Die chinesische Video-App Tiktok gerät im Machtkampf der USA und Chinas zwischen die Fronten. Präsident Trump verlangt eine amerikanische Kontrolle. Das will China nicht hinnehmen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Kontroverse.

Philipp Gollmer, Tobias Ochsenbein, Thomas Schürpf, Jenni Thier, Matthias Sander

Tiktok, die erfolgreiche Videoplattform aus China, steht im Verdacht, der chinesischen Regierung Nutzerdaten preiszugeben. Nun erwägt der amerikanische Präsident Donald Trump, die App in den USA zu verbieten.

Tiktok, die erfolgreiche Videoplattform aus China, steht im Verdacht, der chinesischen Regierung Nutzerdaten preiszugeben. Nun erwägt der amerikanische Präsident Donald Trump, die App in den USA zu verbieten.

Thomas Trutschel / Photothek / Imago

Die neusten Entwicklungen

  • Tiktok-Mutter Bytedance erhält noch einmal eine Verlängerung der Frist für den Verkauf des amerikanischen Tiktok-Geschäfts bis zum 4. Dezember. Die Frist wäre sonst am Freitag, den 27. November aus gelaufen. Die amerikanischen Behörden begründeten die erneute Verlängerung mit der Prüfung einer revidierten Vorlage. 
  • Die populäre Video-App Tiktok kann in den USA vorerst ohne Einschränkungen weitergenutzt werden. Die Regierung Trump hat dem Mutterkonzern Bytedance eine 15-tägige Verlängerung gewährt, um die Video-Sharing-App Tiktok wie verlangt zu verkaufen. Bytedance hat mit Walmart und Oracle Gespräche über ein Abkommen geführt. Es gibt aber keine wirklichen Ergebnisse.
  • Die amerikanische Regierung hat bei ihrem Vorgehen gegen die Video-App Tiktok einen weiteren Rückschlag vor Gericht erlitten. Eine Richterin im Bundesstaat Pennsylvania setzte am Freitag (30. 10.) eine Anordnung des Handelsministeriums aus, die das komplette Aus für Tiktok in den USA zum 12. November bedeuten würde. Sie erliess eine einstweilige Verfügung auf Antrag von drei Autoren von Tiktok-Videos, die ihren Lebensunterhalt auf der Plattform verdienen.
  • Die amerikanische Regierung hat im festgefahrenen Streit um das Schicksal der Video-App Tiktok in den USA ihre harte Position bekräftigt. «Der Präsident hat festgelegt, dass es nur zwei Ergebnisse geben kann: Entweder wird es eine amerikanische Firma, oder sie wird dichtgemacht», sagte Finanzminister Steven Mnuchin am Mittwoch im Fernsehsender Fox Business. Der Countdown für Tiktok in den USA läuft indessen weiter: Gemäss einer Anordnung des Handelsministeriums droht zum 12. November das Aus für die App in den USA, weil Bytedance sie dann nicht mehr in dem Land weiterbetreiben darf.
  • Die amerikanische Regierung hat am Donnerstag (8. 10.) Berufung gegen die einstweilige Verfügung eingelegt, mit der der geplante Download-Stopp für die Tiktok-App in den USA Ende September ausgesetzt wurde. Dies geht aus Gerichtsunterlagen hervor.  
  • Ein Bundesrichter in Washington hat den Download-Stopp für Tiktok, der am Montag um Mitternacht (28. 9.) in den USA in Kraft getreten wäre, vorläufig aussetzt. Aus der Begründung des Richters Carl Nichols für die einstweilige Verfügung gegen den Download-Stopp für die App geht hervor, dass er keine ausreichende gesetzliche Grundlage für die Sanktionen sieht. Nach der Verfügung des amerikanischen Handelsministeriums hätte Tiktok aus dem App Store von Apple und Google in den USA verschwinden. Nutzer, die die App bereits auf ihren Smartphones haben, hätten dann genauso wie bisher auf Tiktok zugreifen können. Man hätte die App aber nicht mehr neu herunterladen können.
