Switzerland

Spitäler spüren die zweite Corona-Welle: Testzentren werden überrannt

Aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage werden die Wartezeiten bei den Corona-Testzentren länger. Die Labors können die Testmenge derzeit nur dank Nacht- und Wochenendschichten bewältigen. Für Entlastung sollen nun Apotheken sorgen.

Die Schlangen vor den Testzentren werden länger (Covid-19-Testzentrum des Universitätsspitals Basel am 23. Oktober 2020).

Die Schlangen vor den Testzentren werden länger (Covid-19-Testzentrum des Universitätsspitals Basel am 23. Oktober 2020).

Georgios Kefalas / Keystone

Der junge Basler hatte gerade noch Glück: Am Sonntag, so berichtet er, wollte er am Corona-Zentrum des Universitätsspitals Basel (USB) einen Test machen lassen, weil er mit einer infizierten Person Kontakt gehabt hatte. Als Zweitletzter kam er dran. Alle anderen, die noch in der Schlange gestanden seien, hätten die Mitarbeiter des Spitals wieder nach Hause geschickt: Sie seien zu spät. Befremdlich sei das in der derzeitigen Situation mit hohen Ansteckungszahlen, findet der junge Mann.

Klagen über Wartezeiten von mehreren Stunden oder gar erfolglose Versuche, sich testen zu lassen, häufen sich derzeit. Manche Regionalspitäler sind offensichtlich am Anschlag. Nicht jedoch das USB, wie der Sprecher Nicolas Drechsler betont. Die Zahl der Getesteten habe sich zwar in den letzten zwei Wochen auf 450 pro Tag verdoppelt, aber das Kapazitätsmaximum liege bei 750 Tests. «Wir haben noch Luft.»
Dass rechtzeitig erschienene Testwillige abgewiesen würden, bestreitet Drechsler. «Zu dem Zeitpunkt, an dem das Testzentrum schliesst, sagen wir dem Letzten in der Schlange: Du wirst noch getestet, erst nachher ist Schluss.» Allerdings würden sich die Verantwortlichen des Spitals überlegen, die Öffnungszeiten auszuweiten und am Sonntag nicht bereits um 13 Uhr die Türen zu schliessen. «Nur müssten wir dann anderswo im Spital Fachleute abziehen.»

Drechsler erwartet, dass sich bei einer Verschärfung der epidemiologischen Lage Engpässe zuerst beim Spitalpersonal zeigen, weniger bei den verfügbaren Tests. Die Testabstriche nehmen in Basel zwar vorwiegend Medizinstudenten vor, aber es braucht im Testzentrum auch Ärzte, die sich um schwerkranke Patienten mit oder ohne Covid-19 kümmern können, sowie Pflegefachpersonen. «Müssten wir über längere Zeit das Testmaximum aufrechterhalten, wäre das sehr belastend für das medizinische Personal», sagt Drechsler.

Unterschiede zum Frühjahr

Auch beim Berner Inselspital gibt es Klagen über lange Wartezeiten, wie der «Blick» berichtet. Je nach Wochentag und Tageszeit könne die Wartezeit über zwei Stunden betragen, sagt Sprecher Alex Josty. Zu Wochenbeginn ist die Nachfrage nach Tests jeweils höher. Viele erinnern sich an die erste Welle im Frühjahr, als die Spitäler die Testkapazitäten rasch erhöhten. Jetzt gibt es laut Josty zwei wichtige Unterschiede. Im Frühjahr seien die Leute aus Angst vor einer Ansteckung weniger zahlreich zum Testen ins Spital gekommen. Zudem hätten die Spitäler mehr Personal für Corona freispielen können, weil Wahleingriffe nicht mehr erlaubt waren. Jetzt treffe eine zweite, heftigere Welle auf einen normal funktionierenden Spitalalltag.

Beim Zürcher Stadtspital Triemli heisst es, es gebe derzeit keine Schlangen vor dem Testzentrum. Das hat vor allem damit zu tun, dass man sich online anmelden muss und dabei einen Termin aussuchen kann. So soll es zu keinen grossen Wartezeiten kommen. Allerdings schaut in die Röhre, wer schnell Gewissheit über eine mögliche Ansteckung haben will: Am Montagnachmittag waren die frühesten verfügbaren Termine am Mittwochnachmittag.

«Das Interesse an Covid-Tests ist seit mehreren Wochen sehr gross», sagt Andreas Zollinger, der medizinische Direktor des Stadtspitals Waid und Triemli. Das Triemli habe bereits im September aus Eigeninitiative die Testkapazitäten massiv hochgefahren, diese liegen derzeit bei 300 am Tag. Ein weiterer Ausbau am Triemli ist nicht geplant, dafür hat die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli am Freitag angekündigt, dass es in Zürich und in Winterthur neue Testeinrichtungen geben soll. Das bisherige Testcenter am Triemli ist laut Zollinger in allen Belangen für das heute erreichte Maximum ausgelegt – räumlich, personell, administrativ, aber auch in Bezug auf die Laborkapazitäten. «Die gesamte Kette muss klaglos funktionieren», betont der Arzt.

