Switzerland

Sonova kauft Sennheisers Kopfhörersparte und zielt auf jüngere Kunden

Der Hörgerätehersteller Sonova steigt in das Geschäft mit Kopfhörern ein. Er übernimmt für 600 Millionen Euro die Konsumelektroniksparte des deutschen Audiospezialisten Sennheiser.

Sonova übernimmt die Kopfhörersparte von Sennheiser.

Sonova übernimmt die Kopfhörersparte von Sennheiser.

PD

Der Hörgerätehersteller Sonova erweitert seine Geschäftsbereiche: Zu den bisherigen Sparten Hörgeräte, Audiological Care (Detailhandel sowie Beratung und Service) sowie Cochlea-Implantate kommen neu Kopfhörer und Raumklang-«Soundbars» von Sennheiser dazu. Wie die Unternehmen am Freitag mitteilten, erwirbt Sonova für 200 Mio. € die Consumer-Sparte des deutschen Audiospezialisten. Finanziert wird die Übernahme aus eigenen Mitteln. Wenn die Regulierungsbehörden keine Einwände erheben, soll sie im zweiten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden.

Das niedersächsische Familienunternehmen Sennheiser, Weltmarktführer zahlreicher Audio- und Mikrofonprodukte im High-End-Bereich, plante während Monaten eine Aufspaltung. Es will sich stärker auf Mikrofone und professionelle Studiotechnik konzentrieren. Bereits früher wurde das Geschäft mit Gaming-Headsets an den dänischen Sonova-Konkurrenten Demant veräussert. Die grössere Consumer-Sparte schrieb Sennheiser im vergangenen Februar zum Verkauf aus.

Sonova ergreift Wachstumschance

Den Zuschlag hat Sonova erhalten: Die hauptsächlich Kopfhörer und Soundbars herstellende Sennheiser-Sparte, passe zur Sonova-Strategie, Innovationen im Bereich der Hörerlebnisse voranzutreiben und Menschen auf ihrem Weg zu gutem Hören zu begleiten, schreibt das Unternehmen in der Mitteilung. Durch die Übernahme werde Sonova das Produktportfolio ausbauen und Wachstumschancen nutzen – vor allem im schnell wachsenden Markt der kabellosen Kopfhörer und im aufstrebenden Segment der sprachoptimierten Hearables (Ohrhörer mit vielfältigen Zusatzfunktionen). Der Zukauf soll aber auch das Vertriebsnetz und die Kundenbasis erweitern.

Der von Sonova erworbene Sennheiser-Bereich erzielt mit rund 600 Mitarbeitenden einen Jahresumsatz von rund 250 Mio. €. Er hat indessen im vergangenen Jahr Marktanteile gegenüber Konkurrenten wie Sony oder Beats (Apple) verloren.

Der Verkauf dürfte auch mit der schwierigen Lage des 1945 von Fritz Sennheiser gegründeten Unternehmens zusammenhängen. Die Corona-Krise macht der Firma schwer zu schaffen. Weil praktisch die gesamte Veranstaltungs- und Musikindustrie lahmgelegt wurde, kam es zu starken Einbussen im Geschäft mit Mikrofonen. Weil der Verkauf in stationären Geschäften fast nicht mehr möglich war, ging auch der Verkauf von Kopfhörern zurück. Sennheiser kündigte deswegen schon im vergangenen Juli an, bis Ende 2022 rund 650 Stellen von insgesamt 2800 zu streichen.

Sennheiser-Sparte bleibt autonom

Sonova will die Sennheiser-Sparte komplett und als eigenständigen Bereich übernehmen. «Wir wollen die Mannschaft zusammenhalten und den Standort erhalten, weil dort die Expertise ist», sagte der Sonova-Chef Arnd Kaldowski gegenüber Nachrichtenagenturen. Die Geräte würden unter der bisherigen Marke weitervertrieben. Hörgeräte unter der Marke Sennheiser seien nicht geplant. «Es ist wichtig, dass die Marken getrennt bleiben. Wer einen Hörverlust hat, sucht ein medizinisches Gerät und geht zum Audiologen», sagt Kaldowski. Kopfhörer kaufe man sich selbst.

Synergien sollen allerdings genutzt werden. So werde Sonova Technologie aus dem Hörgerätebereich beisteuern: Beispielsweise könne die Batterieladung der im Ohr getragenen, kleinen Kopfhörer (Earbuds) verbessert werden. Sonova könne auch mit Technik aushelfen, damit Umgebungsgeräusche noch effizienter ausgefiltert würden und Gesprächspartner besser zu verstehen seien, ohne dass man die Geräte aus den Ohren nehmen müsse.

Letztlich erhofft sich Sonova aber durch Sennheiser eine grundsätzlich bessere Akzeptanz von Hörgeräten. Viele Menschen würden dank den kabellosen Kopfhörern langsam an Hörgeräte herangeführt. «Die Verbindung mit Sennheiser erleichtert den Übergang zu Sonova-Hörhilfen», erklärte Kaldowski. Während Sonova bis anhin vor allem Menschen mit altersbedingtem Hörverlust anspreche, hoffe man, dank Sennheiser auch jüngere Kunden zu erreichen, die Kopfhörer zum Musikhören und Telefonieren nutzten.

Auch Sennheiser zeigt sich zufrieden: «Wir hätten uns keinen besseren Partner als Sonova wünschen können», sagte der Co-Chef von Sennheiser, Daniel Sennheiser, laut der Medienmitteilung. Er und sein Bruder Andreas seien überzeugt, dass Sonova die Sennheiser-Consumer-Sparte langfristig stärken und die grossen Wachstumschancen ausschöpfen werde. Auf die Frage von Journalisten, ob man sich mit Kopfhörern nicht spätere Kundschaft mit Hörschäden schaffen wolle, meinte der Co-Chef Andreas Sennheiser, die eigenen Modelle lieferten auch präzise leise Klänge: «Jedes Detail muss schon bei geringeren Lautstärken gehört werden können.»

Das ganze Sennheiser-Unternehmen kam im Geschäftsjahr 2019 auf einen Umsatz von 757 Mio. €. Die Geschäftszahlen für 2020 werden erst im Juni publiziert. Sonova ist mit über 14 000 Angestellten, einem Jahresumsatz von 2,92 Mrd. (2019/20) und einem Reingewinn von 490 Mio. Fr. deutlich grösser. An der Börse kam der Schritt gut an. Die Sonova-Aktie legte am Freitag um 1,9% zu.

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