  • Die amerikanischen Pläne: Präsident Trump verlangt, dass Tiktok vollständig von amerikanischen Firmen kontrolliert wird; andernfalls soll die App – aus Datenschutzgründen – in den USA verboten werden. Dazu soll das US-Geschäft in einem neuen Unternehmen namens Tiktok Global aufgehen, an dem die US-Konzerne Oracle und Walmart zusammen rund 20 Prozent der Anteile halten sollen. Der chinesische Mutterkonzern Bytedance behält zwar im Prinzip 80 Prozent der Anteile. Diese sollen aber an bestehende Bytedance-Aktionäre verteilt werden, zu denen die US-Firmen Sequoia Capital, General Atlantic und Coatue Management gehören. Damit sollen die Amerikaner zu einer Mehrheit an Tiktok Global kommen und Management und Verwaltungsrat dominieren. Entscheidend ist, dass die Tiktok-Technologie in Besitz von Tiktok Global kommen soll. 
  • Die chinesischen Pläne: Die chinesische Tiktok-Besitzerin Bytedance hält daran fest, dass sie eine Aktienmehrheit an der vorgesehenen Firma Tiktok Global behalte. Bytedance betonte auch, dass es keinen Transfer von Quellcode oder Technologie in die USA geben dürfe. Laut der «Financial Times» ist dabei ein Kompromiss denkbar, wonach Oracle auf den Quellcode von Tiktok zugreifen könne, dieser aber trotzdem nicht in die USA transferiert würde. Noch am Montag, 21. 9. unterstrich die staatliche chinesische «Global Times», dass China keinem Abkommen zustimme, das die Nationale Sicherheit, die Interessen und die Würde Chinas tangiere.
  • Die chinesische Kommunikations-App WeChat wird vorerst für amerikanische Nutzer verfügbar bleiben. Eine Richterin in Kalifornien setzte die Sanktionen der US-Regierung am Sonntag (20. 9.) mit einer einstweiligen Verfügung aus. Die App hätte aus den Download-Plattformen in den USA verschwinden und auch den Grossteil ihrer Funktionalität verlieren sollen. Die Richterin entschied nach einer Klage von WeChat-Nutzern gegen das Vorgehen der amerikanischen Regierung. Sie kam zu dem Schluss, dass eine einstweilige Verfügung gerechtfertigt ist, weil WeChat durch zu Sanktionen zu grossen Schaden nehmen würde, während der Dienst sich noch im Hauptverfahren durchsetzen könnte.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat angekündigt, die chinesische Video-App Tiktok zu verbieten, sollte der amerikanische Zweig nicht an eine Firma in den USA verkauft werden. Dieses Verbot soll Mitte September greifen. Die Frist wurde inzwischen auf 12. November erstreckt. Trump hatte zur Bedingung für seine Zustimmung zum Kauf gemacht, dass die Regierung «viel Geld» dafür im Gegenzug erhalte. Tiktok ist das erste Social-Media-Netzwerk aus China, das sich international etablieren konnte. Insgesamt verzeichnete die App bis Ende Mai weltweit zwei Milliarden Downloads. Mit dem wachsenden Erfolg von Tiktok nahmen auch die Vorwürfe zu, die gegenüber der Plattform erhoben werden. Einer davon ist, die App liefere Nutzerdaten an die chinesische Regierung. Der chinesische Mutterkonzern Bytedance wehrt sich gegen diesen Vorwurf.

Auf Tiktok laden die Nutzer kurze Videos hoch, die sie mit Musik und Filtern unterlegen und anschliessend auf der Plattform teilen. Wer die App öffnet, gelangt sofort auf den Video-Feed. Hier schlägt der Algorithmus dem Nutzer ein Video nach dem anderen vor, das ihm gefallen könnte.

Die Videos können ähnlich wie bei anderen sozialen Netzwerken mit einem Like versehen und geteilt werden. Auch gibt es die Möglichkeit, Nutzern zu folgen. Gefällt das empfohlene Video nicht, können es die Nutzer rasch nach oben wischen und sehen dann den nächsten Clip. Der Algorithmus analysiert die Nutzerreaktionen und passt seine Vorschläge entsprechend an. Je mehr Interaktionen es gibt, desto besser sollen die Empfehlungen werden.

