Switzerland

SonntagBlick besteigt mit Beatrice Egli den Mythen: «So langsam bin ich noch nie gewandert»

Dienstagmorgen, halb sieben. Eine milde Brise weht, und die Sonne bahnt sich hinter den Felsen den Weg nach oben. Wir befinden uns am Fuss des Grossen Mythen in Alpthal SZ. Unsere Begleitung ist Beatrice Egli (32) – sie nimmt uns mit auf ihren Hausberg. «Normalerweise wäre ich um diese Uhrzeit schon oben», sagt der Schlagerstar und lacht. «Und mit dem Bähnli fahre ich sonst auch nicht. Aber heute machen wir eine Ausnahme.»

Sie sei zwar auch keine Frühaufsteherin, so Egli. «Doch beim Wandern muss das sein. Morgens sind noch wenige Leute unterwegs, es ist angenehm frisch, und die Berge wirken noch ruhiger als sonst.»

Wanderung liegt nah und fordert – ideal für die Schwyzerin

Bei der Bergstation Holzegg beginnt der 2,7 Kilometer lange und 446 Höhenmeter steile Weg. «Für den Auf- und Abstieg rechne ich an die zweieinhalb Stunden», sagt die in Pfäffikon SZ wohnhafte Sängerin. «Der Mythen ist die ideale Wanderung für mich. Sie ist kurz, fordert aber extrem. Und um neun Uhr sitze ich dann meist schon wieder am Schreibtisch und arbeite.»

Üblicherweise wandere sie allein, mit ihrem Bruder Marcel (30) oder gemeinsam mit Freunden. «Wir haben eine eigene Mythen-Whatsapp-Gruppe», erzählt die Single-Frau. «Dann kommt mit, wer gerade Lust hat. Und da einige meiner Freunde auf den Ironman hin trainieren, ist das eine willkommene Trainingsstrecke.»

Geniessen statt Hetzen

Ihr Bruder schaffe die ganze Strecke in unter einer Stunde. Deshalb breche sie rund 30 Minuten vor ihren «Jungs» auf, damit sie nicht hetzen muss. «Wenn man unten zu schnell Gas gibt, kommt man oben ins Straucheln», meint Egli. Und fügt mit einem Schmunzeln an: «Ähnlich wie bei einer Musikkarriere.»

Bei der Wanderung sieht Egli starke Parallelen zu ihrer Laufbahn. «Lange Zeit dachte ich nur ans Ziel, ohne den Weg zu geniessen. Dabei verpasst man schöne Etappenziele, ohne die man vielleicht gar nie oben angekommen wäre.» Seitdem sie nach ihrer Tournee 2018 knapp einem Burn-out entgangen ist, versuche sie aber, mehr im Moment zu leben und nicht von Termin zu Termin zu hetzen. «Das klappt mal mehr, mal weniger. Ich bin mir aber der Wichtigkeit bewusster als früher.»

Samstag Österreich, Sonntag Deutschland, Dienstag Mythen

Während des Marschs auf das 1898 Meter hohe Schwyzer Wahrzeichen stoppt eine Familie beim Abstieg vor unserer Gruppe – mit einer Bitte. «Frau Egli, dörfed mir ächt es Foti mit Ihne mache?» Die Söhne Simon (10) und Pirmin (11) seien grosse Fans, erklärt Mama Diana Annen (41). «Auf dem Gipfel oben hat man uns schon gesagt, dass Sie unterwegs seien. Es hat sich rumgesprochen», meint Vater Peter (40).

Familie Annen aus Rothenthurm SZ verfolgt Eglis Karriere schon länger. Und ist auch beim aktuellen Geschehen dabei: «Jetzt war sie am Samstag in Österreich, am Sonntag in Deutschland, und heute treffen wir sie auf dem Mythen. Das hätten wir auch nicht gedacht», sagt Mama Annen. «Sie gibt sich, wie sie ist. Und das schätzen wir an ihr», schwärmt sie weiter, bevor sie das gewünschte Foto schiesst – in sicherer Corona-Distanz.

Sie ist gerne einfach nur Beatrice

«Wenn ich allein oder mit Freunden unterwegs bin, erkennen mich die Leute weniger», sagt Egli. Und obwohl sie gerne für jedes Foto mit den Fans posiert, schätzt sie es auch, nicht der grosse Schweizer Schlagerstar, sondern einfach nur Beatrice zu sein. «Das ist ein schönes Gefühl. Ich brauche nicht nur Trubel.»

