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Sonnenliebe, kleine Fenster und ein Hitler-Vergleich: Die 6 wichtigen Szenen der Debatte

Sonnenliebe, kleine Fenster und ein Hitler-Vergleich: Die 6 wichtigen Szenen der Debatte

Es waren 90 zivilisierte Minuten. Donald Trump und Joe Biden schenkten sich jedoch trotz gepflegtem Anstand nichts. Wir zeigen die sechs wichtigsten Szenen.

Ganz Amerika schaute am Donnerstagabend zur Primetime die zweite und letzte Debatte, in der sich die beiden US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Joe Biden duellierten. Das rund 90 Minuten lange Streitgespräch wurde auf nahezu allen Fernsehsendern ausgestrahlt und zeigte auf, dass die beiden Politiker durchaus zivilisiert miteinander vor laufender Kamera diskutieren konnten.

Dafür sorgte einerseits die NBC-Journalistin Kristen Welker, die von Trump bereits vor der Debatte der Parteilichkeit beschuldigt wurde. Anderseits spielte auch die neue Debattenregel eine grosse Rolle, wonach die Mikrofone der beiden Kandidaten teilweise ausgeschaltet wurden, um unnötige Unterbrechungen und Zwischenrufe zu verhindern.

Die Themen waren vor der Sendung klar. Die beiden Kandidaten hätten sich vor allem zu folgenden Themen äussern sollen:

Letzteres ging ein wenig unter, dafür kam die ausländische Wahlbeeinflussung stärker zur Sprache – auch weil Trumps Lager in den Stunden und Tagen zuvor auffällig fest die angeblichen Verwicklungen von Bidens Sohn Hunter auf die politische Agenda pushen wollte. Der Plan ging nicht ganz auf, trotz Trumps Versuche, die Debatte auf den Namen Hunter Biden zu lenken.

Trumps und Bidens Stil

Auffällig war: Die beiden Politiker liessen sich ausreden. Wir erinnern uns an die erste Debatte, als Trump seinem Kontrahenten Biden immer wieder ins Wort gefallen war und es zeitweise ein wildes Durcheinander gab. Umfragen nach der ersten Debatte zeigten den beiden Kandidaten auf, dass das alles andere als gut beim Wahlvolk ankam. Sie mässigten sich.

Trumps stärkste Waffe, die er auch genüsslich ausschlachtete, war Bidens politische Karriere. Immer wieder, als der Demokrat seine Pläne zu diesem oder jenem Thema präsentierte, fragte Trump: «Wieso hast du das nicht vor Jahren umgesetzt?» Es war ein rhetorisch starker Angriff, auf den Biden nicht zu antworten wusste.

Bidens stärkste Floskel, die er immer wieder äusserte, war sein «Come on!». Es waren zwei Worte, mit denen er Trumps Aussagen als lächerlich darstellen wollte. So etwa, als es um den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un ging. Aber dazu später – hier schon mal ein Vorgeschmack.

Das Coronavirus und Joe Bidens Keller

Das erste und wohl wichtigste Thema der zweiten Debatte war die Corona-Krise. US-Präsident Donald Trump überraschte zu Duellbeginn gleich mit zwei Aussagen. Einerseits habe er die «volle Verantwortung», die er später aber China in die Schuhe schieben wollte. Andererseits versprach er einen raschen Impfstoff. Auf Nachfrage der Moderatorin Welker betonte er, dass das Militär diesen rasch landesweit verteilen könnte. «Die Generäle stehen bereit», so Trump.

Biden drehte in seiner Analyse die Zeit zurück und erinnerte daran, dass Trump bereits im Januar von der «Gefährlichkeit» des Virus gewusst habe. «Er sagte zuerst, dass es bis Ostern vorübergehen werde» – nun drohe dem Land aber ein «dunkler Winter», so Biden.