Die Videoplattform ist Teil des chinesischen Tech-Konzerns Bytedance. 2017 hat dieser die App Musical.ly übernommen und kurz darauf in Tiktok umgewandelt. Daneben betreibt Bytedance weitere Plattformen wie die Nachrichtenseite Toutiao oder Anwendungen in den Bereichen Messaging, Gaming und E-Commerce.

In China bietet Bytedance die App Douyin an, die über dieselben Funktionen wie Tiktok verfügt, jedoch der strengen Zensur der Kommunistischen Partei Chinas unterliegt. Das gilt seit dem Inkrafttreten des Nationalen Sicherheitsgesetzes auch für Hongkong.

Der Hauptvorwurf lautet ähnlich wie jener gegen den chinesischen IT- und Netzausrüster Huawei: dass das Unternehmen Nutzerdaten möglicherweise in grossem Masse in China verarbeite, wodurch Informationen über Anwender dort unter die Kontrolle staatlicher Stellen kommen könnten. Tiktok weist diese Vorwürfe von sich und betont, als Privatunternehmen vom chinesischen Staat unabhängig zu sein. Kritiker halten eine solche Unabhängigkeit allerdings – speziell vor dem Hintergrund mangelnder Rechtsstaatlichkeit in China – für nicht durchsetzbar.

Aus diesen Gründen hat Indien die Videoplattform Ende Juni verboten, zusammen mit 58 anderen chinesischen Applikationen. Man wolle die «Sicherheit und Souveränität des indischen Cyberspace» schützen, hiess es. Auch in den USA äusserten Kongressmitglieder ihre Bedenken gegenüber Tiktok. Die App sei eine Gefahr für die nationale Sicherheit, sagten sie bereits im Herbst des vergangenen Jahres.

Eine weitere Frage ist, ob und wie sehr der Dienst die dort verbreiteten Inhalte im Interesse der chinesischen Regierung zensiert. So dokumentierte unter anderem das Portal netzpolitik.org im November 2019 Kriterien, anhand deren Moderatoren Inhalte bewerten und filtern. Tiktok betreibe ein ausgeklügeltes System, um Inhalte zu identifizieren, zu kontrollieren, zu unterdrücken und zu lenken. Auffällig sei, dass beispielsweise Videos über die Proteste in Hongkong auf dem Portal kaum sichtbar seien. Tiktok erklärte dazu, man moderiere keine Inhalte basierend auf politischen Ausrichtungen oder Empfindlichkeiten.

Neben der Diskussion um politische Unabhängigkeit beziehungsweise Einflussnahme gab es in der Vergangenheit zudem Kritik an den Jugendschutzeinstellungen. Tiktok lässt Nutzer ab 13 Jahren zu und ermöglichte es anderen Anwendern zunächst, diesen auch Direktnachrichten und digitale «Geschenke» zu schicken. Laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters haben daraufhin die amerikanische Handelskommission (FTC) und das amerikanische Justizministerium eine Untersuchung wegen Vorwürfen der Missachtung der Privatsphäre von Kindern eingeleitet.

Auch die Tatsache, dass Tiktok die Privatsphäre seiner neuen Anwender zunächst auf «öffentlich» voreingestellt hatte, stiess bei Datenschützern auf Kritik. Inzwischen hat die Plattform die Einstellungen angepasst und definiert zumindest die Konten von Kindern und Jugendlichen standardmässig als «privat», zudem ist der Austausch direkter Nachrichten mit Minderjährigen ebenso deaktiviert wie der Versand von «Geschenken».

Tiktok will seine Zukunft in den USA mit einer Klage gegen die Regierung von Donald Trump retten. Die Betreiber argumentieren unter anderem, der amerikanische Präsident habe mit einem Erlass Anfang August Vollmachten missbraucht und die Verfassung verletzt. Ausserdem seien Gegenargumente zu den Vorwürfen, dass die Plattform ein Sicherheitsrisiko für amerikanische Nutzer sei, nicht beachtet worden, heisst es in der am 24. August eingereichten Klage.

