Switzerland

Stoppt die Corona-RS, alles andere ist verantwortungslos!

Nirgendwo sonst stecken sich so viele junge Menschen mit Corona an wie in der Schweizer Armee. Die Rekrutenschule, die in dieser Woche begann, muss daher abgebrochen werden.

Armee vertraut auf Masken. Auch jetzt, da sie über 12’000 Rekruten einer Ansteckung aussetzt.

Armee vertraut auf Masken. Auch jetzt, da sie über 12’000 Rekruten einer Ansteckung aussetzt.

Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

Es wurde in den letzten Tagen viel über Clubs gesprochen, über Bars und Badis. Und was man sonst noch alles beschränken und wieder schliessen müsste, bis die zweite Welle vorbei ist. Aber der eigentliche Corona-Hotspot der Schweiz wurde bisher nicht thematisiert: Die Armee, deren Sommer-RS diese Woche begann – und die eigentlich abgesagt hätte werden müssen. Denn nirgendwo sonst kam es unter jungen Menschen zu so vielen Corona-Fällen wie im Militär: 344 Armeeangehörige wurden bis Ende Juni positiv auf Covid-19 getestet.

Die Schweizer Armee ist offensichtlich stolzauf eine Studie, an der sie mitgearbeitet hat und die belegen soll, dass Abstandhalten und Händewaschen nicht nur bei der Vermeidung von Ansteckungen mit dem Virus wichtig sind. Auch auf den weiteren Verlauf der Krankheit hätte das Social Distancing und die Hygienevorschriften eine Auswirkung. Das soll eine Studie belegen, die in Airolo entstand, wo es in zwei Kompanien mit 354 Männern zu 102 Covid-19-Fällen kam.

Risiko wird eingegangen, weil die Armee sonst nicht mehr funktionieren würde. Wirklich?

Die Corona-Studie unter Mitwirkung unseres Militärs ist unter Experten nicht unumstritten. Und «nicht repräsentativ» für die Schweizer Gesamtbevölkerung, wie Michel Bielecki, Truppenarzt der Schweizer Armee und Mitautor der Studie, in einem Interview mit der NZZ sagt. Die Schweizer Armee geht mit ihrer Studie aber wohl nicht ganz zufällig gerade jetzt an die Öffentlichkeit, da sie 12’000 junge Menschen für die RS eingezogen hat, die sich nun mit Corona anstecken könnten.

Eine Absage der Rekrutenschule sei «geprüft» worden, schreibt Armeesprecher Daniel Reist. Aber das Schweizer Militär müsse ihre Versorgung mit neuen Männern und einigen Frauen sicherstellen, um die «von der Verfassung übertragenen Aufträge erfüllen zu können». Das könne die Schweizer Armee nur, wenn die RS stattfinde. Unser Militär könnte also seine Aufträge nicht mehr erfüllen, wenn eine einzige Sommer-RS verschoben werden müsste. Ist das nicht bedenklich?

3000 Personen warten auf ihre Testergebnisse

Die Armee rechtfertigt ihre jüngste Rekrutenschule auch damit, dass sie inzwischen alle testen lässt, die ins Militär einrücken. Aber das dauert: Die definitiven Resultate liegen erst am Montag vor, also nach der ersten RS-Woche. Bis gestern Donnerstag um 15 Uhr hatten immerhin 9000 Personen bereits Resultate. Unter ihnen sind 26, die positiv auf Corona getestet wurden.

Bei mehr als 3000 Personen, die eingezogen wurden, stehen die Testergebnisse noch aus. Rechnet man von der bisherigen Ansteckungsrate um, kann davon ausgegangen werden, dass auch unter ihnen mindestens 8 Schweizer sind, die das Virus in sich tragen. Und die es nun an viele Rekruten weitergeben können – auch an jene, die bereits getestet wurden, bis am Montag alle erfahren haben, ob sie für andere gefährlich sind.

Überblick über gesundheitliche Situation der Truppen fehlt

Tatsächlich sind bereits einige Rekruten in Quarantäne. Wie viele es genau sind, weiss die Schweizer Armee selbst nicht. Das sei «nicht im Detail erfasst», da die Quarantänemassnahmen «dezentral und situativ» an den jeweiligen Truppenstandorten getroffen wurden, schreibt Armeesprecher Reist.

Die Armee, die so stolz auf ihre Mitarbeit an einer wissenschaftlichen Studie zu ihrer Corona-Vergangenheit ist, hat also aktuell keinen Überblick über die gesundheitliche Situation in ihren Einheiten. Und während die allermeisten Menschen in der Schweiz den Ernst der Lage verstanden haben, sich im Alltag stark einschränken und mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen haben, übt sich die Schweizer Armee in Verantwortungslosigkeit. Das darf nicht sein. Die Rekrutenschule muss daher abgebrochen werden.

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