Der Streit drehte sich so dann um die Frage, ob es einen erneuten Shutdown brauche. Trump lehnte das ab und beschuldigte Biden und seine Demokraten, das Land durch weitere Shutdowns in eine weitere Krise stürzen zu wollen.

Sein schlagfertiger Konter an die Adresse von Biden: «Wir können uns nicht in einem Keller einschliessen, wie es Joe tat.» (Er spielte auf die Tatsache an, dass Biden während der Krise einige Interviews von seinem Keller aus gab.) «Er hat die Möglichkeit, sich selbst einzuschliessen … ich weiss nicht, offenbar hat er irgendwo viel Geld gemacht.»

Aussenpolitik: China-Geld und ein Hitler-Vergleich wegen Kim

Trumps Spruch «Irgendwo hat er viel Geld gemacht» war eine Anspielung auf die Geschäfte Hunter Bidens (bei denen laut Trump-Lager auch Joe Biden selbst involviert war). Diese Auslandsgeschäfterei war das zweite grosse Debattenthema, von der Moderatorin vorsichtig angekündigt als Diskussion zur ausländischen Wahlbeeinflussung.

Trump griff Biden direkt an und behauptete, dieser habe grössere Geldsummen von Russland und Co. erhalten. Biden widersprach: «Ich habe keinen einzigen Penny von irgendeiner ausländischen Quelle erhalten.»

Biden drehte den Spiess um und warf seiner Gegenseite vor, selbst Cash von China erhalten zu haben. «Warum redet er jetzt von mir?», fragte er rhetorisch um einen argumentatorischen Treffer zu landen: «Ich habe die Steuererklärungen aller 22 Jahren veröffentlicht – Trump nicht. Was versteckst du?» Der US-Präsident kündigte darauf hin (wieder einmal) an, die Steuerdaten zu veröffentlichen, «as soon as the audit» – sobald die Überprüfung – vollzogen ist.

Dann kam Nordkorea zur Sprache. Trump stellte sich zunächst als Opfer dar – Obama habe ihn zwar auf die Gefahr aus Pjöngjang hingewiesen, er habe ihm aber ein Durcheinander hinterlassen. Ohne seine Politik des Dialogs wären bei einem Krieg «Millionen Menschen» gestorben – jetzt hätten die beiden Länder ein «sehr gutes Verhältnis».

Biden lieferte dazu einen schwer verständlichen Hitler-Vergleich: «Und wir hatten ein gutes Verhältnis zu Hitler, bevor er in Europa einfiel.» Offenbar wollte er damit auf Trumps «weiche» Zusammenarbeit mit autoritären Herrschern hinweisen. Drüben bei Fox News spricht man bereits von einem «schockierenden Vergleich».

Ethnische Spannungen: Trump will kein Rassist sein

Einigermassen gesittet zu und her gings auch beim dritten Themenblock: Dem Rassismus und den ethnischen Spannungen. NBC-Journalistin Kristen Welker eröffnete die Debatte dazu mit einem Begriff, der bei der nicht-schwarzen Bevölkerung eher unbekannt ist. Sie sprach von «The Talk», worunter Schwarze die Belehrungen ihrer Eltern verstehen, dass sie sich wegen ihrer Hautfarbe stets anders verhalten müssten als Weisse.

Es war ein starker Auftritt der Moderation, weil die Rassismus-Thematik so in einen ernsthaften Rahmen gelenkt wurde. Biden durfte dazu als Erster sprechen und gab ein weiteres Beispiel für «The Talk»: Schwarze Kinder würden gelehrt werden, die Strasse nicht im Hoodie zu überqueren und bei einer polizeilichen Kontrolle stets «Yes, Sir. No, Sir.» zu sagen. Mit der Empathie versuche Biden frühere politische Entscheidungen aus dem Jahr 1994 wett zu machen, mit der Polizeiarbeit in Richtung «Law and Order» verschärft wurde.