Tiktoks Mutterkonzern Bytedance wirft den Amerikanern zudem vor, das Geschäftsmodell der Chinesen zu kopieren. Zudem ziele Facebook darauf ab, Tiktok zu diskreditieren, so ein weiterer Vorwurf. In der Tat bietet der Facebook-Konzern mit Reels ein Tiktok-Nachahmerprodukt an. Die in Instagram verankerte Funktion wurde bereits in Brasilien, Frankreich und Deutschland getestet und vergangenen Monat in Indien lanciert, nachdem die Regierung dort Tiktok verboten hat. Auch in den USA, in Grossbritannien und in der Schweiz ist der Tiktok-Klon bereits lanciert worden. Facebook-CEO Mark Zuckerberg hat sich zudem laut einem Bericht des «Wall Street Journal» im Herbst 2019 in vertraulichen Gesprächen in Washington explizit gegen Tiktok positioniert.

Kevin Mayer, mittlerweile Ex-CEO von Tiktok.

Kevin Mayer, mittlerweile Ex-CEO von Tiktok.

PD

Die Plattform selbst ist bemüht, die gegen sie erhobenen Vorwürfe zu entkräften und den Anschein möglichst grosser Distanz zum chinesischen Mutterkonzern zu bewahren. Erst im Mai war mit Kevin Mayer ein Amerikaner CEO von Tiktok geworden. Mit einem offenen Brief reagierte dieser auf die Ankündigung Präsident Trumps, die App in den USA zu verbieten. Er zeigte darin Verständnis, dass man aufgrund der chinesischen Herkunft unter erhöhter Beobachtung stehe. Gleichzeitig kündigte er an, den Quellcode des Tiktok-Algorithmus und die Moderationsrichtlinien externen Experten zugänglich zu machen. Damit signalisiere Tiktok, dass man nichts zu verbergen habe. Am 27. August gab Mayer bekannt, dass sich durch die politischen Veränderungen seine ursprüngliche Rolle verändert habe und er deshalb von seinem Chef-Posten zurücktrete.

Bytedance versucht zudem offenbar mit der amerikanischen Regierung eine Vereinbarung zu erzielen, um einen vollständigen Verkauf des Amerika-Geschäfts von Tiktok zu vermeiden. Die Diskussionen über eine solche Option haben an Bedeutung gewonnen, seit die chinesische Regierung neue Exportbestimmungen beschlossen hat, die einen Verkauf von Tiktok an einen amerikanischen Technologiekonzern erschweren. Die am 28. August eingeführten Regeln könnten bedeuten, dass der Mutterkonzern Bytedance von der Regierung erst eine Lizenz erhalten muss, bevor ein amerikanischer Konzern Tiktok übernehmen darf. Die neuen Bestimmungen verbieten den Verkauf von bestimmten von Peking als empfindlich eingestuften Technologien ohne Erlaubnis. Dazu gehören KI-Anwendungen wie Textanalyse, Spracherkennung oder personalisierte Inhaltsvorschläge, die beim Algorithmus der erfolgreichen Videoplattform eine entscheidende Rolle spielen. Ein Käufer müsste die Algorithmen, die für den Erfolg des Sozialen Video-Netzwerks entscheidend sind, neu entwickeln.

Die App ist vor allem mit Tanzvideos populär geworden. In den Clips zeigen die Nutzer die Choreografien zu eingängigen Melodien. Andere Nutzer nehmen das auf und entwickeln es weiter. Dadurch entstehen Trends, und bisher unbekannte Lieder können so weltweit den Durchbruch schaffen. Beliebt sind zudem Streiche oder sogenannte Challenges: Dabei fordern sich die Nutzer gegenseitig heraus, eine bestimmte – meist harmlose – Prüfung zu bestehen. Tiktok macht es den Nutzern sehr einfach, Inhalte zu erstellen, was die Kreativität fördert und die Hemmschwelle senkt, eigene Videos zu teilen.

