Switzerland

Stille Riesen auf Mission – die vergessene Medienmacht der Konzerne

Mit ihren Magazinen erreichen manche Konzerne ein Millionenpublikum. Dass sie dies auch nutzen, um etatistische Anliegen zu unterstützen, ist nur scheinbar ein Widerspruch.

Die Migros und andere Konzerne bieten manchmal nicht nur Produkte feil, sondern auch politische Rezepte.

Die Migros und andere Konzerne bieten manchmal nicht nur Produkte feil, sondern auch politische Rezepte.

Arnd Wiegmann / Reuters

Das Titelbild könnte auch eines dieser christlichen Magazine zieren, die mit lächelnden Menschen und Schlagzeilen wie «Die Bibel ins Leben holen» locken. Doch der lachende Vater, der kürzlich auf dem Cover des «Migros-Magazins» zu sehen war, sollte die Menschen für etwas anderes begeistern: den staatlich finanzierten Vaterschaftsurlaub, über den an diesem Sonntag abgestimmt wird.

Möbelhersteller Ikea ist auch dabei

Unter dem Titel «Papi unser» kommen denn auch nur Männer zu Wort, die mehr oder weniger klar zu verstehen geben, dass sie eine staatliche Ferienregulierung begrüssen. Das Schlusswort hat Vater und Bundesrat Alain Berset (sp.). Das schätzungsweise über 200 Millionen Franken teure Sozialwerk, so erklärt er, «ist absolut finanzierbar». Es sei «nicht mehr zeitgemäss», wenn Väter nach der Geburt eines Kindes extra ihr Ferienguthaben antasten müssten, und überhaupt helfe der Vaterschaftsurlaub bei der gesellschaftlichen Entwicklung Richtung Gleichstellung.

Dass gerade Letzteres umstritten ist – in Deutschland etwa hat bisher selbst ein mehrmonatiger Elternurlaub wenig an der Rollenteilung geändert –, erfährt man nirgends, denn Gegenstimmen zu der von Mitte-links unterstützten Vorlage werden nicht zitiert. Nun ist es nichts Ungewöhnliches, dass sich Firmen in politische Diskussionen einmischen, wenn sie sich daraus einen PR-Gewinn versprechen; die Migros leistete sich einst bekanntlich eine eigene Partei namens LdU.

In Sachen Vaterschaftsurlaub wirbt auch der schwedische Möbelhersteller Ikea für ein Ja, unter anderem via Gastbeitrag in der NZZ. Interessant an diesem Phänomen ist, dass es jene nicht stört, die sonst gerne vor der Medienmacht finsterer Millionäre und Multis warnen: Solange die Richtung stimmt, ist die Demokratie offenbar nicht in Gefahr. Dabei ist der potenzielle Einfluss gewisser Firmenmagazine vermutlich grösser als derjenige des «Furttalers», des «Rümlangers» und aller anderen Zeitungen, die der SVP-Unternehmer Christoph Blocher jemals gekauft hat.

Allein das «Migros-Magazin» erreicht über 2 Millionen Leser, weshalb es auch «stiller Riese» genannt wird. Im Heft finden sich immer wieder einmal Beiträge, in denen linke Politiker, Wissenschafter und NGO für oder gegen etwas Stimmung machen, von der europäischen Migrationspolitik über den Wachstumsglauben und die Energiewende bis zur schweizerischen Familienpolitik.

Ab in den Schredder

Selbst ein Konzern wie die Credit Suisse pflegt in hauseigenen Publikationen zuweilen jenen progressiven Jargon, hinter dem sich oft Forderungen nach mehr Gesetzen und Staatsausgaben verbergen. So war einer Ausgabe des CS-Magazins «Aspekte» unter anderem zu entnehmen, dass die Schweiz bei der Kinderbetreuung «hinterherhinkt». Deshalb, so durfte die Geschäftsleiterin des Lobbyverbandes Kibesuisse erklären, brauche es dringend besser ausgebildetes Personal (als ob das heutige nicht zu gebrauchen wäre) und natürlich einen «höheren Beitrag der öffentlichen Hand».

Auch diese Botschaft ging an ein potenziell grosses Publikum, zumal «Aspekte» eine Auflage von rund 400 000 Exemplaren hat. Doch so zeitgeistig die aktuellen Firmen-Botschaften auch daherkommen mögen: So uneigennützig, wie sie scheinen sollen, sind sie kaum. Denn je mehr der Staat in die Pflicht genommen wird, desto weniger Verantwortung haben die Unternehmen, selber für Krippen und Elternzeit zu sorgen.

Gleichzeitig ist der mediale Aktivismus nicht ohne Risiko. Wer mit «progressiven» Bekenntnissen Imagepflege betreibt, kann auch leichter unter Druck gesetzt werden. Die Migros hat kürzlich aus Angst vor Sexismusvorwürfen 120 000 Tragtaschen einstampfen lassen, obwohl die Motive nicht einmal alerte Fachleute empörten.

Und als das «Migros-Magazin» einen harmlosen, jedoch nicht ganz klischeefreien Artikel über den Balkan publizierte, liess die PR-Abteilung wegen eines Mini-Empörungssturms umgehend verlauten, man hätte die Ausgabe am liebsten schreddern lassen. Diese Lust an der öffentlichen Selbstgeisselung mag so «zeitgemäss» sein wie der Vaterschaftsurlaub. Ob sie imagefördernd wirkt, ist eine andere Frage.

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