Trump wusste das und erinnerte das Publikum an Bidens frühere politische Arbeit. Einmal mehr fragte er ihn, wieso er all die heute geforderten Verbesserungen nicht schon damals eingeführt habe. Trumps Fazit: Seine eigene Politik habe viel mehr für Afroamerikanerinnen und Schwarze getan wie kein anderer Präsident vor ihm (mit Ausnahme von «vielleicht Abraham Lincoln»). Und dann kam der Spruch, der in den Sozialen Netzwerken wenig überraschend lachend und schockiert kommentiert wurde: «Ich bin die am wenigsten rassistische Person in diesem Raum.»

Biden lieferte den Faktencheck selbst und erinnerte daran, dass Trump Muslimen zeitweise nur ihrer Religion wegen die Einreise verboten hatte, Mexikaner pauschal als Vergewaltiger beschimpfte und zu gewalttätigen Rassisten lobende Worte wie «Stand down, stand by» sagte.

Klimakrise: Fordert jemand ein Fensterverbot?

Die Meinungsunterschiede wurden auch beim letzten Thema deutlich. Es ging um die Klimakrise, die Klimaautonomie und kleine Fenster.

Trump gab den Energieexperten: «Ich weiss mehr über Wind als Sie.» Windenergie sei extrem teuer, töte alle Vögel und hätte in der Herstellung eine grössere CO2-Emmission als Erdgas. (Die Windrad-Vögel-Debatte gibt's übrigens auch in der Schweiz.) Und die Sonne, die würde er lieben, sie habe es aber «noch nicht ganz drauf». Sprich: Sonnenenergie würde nicht das liefern, um «unsere grossen, schönen Fabriken» den Strom zu liefern, den sie benötigen.

Da kamen auch die ominösen kleinen Fenster zur Sprache. Er sprach von politischen Plänen, wonach schöne Fenster zu kleinen Fenstern gemacht werden sollten. Als Baumogul wisse er, wie er da Geld verdienen könne: «Lasst mich euer Fenster rausnehmen und winzig kleine Fenster rein machen, weil man so zwei Cent an Strom spart.» Social Media reagierte mit Schmunzeln. Doch worum ging's? Trump wollte damit die angebliche Absurdität des «Green New Deal» darstellen, mit denen seine Gegner Umweltpolitik machen würden. Stimmt nicht soooo ganz, schreibt das US-Portal Curbed.

Und Biden? Der schmunzelte auch, redete aber auch ein bisschen über seine eigenen Pläne. Er sprach von Arbeitsplätzen, die er mit Technologien für Energieeffizienz und Klimaschutz schaffen wolle. Nützen wird's wohl nicht viel – New Yorks Strassen unter dem Hotel des watson-Reporters waren trotz Corona-Krise total überfüllt.

Und was ist mit dem Leadership?

Am Ende war dann noch eine letzte Frage. Moderatorin Kristen Welker wollte von den beiden Herren wissen, was sie jenen Menschen bei einer möglichen Amtsantrittsrede sagen würden, die für den Gegenkandidaten gestimmt haben.

Trump verstand die Aufgabenstellung nicht ganz und nutzte die Gelegenheit des letzten Wortes für eine weitere Biden-Attacke: «Ich senke die Steuern, und Biden will die Steuern für alle erhöhen, und er will für alles neue Vorschriften erlassen.» Biden werde die Wirtschaft «töten» und es werde eine Depression geben, wie man sie noch nie erlebt habe.

Biden wählte traditionellere Worte: «Ich bin ein amerikanischer Präsident. Ich repräsentiere euch alle, egal, ob ihr für mich oder gegen mich gestimmt hat.» Biden schwenkte dann doch um und verlor noch paar letzte, allgemeine Worte: Bei der Wahl gehe es auch um den «Charakter dieses Landes», nämlich um «Anstand, Ehre, Respekt, Menschen mit Würde zu behandeln und dafür zu sorgen, dass alle die gleichen Chance haben». Er werde dafür sorgen, dass das Volk das nach vier Jahren wieder bekommt.

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