Neben diesen leichten, eher unterhaltsamen Inhalten, die auf Tiktok nach wie vor dominieren, verbreiteten die Nutzer in den vergangenen Monaten vermehrt auch politische Inhalte. So tauchte während der «Black Lives Matter»-Proteste nach dem Tod von George Floyd eine ganze Reihe von Inhalten, angepasst an die spezifischen Eigenschaften der Plattform, auf.

Im Juni sollen Nutzer über Tiktok angeblich eine Wahlkampfveranstaltung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump torpediert haben, indem sie haufenweise Tickets für den Event reserviert hatten, dann aber nicht auftauchten. An der Veranstaltung waren so letztlich nur wenige Gäste vor Ort. Ob dafür die Aktion der Tiktok-Nutzer oder andere Gründe entscheidend waren, ist umstritten.

Anders als Facebook, Twitter oder Instagram funktioniert Tiktok auch, wenn man niemandem folgt. Im Zentrum steht das Konsumieren und Erstellen von Videos. Der Algorithmus sorgt dafür, dass einem nur jene Inhalte angezeigt werden, die einen richtig interessieren, während bei den anderen Netzwerken im Vordergrund steht, was Freunde oder Accounts, denen man folgt, teilen.

Das macht Tiktok zu einer äusserst viralen Plattform, da sich ansprechende Inhalte sehr rasch verbreiten. Die Nutzer verbringen damit gemäss CB Insights mit 294 Sekunden pro Sitzung auch mehr Zeit auf Tiktok, als sie es beispielsweise auf Facebook (208 Sekunden) oder Twitter (114 Sekunden) tun.

Tiktok ist grösser als Twitter und deutlich kleiner als Facebook

Anzahl monatlich aktiver Nutzer, in Mio.

FacebookYoutube (Google)Whatsapp (Facebook)Messenger (Facebook)WeChatInstagram (Facebook)TiktokQQQzoneSina WeiboRedditKuaishouSnapchatTwitterPinterest249820002000130011651000800731517516430400398386366

Es sind verschiedene Unternehmen im Gespräch. So hatte Microsoft früh bestätigt, dass der Technologiekonzern an einer Teilübernahme des amerikanischen Geschäfts von Tiktok interessiert sei. Es habe Gespräche mit Präsident Trump gegeben. Es gibt zudem Berichte, nach denen Microsoft Ambitionen habe, das weltweite Geschäft, darunter auch Europa und Indien, zu übernehmen. Am 27. August hatte die amerikanische Supermarktkette Walmart angekündigt, sich mit Microsoft zusammentun zu wollen. Die chinesische Regierung will allerdings einen Deal mit Microsoft blockieren. In der Nacht auf den 14. September hat Microsoft mitgeteilt, dass sein Angebot für Tiktok abgelehnt worden sei.

Auch der Kurznachrichtendienst Twitter soll Gespräche mit Tiktok geführt haben. Es seien vorläufige Verhandlungen über ein mögliches Zusammengehen gewesen, berichtete das «Wall Street Journal» Anfang August.

Der amerikanische Business-Software-Konzern Oracle hat Mitte August ebenfalls Interesse an Tiktok bekundet und mit Bytedance gesprochen. Dabei sei es um die Übernahme der Tiktok-App in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland gegangen. Am 14. September hat Oracle bestätigt, dass der Konzern Technologie-Partner von Tiktok werden soll. Dies soll Teil des Plans des chinesischen Tiktok-Eigentümers Bytedance sein, ein drohendes Aus für die App in den USA zu verhindern. Oracle könnte zum Beispiel die Speicherung der Daten von amerikanischen Nutzern übernehmen. Der Bytedance-Vorschlag soll nun an das amerikanische Gremium zur Bewertung ausländischer Investitionen und danach an den amerikanischen Präsidenten Donald Trump gehen.