Lage bei Labors kritisch

Zu dieser «Kette» gehören auch die rund 80 Labors, welche die Tests auswerten. Hier könnte es ebenfalls zu Engpässen kommen. Dank Nacht- und Wochenendschichten hätten die Labors vergangene Woche die stark gestiegene Menge an Tests zwar bewältigen können, sagt César Metzger vom Labor Spiez. Diese Woche hingegen sei die Lage kritisch. Metzger ist zuständig für die schweizweite Beobachtung der Lage in den Labors. Bei Bedarf organisiert er in Absprache mit dem Bundesamt für Gesundheit die Zuteilung des Materials, das für Corona-Tests benötigt wird.

Die grösste Herausforderung – neben dem Nachschub an Material - sei das Personal. Voraussichtlich am Mittwoch wird sich auch der Bundesrat mit diesem Thema beschäftigen. Ohne Überstunden verfügen die Labors über eine Testkapazität von 25 000 pro Tag. Laut Metzger könnte diese Kapazität auf schätzungsweise 38 000 Tests pro Tag erhöht werden. Dies bedinge allerdings mehr Personal und eine stabile Versorgung mit Testmaterial. Die Labors verfügen über gewisse Reserven. Diese Zahlen darf der Bund mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis jedoch nicht publizieren.

Hoffen auf Schnelltests

Die Kantone behandeln das Thema Testen prioritär, wie Michael Jordi, Generalsekretär der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) versichert. In verschiedenen Kantonen seien in diesen Tagen neue Testzentren aufgebaut oder ausgebaut worden. Trotzdem kommt es regional differenziert an einigen Orten zu Wartezeiten und Engpässen, je nach Testorganisation und Ansteckungsbelastung, wie Jordi einräumt.

Bei den sich abzeichnenden Personalengpässen beim Testen wäre es eine Option, Unterstützung durch die Armee anzufordern. Bisher sei aber kein solches Gesuch gestellt worden, sagt Jordi. Stattdessen setzen die Gesundheitsdirektoren die Hoffnungen in die Antigen-Schnelltests. «Wir möchten sie möglichst rasch in das Testsystem integrieren», so Jordi. Das könnte entscheidend zur Entlastung beitragen. Der Bundesrat werde die Schnelltest sehr bald zulassen, sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Montag bei einem Medienauftritt in Lausanne.

Bald 1500 Corona-Tests pro Tag in Zürcher Apotheken

Für Entlastung der grossen Coronazentren sollen zudem vermehrt die Apotheken sorgen. Im Kanton Zürich bieten in einem Pilotprojekt vier Apotheken Tests an – und werden überrannt. «Wir können am Tag 20 bis 25 Personen testen und haben bis nächsten Samstag keine Kapazitäten mehr», sagt Lorenz Schmid, Inhaber der Apotheke am Paradeplatz, Präsident des Zürcher Apothekerverbands und CVP-Kantonsrat.

Doch der Beitrag der Apotheken wird bald deutlich grösser sein: Am Wochenende und Anfangs nächster Woche sollen am Careum in Zürich Ausbildungen von bis zu 36 Apothekerinnen und Apothekern pro Tag stattfinden, damit diese künftig die Tests vornehmen können. Laut Schmid sind mehrere Dutzend Apotheken im Kanton interessiert, rasch Coronatests anzubieten. «Das ergibt dann Kapazitäten von 1000 bis 1500 Tests am Tag, ein relevanter Beitrag.»

Die Apotheken müssten nicht nur geschultes Personal bereitstellen, sondern durch getrennte Räumlichkeiten auch die Sicherheit der anderen Kunden garantieren können, sagt Schmid. Nur Apotheken, die das gewährleisten würden, erhielten eine Bewilligung der Gesundheitsdirektion. «Es besteht für unsere Kunden also kein Grund zur Sorge.»

Auch in Schaffhausen bieten derzeit drei Apotheken herkömmliche Corona-Tests an. Dem Branchenverband Pharmasuisse sind keine ähnlichen Pläne in weiteren Kantonen bekannt. Dafür sollen Apotheken eine zentrale Rolle spielen, sobald die Schnelltests verfügbar werden. «Die Durchführung von Corona-Schnelltests in Apotheken wäre eine Möglichkeit, die Testkapazitäten auszuweiten und Spitäler, Arztpraxen und Testcenter zu entlasten», sagt Pharmasuisse-Sprecherin Rahel Rohrer. Die praktische Zugänglichkeit, die langen Öffnungszeiten und die unkomplizierte Art der Durchführung sprächen für die Apotheken.

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