47 Spitzkehren macht man auf dem Weg zum Gipfel, bei der 29. gibts auf einem Steinbänkli die Möglichkeit zur Rast. «Die ist mir noch nie aufgefallen», meint Egli. «Sonst laufe ich in einem Zug hinauf.» Eine Technik, die auch Armin Schelbert (76) aus Hinwil ZH draufhat. Ihm begegnen wir im letzten Drittel des Aufstiegs. «Er ist eine richtige Legende», erzählt Egli, «ihn hier nicht zu treffen, ist fast unmöglich.»

Rekordhalter lief über 5300 Mal auf den Gipfel

«Ich bin gerade zum 5302. Mal auf den Berg gelaufen», präzisiert der Rekordhalter der Mythen-Besteigungen. «Der Mythen zu besteigen, ist seit 20 Jahren mein Hobby, drei Besteigungen nehme ich mir pro Tag vor.» Festgehalten wird das in einem Buch in der Hütte auf dem Gipfel. Dort darf am Stammtisch nämlich nur Platz nehmen, wer während eines Jahres mindestens 100 Mal den Mythen erklommen hat. «Immer, wenn ich ihn sehe, überholt er mich, und ich frage mich, wieso ich so keuche, während er in seinem stolzen Alter wie ein junges Reh raufläuft», meint Egli. Sicher ist: Beim Abstieg werden wir Schelbert wiedersehen.

Ganz so oft wie die Mythen-Legende war Egli noch nicht auf dem Berg. An ihren ersten Aufstieg könne sie sich nicht richtig erinnern. «Ich war noch klein, und meine Eltern haben mich teilweise auf den Schultern hochgetragen. Das habe ich natürlich genossen!» Erst sei sie als Kind frustriert gewesen, weil sie ihre zwei älteren Brüder ständig abgehängt hätten. Doch schon als Jugendliche entflammte ihre Bergliebe bei regelmässigen Wanderungen mit ihren Cousinen wieder. «Und dann hatte ich irgendwann wegen meiner Karriere keine Zeit mehr dafür.»

Ruhe während schwieriger Corona-Zeit

Zeit, die sich die Schwyzerin heute nimmt. «Durch die Pandemie habe ich weniger Termine», sagt sie. «Es ist eine extrem schwierige Zeit für Künstler. Konzerte finden nur wenige statt, es kommt alles nur schleppend in die Gänge.» Deshalb versuche sie, die Ruhe im Wandern zu finden. «Ich brauche den Sport, um die schwierigen Momente zu bewältigen, meinen Kopf zu lüften und neue Energie zu tanken. Und das heute mehr denn je.»

Wanderferien hat Egli in diesem Jahr keine geplant. «Höchstens im Herbst. Dann ist es kühler, und ich muss weniger früh aufstehen, das ist das Schöne.» Den Hype um die Berge kennt die gelernte Coiffeuse schon lange. «Ich fand das immer komisch, wenn mir Freundinnen sagten, Wandern habe während dem Corona-Lockdown extrem an Popularität gewonnen. Für mich war das nämlich schon immer populär, genauso wie Schlager.»

Stolz auf ihre Heimat

«Noch 30 Meter bis zum legendären Mythen», kündigt ein Schild mit Bildern der (auch) legendären Mandel- und Nussgipfel an. «Dieses Jahr bin ich viele Male hochgelaufen, mittlerweile kennt man mich hier», erklärt Egli. «Ein schönes Gefühl, so heimelig.» Und beim Ausblick wird rasch klar, was die Sängerin an ihrem Hausberg so fasziniert: Der Vierwaldstätter- und Urnersee, die Rigi, der Lauerzersee, der Kleine Mythen und der Blick auf die Glarner und Berner Alpen bringen Eglis Augen jedes Mal zum Leuchten.

«Während wir alle wegen dem Lockdown zu Hause waren, ist mir aufs Neue bewusst geworden, in welch wunderschöner Umgebung wir leben dürfen.» Ein Gefühl, das Egli auch in ihrem am 14. August 2020 erscheinenden Album «Mini Schwiiz, mini Heimat» verewigt hat. «Unser Land ist so vielfältig und hat unzählige wunderschöne Ecken – ob im Tessin, am Genfersee oder hier.»

Auf dem Gipfel weht eine grosse Schweizer Flagge, Egli atmet die frische Luft ein und schliesst die Augen. «Egal, wie lange und weit ich unterwegs bin: Die Schweiz ist das einzige Land, das bei mir Heimweh auslöst. Und das wird immer so bleiben.»

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