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Sprache ist eine Waffe, vor allem in der Politik. Gegen gefährliche Begriffe braucht es daher ein robustes Abwehrsystem

In der Politik beschreiben Wörter wie «fair», «nachhaltig», «systemrelevant» oder «benachteiligt» nicht nur einen Zustand, sondern auch ein Businessmodell. Deshalb sollte man gegen solche Wörter eine geistige Immunität aufbauen.

Sprache ist vor allem in der Politik eine Waffe.

Sprache ist vor allem in der Politik eine Waffe.

Imago

Die Seuche, beziehungsweise ihre politische Abwicklung, verbietet vieles, was ein gutes Leben ausmacht: das Fest mit den Freunden, den Apéro mit den Kollegen, den Museumsbesuch mit der Familie, die Reisen in die weite Welt. Ein urmenschliches Bedürfnis kann uns aber nicht einmal der Shutdown nehmen: das Kommunizieren. Ja, man könnte sogar meinen, dank den neuen Medien einerseits und dem eingeschränkten öffentlichen Leben anderseits werde in letzter Zeit so viel geschrieben und gesprochen wie nie zuvor, vor allem – aber nicht nur – über das Management von Pandemien.

Fair heisst subventioniert

Claudia Wirz ist freie Journalistin und Autorin.

Claudia Wirz ist freie Journalistin und Autorin.

Was haben wir nicht alles an Thesen, Gegenthesen, Prognosen, Analysen, Ermahnungen, Weisungen oder Empfehlungen gelesen und gehört! Obwohl man über das Virus immer noch vieles gar nicht weiss, droht angesichts dieser kommunikativen Endlosschleife paradoxerweise die Gefahr des Überdrusses und der Überinformiertheit. Kein Wunder, wenn sich da die eine oder der andere nach einfachen, aber klaren Ansagen sehnt.

Im Dunstkreis der Politik gibt es viele Spezialisten für Patentrezepte aller Art, nicht erst seit der Pandemie. Ob es um die Prävention von Hundebissen geht, um die Rettung des Klimas, um bezahlbaren Wohnraum oder um die soziale Gerechtigkeit, die Politik scheint für jedes Problem eine Lösung zu kennen. Ob diese Rezepte auch etwas taugen, ist erst einmal zweitrangig. Hauptsache, man reguliert und profiliert sich damit.

Besonders hilfreich erweisen sich dabei bestimmte Wörter. Wörter wie «fair», «nachhaltig», «systemrelevant» oder «benachteiligt» zum Beispiel. Solche Wörter beschreiben nicht nur einen Zustand, sondern ebenso ein politisches Businessmodell. Weil niemand gerne unfair ist, stösst zum Beispiel der «faire Milchpreis» auf viel Wohlwollen, obwohl der Begriff für nichts anderes steht als für eine Zusatzprämie zugunsten von Bauern, die bereits ohne diesen Zustupf massiv subventioniert sind.

Solange man diese Prämie freiwillig zahlt, gibt es nichts zu mäkeln. Aber auch Zwangsabgaben werden euphemistisch überhöht. Das Wort «nachhaltig» ist ein Lieblingswort der Agrarlobby, weil es wie ein Schmierstoff im Getriebe der Subventionsmaschine wirkt. Im Namen der Nachhaltigkeit fliessen seit Jahrzehnten die Steuermilliarden in den Agrartopf; ins landwirtschaftliche Umweltparadies haben sie uns allerdings nicht geführt, ganz im Gegenteil.

Alle sind systemrelevant

Mit dem Adjektiv «systemrelevant» lassen sich trefflich moderne Legenden zimmern, zum Beispiel jene von den unterbezahlten Pflegefachleuten, um damit angejahrten gewerkschaftlichen Forderungen frischen Schub zu verleihen. Dabei sind in einer arbeitsteiligen Gesellschaft alle systemrelevant, Pflegekräfte genauso wie Lastwagenfahrer, Banker, Monteure oder Forscher. Und wer sich in der Politik vor allem für die einsetzt, die «benachteiligt» sind, hat oft einfach nur den Ausbau des Sozialstaats auf Kosten der Allgemeinheit im Sinn.

Sprache ist tatsächlich eine Waffe. Vor allem in der Politik. Deshalb sollte man sich nicht nur gegen Viren, sondern auch gegen gewisse Wörter ein robustes Abwehrsystem zulegen.

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