Switzerland

Strafverfahren gegen Brauerei-Verwaltungsräte eingeleitet

Gegen mehrere Verwaltungsräte der Brauerei Mein Emmental laufen zwei Strafverfahren. Die Beschuldigten wollen sich mit massiven Massnahmen wehren.

Ein Scheitstock, eine Holzbeige und ein gewollt abgeblättertes Schild: Die Brauschüür scheint wie eine heile Welt, doch der Schein trügt.

Ein Scheitstock, eine Holzbeige und ein gewollt abgeblättertes Schild: Die Brauschüür scheint wie eine heile Welt, doch der Schein trügt.

Foto: Nicole Philipp

Ihre Biere heissen Charer oder Goud, Plägööri oder Hagu-Hans. Die Brauerei Mein Emmental setzt stark auf das ländliche Lokalkolorit. Letzten Sommer kürte die Brauerei eine eigene Miss Emmental. Auf dem Vorplatz der Brauschüür. In der denkmalgeschützten 200-jährigen Scheune gleich beim Bahnhof Zollbrück braut Mein Emmental seit knapp zwei Jahren sein Bier. Seit der Eröffnung der angeschlossenen Beiz ist das Interieur renoviert und urchig-modern eingerichtet. Stühle aus schwerem Metall, viel Holz. Man ist bodenständig, kennt die Handwerker, die damals die Scheune umbauten. Auch draussen viel Holz. Scheitstöcke statt Stehtischen. Eine Holzbeige unter dem gewollt abgeblätterten Brauschüür-Schild.

Die Überwachung

Es scheint, als wäre die renovierte Brauschüür eine heile Welt. Doch seit einigen Monaten bekommt diese heile Welt Risse. Immer wieder kommen neue Interna und private Streitereien zum Vorschein, die das Bild des vermeintlichen Vorzeigebetriebs trüben. Angefangen hat es im Februar dieses Jahres. Ein interner Mailverkehr und der Bericht des kantonalen Arbeitsinspektors führten zu tage: Der Verwaltungsrat hatte im Dezember Kameras installiert, mit denen er die Mitarbeiter «unzulässig» überwachte. Begründet wurden die Installationen damals unter anderem damit, den Schutz der Mitarbeiter gewährleisten zu wollen. Als direkte oder indirekte Folge der Überwachung kündigten drei Angestellte ihre Stelle oder wurden entlassen. Wenig später brachen Unbekannte in die Brauschüür ein. Bei diesem Vorfall stellte sich heraus: Die Überwachungsanlage zeichnete auch den Ton auf.

Das iPad

Ende Februar sorgte ein iPad für Aufsehen. Die Brauschüür-Mitarbeiter verwendeten das private Gerät des Verwaltungsratspräsidenten Roland Heiniger, um die Musik in der Bar zu steuern. Für den neuen Eklat sorgte ein Mail, das gemäss einem weiteren internen Mailwechsel vom geschäftlichen Mailaccount des VR-Präsidenten verschickt wurde. Angeblich handelte es sich bei diesem Mail aber nicht um irgendein Schreiben, sondern um eine Nachricht, welche die Bank Vontobel betraf.

Bei diesem Unternehmen bekleidet Heiniger eine hohe Kaderposition. Dies ist auch der Grund, wieso sogar das Finanzportal Insideparadeplatz.ch auf das Thema aufmerksam wurde. Heiniger bestritt, dass das weitergeschickte Mail irgendetwas mit der Bank Vontobel zu tun habe. Er kündigte im Gegenzug an, sein Anwalt werde juristische Schritte einleiten. Er könne nicht akzeptieren, dass sich jemand nicht nur Zugriff auf seinen Mailaccount verschafft («Verletzung Datenschutz»), sondern auch ein E-Mail aus seinem Posteingang weitergeschickt habe («Diebstahl»).

Der abgewählte Rat

Einen Monat später, Ende März, kam schliesslich ein angeblich schon länger schwelender Konflikt im Verwaltungsrat ans Licht. Im Newsletter, der auch dieser Zeitung vorliegt, appellierte der Verwaltungsrat an die Aktionäre, Metzgermeister Peter Erhard an der nächsten Generalversammlung aus dem Gremium abzuwählen. Erstens habe Erhard die Adresskartei der Aktionäre für den persönlichen politischen Wahlkampf missbraucht. Zweitens habe er Geldforderungen an die Firma gestellt, obwohl die Verwaltungsräte unentgeltlich arbeiteten. Drittens sei ihm die gastwirtschaftliche Betriebsbewilligung für die firmeneigene Beiz, die Brauschüür in Zollbrück, entzogen worden.

Als Konsequenz belegte ihn der Verwaltungsrat mit einem Hausverbot und entzog ihm die Zeichnungsberechtigung. Peter Erhard bezeichnete die Vorwürfe damals als «unter allem Hund». Stattdessen strich er seine Verdienste rund um die Brauerei und die Bar heraus. So etwa seinen Einsatz für den Mein-Emmental-Song, der auf Youtube über 120’000-mal angeschaut wurde. Mittlerweile ist Peter Erhard aus dem Verwaltungsrat abgewählt worden. Mehrmals hielt der Langnauer Lokalpolitiker jedoch fest, dass er zu keinem Zeitpunkt straffällig geworden sei.

Die Einvernahme

Im Gegenteil: Er prüfe seinerseits rechtliche Schritte, um gegen den Inhalt des Newsletters vorzugehen. Diese hat er nun offenbar ergriffen. Wie offizielle Dokumente belegen, lädt die Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau fünf Beschuldigte zur Einvernahme «in Sachen üble Nachrede und Verleumdung» vor. Zu den Beschuldigten gehören Verwaltungsratspräsident Heiniger sowie weitere Mitglieder des Verwaltungsrats der Mein Emmental AG.

Ausserdem eröffnet die Staatsanwaltschaft ein weiteres Strafverfahren – auch hier unter anderem gegen Roland Heiniger – wegen «Abhören und Aufnehmen fremder Gespräche». Diese Einvernahme geht auf die «unzulässige» Überwachung der Brauschüür-Mitarbeiter vom letzten Winter zurück. Davon wird die Tonspur der Überwachung beanstandet und nicht das Video.

Obgleich zwei Anzeigen eingereicht wurden und die Strafverfahren mit den Einvernahmen aufgenommen werden, gilt weiterhin die Unschuldsvermutung für alle Beschuldigten. Ausserdem kündigt die Gegenseite massive Massnahmen an, die sie in den nächsten Tagen kommunizieren will.

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