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Stadtfest Brugg: Grosser Einsatz rentierte sich für manche Beizli-Betreiber nicht – waren Stand-Gebühren zu hoch?

Gut ein halbes Jahr nach dem Stadtfest hat die AZ sieben Beizli nach ihrer Bilanz gefragt. Worte, die einen nachdenklich stimmen, sind in der aktuellen Klubzeitschrift des Ju-Jitsu & Judo Club Brugg zu lesen. In dieser wird zurückgeschaut auf das Stadtfest vom letzten Sommer: «Um 17 Uhr wurde das Fest eröffnet und dann – keine Festbesucher! Von den wenigen Gästen verirrte sich kaum einer zu uns, obwohl wir einen attraktiven Standort zugeteilt bekommen hatten.» Selbst am ersten Abend sei der erhoffte Ansturm in der Mount Fuji Food & Bar ausgeblieben.

Die Judokas reagierten. Sie boten an den nächsten Tagen den Passanten Kostproben an, zimmerten noch Werbetafeln und die Bambus-Hecke rund um die Terrasse wurde ausgelichtet. Daraufhin seien die Umsätze zwar gestiegen, trotzdem sind die Einnahmen über die gesamte Festdauer hinter den Erwartungen geblieben, heisst es. Tatsächlich: «Nachdem alle Rechnungen beglichen und Retouren getätigt waren, wurde aus der vagen Vermutung Gewissheit: Trotz über 1200 Einsatzstunden der Helfer und immenser Arbeitsleistung des OKs musste am Ende die Klubkasse einen Verlust verbuchen», heisst es in der Klubzeitschrift. Die Judokas kritisieren die hohen Gebühren für den Standplatz. Zudem seien die tiefen Besucherzahlen ein massgeblicher Faktor gewesen, «insbesondere im Verhältnis zur hohen Anzahl der Restaurationsbetriebe».

Die schönsten Bilder vom Stadtfest Brugg

Die Finanzen waren nicht das einzige Kriterium

Ähnlich sieht die Bilanz bei anderen grösseren Stadtfestbeizli aus. Es mag überraschen: Selbst die mit dem 1.Preis ausgezeichnete Beiz «Rubik’s Cube» musste letztlich eine negative Bilanz in Kauf nehmen. «Der anspruchsvolle Bau des ‹Rubik’s Cube› hatte seinen Preis, den wir mit dem operativen Ergebnis nicht auffangen konnten», teilt Franz Hollinger, Präsident Handball Brugg, auf Anfrage der AZ mit. «Weil ein Weiterverkauf des Würfels scheiterte, ist unsere finanzielle Bilanz negativ ausgefallen.» Insgesamt blicke der Verein aber positiv auf das Stadtfest 2019 zurück. «Vereinsintern hatten wir viele schöne Stunden und Erlebnisse und konnten den Zusammenhalt steigern», sagt Hollinger. «Wir wollten den Besuchern ein umfassendes Angebot anbieten, was neben enormem Zeitaufwand vor allem auch Helfer und Material erforderte und Kosten zur Folge hatte.» Wahrscheinlich würde man bei einem nächsten Mal das Angebot reduzieren, um so mehr Erfolg mit dem Konzept zu haben. Ebenfalls mit einem – einkalkulierten – finanziellen Negativ-Ergebnis schloss die «Kiste».

Mit einer Null aufgegangen ist es für die Unihockeyaner der Powermäuse Brugg. Allerdings nur, weil sie den Bau – das «Lasso» – weiterverkaufen konnten, wie Nick Baur auf Anfrage mitteilt. «Betonen möchte ich, dass unser Fokus kein kommerzieller war.» Für den Klub sei die Attraktivität des Fests im Vordergrund gestanden, «weshalb wir gemeinsam mit dem Löschwasserbecken ein spezielles Musikprogramm mit einer Band aus Nashville auf die Beine gestellt haben». Das habe einen grossen Teil des Budgets beansprucht. «Um allen Besuchern, auch Familien und Kindern, gerecht zu werden, haben wir an den Wochenenden jeweils auf unrentable Programmpunkte wie Kinderdisco, Globibesuch und den Schwingerbrunch gesetzt», sagt Baur. Des Weiteren habe das «Lasso»-OK auf eine breite finanzielle Sicherheit aus dem Verein zurückgreifen können. Dies habe ein solches Risiko überhaupt erst erlaubt. Gefehlt hat den Powermäusen der Austausch zu den anderen Beizenbetreibern. «So konnte nur sehr schlecht für gewisse Programmpunkte zusammengespannt werden», bedauert Baur. Grösster Kritikpunkt an die Adresse des Stadtfests-OK: Die Kommunikation sei nicht immer einheitlich gewesen. Zudem sei der finanzielle Beitrag im Verhältnis zur Verfügung gestellten Rahmenbedingungen und dem betriebenen Marketing zu hoch ausgefallen.

Dank der Unterstützung der Hauptsponsoren konnte auch die «InFusion» mit einer Null abschliessen. «Mit unseren fantastischen Helferinnen und Helfer und der unglaublichen Küchencrew hatten wir zwei tolle Wochenenden und waren mit Freude Teil des Fests», schreibt Peter Knecht. Er kritisiert einzig die Kosten für die Infrastruktur: «Vor allem die Platzmiete war aus unserer Sicht zu hoch.»

«Der Aufwand ist sehr gross»: Aufbauarbeiten für das Stadtfest Brugg

Gewünscht: Barbetrieb in den Beizli unter der Woche

Ein positives Ergebnis erwirtschaftet hat nebst dem Pavillon Utopia Jungwacht-Blauring Windisch mit der «farbfabrik». «Wir sind sehr zufrieden, da es für uns ein aussergewöhnlicher und cooler Anlass war, an dem wir viele neue Erfahrungen sammeln durften», sagt Manuel Böckli. Verbesserungsvorschläge für ein nächstes Mal haben die Jugendlichen dennoch: Sie wünschen sich ein vereinfachtes Mehrwegbechersystem und mehr Unterstützung für jene Vereine, die ihre Stände selber bauen. Beispielsweise, indem es diesen erlaubt ist, unter der Woche Barbetrieb zu haben. Zudem kritisieren auch sie die Kosten für den Strom und den Standplatz.

Das Stadtfest-OK will sich zurzeit noch nicht äussern zu den Verbesserungsvorschlägen. OK-Präsident Jürg Baur will – sobald das finanzielle Ergebnis des gesamten Stadtfests bekannt ist – an einer Pressekonferenz genauer informieren.