Im Handelskonflikt mit China werden die USA weiterhin auf Konfrontation setzen – vor allem in den kommenden Monaten bis zu den Präsidentschaftswahlen. Dabei geht es auch um die technologische Vorherrschaft, denn chinesische Firmen sind zu einer ernsthaften Konkurrenz für amerikanische Unternehmen geworden. Deshalb nimmt die amerikanische Regierung diese ins Visier. Bisher war der prominenteste Fall der weltgrösste Netzausrüster, Huawei. Jetzt wollen die USA Tiktok verbannen.

Die Spirale dürfte noch weiterdrehen: Bereits angekündigt hat Aussenminister Mike Pompeo Sanktionen gegen den Chat-Dienst Wechat von Tencent. Auch der Blog-Anbieter Weibo und andere chinesische Apps müssen wohl demnächst mit einem von den USA verfügten Bann rechnen. Trumps Berater Peter Navarro, im Weissen Haus zuständig für Handelspolitik, sagte dem Fernsehsender Fox Business am 31. August, es sei entscheidend, dass die USA «keine Apps nutzt, die in China entwickelt wurden oder die unsere Daten auf Server in China weiterleiten können».

Am 15. August kündigte Trump an, ein Verbot des chinesischen Tech-Giganten Alibaba in den USA zu prüfen. Mit diesem Vorgehen gegen chinesische Unternehmen hat der amerikanische Präsident den Konflikt mit der Volksrepublik weiter angeheizt.

Zur Diskussion stehen offenbar eine Anrufung des wirtschaftlichen Notrechts (International Emergency Economic Powers Act), aufgrund dessen die Regierung es amerikanischen App-Stores zu verbieten versuchen könnte, ausländische Produkte wie Tiktok anzubieten. Ein anderer Weg für die Regierung wäre, die Besitzer von Tiktok auf jene schwarze Liste zu setzen, die amerikanischen Firmen den Handel mit Tiktok nur noch mit einer Sonderbewilligung erlaubt. Faktisch könnte das dem von Trump ins Spiel gebrachten «Verbot» entsprechen.

Anders als in China oder Indien gibt es in den USA noch keinen Präzedenzfall, in dem eine App auf der Netzwerkstufe gesperrt wurde. In solch einem Fall würde die Kommunikation gezielt zwischen Servern und Nutzern blockiert werden.

Auch die Europäische Union beschäftigt sich mit Tiktok. Wie im Juni bekannt wurde, soll eine Arbeitsgruppe des Europäischen Datenschutzausschusses (EDSA) Massnahmen koordinieren und die Datenverarbeitung und Praktiken von Tiktok durchleuchten. Die EU-Datenschutz-Grundverordnung müsse auch dann angewendet werden, wenn die Daten nicht innerhalb der EU verarbeitet, aber die Produkte und Dienste dort angeboten würden.

Im Juli hat es zudem Diskussionen darüber gegeben, ob Bytedance seinen Hauptsitz von Peking nach Europa verlegt. Im Gespräch waren offenbar Dublin und London, wo das Unternehmen bereits grosse Büros hat. Am 3. August berichtete die britische Zeitung «The Sun», dass Bytedance sich für London entschieden und dafür den Segen britischer Minister erhalten haben soll. Zudem soll bis 2022 ein Rechenzentrum in Irland gebaut werden. Dort sollen die Daten europäischer Nutzer gespeichert werden. Aktuell speichert und verarbeitet Tiktok die Daten seiner Nutzer in den USA und Singapur, während die irische Tochterfirma für sie zuständig ist.

Mitte August (11. 8.) wurde bekannt, dass die französische Datenschutzbehörde CNIL sich mit Tiktok befasst. Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte ein CNIL-Sprecher, die Behörde schaue sich eine Reihe Themen an, darunter die Kommunikation der Firma mit Nutzern sowie den Schutz von Kindern. Die Fragen sind demnach Teil einer Untersuchung zu Tiktoks Plan, einen Sitz in der EU zu eröffnen. Mindestens drei weitere europäische Datenschutzbehörden befassen sich bereits länger mit Tiktok – jene aus Grossbritannien, den Niederlanden und Dänemark.

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