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Sommertipp: Endlich wieder ein Musical auf der Thuner Freiluftbühne

SommertippEndlich wieder ein Musical auf der Thuner Freiluftbühne

Nach zwei Jahren Pause kehren die Thunerseespiele mit dem Mundartstück «Io senza te» zurück. Ein Genuss für Musicalfans vor einmaliger Naturkulisse.

Vor einmaliger Kulisse: Die Thuner Freiluftbühne mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau.

Vor einmaliger Kulisse: Die Thuner Freiluftbühne mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau.

Foto: Martin Mägli

Die Konkurrenz ist hart, um nicht zu sagen: übermächtig. An normalen Tagen ziehen sie alle Blicke auf sich, für einmal sollen Eiger, Mönch und Jungfrau jedoch im Hintergrund bleiben. «Gegen die Naturkulisse muss man erst mal ankommen», sagt Markus Dinhobl augenzwinkernd. Der ausführende Produzent der Thunerseespiele weiss um die Besonderheit des Panoramas – mit dem imposantesten Dreigestirn der Schweiz als Kulisse werden auf der vielleicht schönsten Seebühne Europas seit 19 Jahren Musicals aufgeführt.

«Der Zauber der Thunerseespiele liegt sicher darin, dass wir unser Publikum in dieser fantastischen Landschaft mit einer packenden Geschichte, mit Tanz, Gesang und kulinarischem Rahmen jedes Jahr in eine neue Welt entführen.»

Die vergangenen 24 Monate stand die Musicalwelt jedoch still. Pandemiebedingt mussten die Aufführungen verschoben werden, bekanntlich sind aller guten Dinge jedoch drei: «Ich freue mich umso mehr, dass wir das Stück ‹Io senza te›, das für die Saison 2020 angesetzt war, im dritten Anlauf endlich zeigen können», so Dinhobl.

Eine Seebühne für das Musical

Nach der Premiere 2015 in Zürich wird das Musical erstmals open air präsentiert. Unter freiem Himmel auf der Seebühne beim Lachenareal, die jeden Sommer eigens für die Seespiele aufgebaut wird. Über dem azurblauen Wasser, wo Kitesurfer, Stand-up-Paddler und Segler zum kostenlosen Rahmenprogramm gehören.

«Unser Autoren- und Regieteam hat die Geschichte sanft an den Spielort Thun angepasst. So werden manche Szenen weniger mit dem Finanzplatz Zürich zu tun haben, stattdessen sieht man vielleicht mal Soldaten vom bekannten Waffenplatz Thun oder Studierende der hiesigen Hotelfachschule auf der Bühne.»

Nun ist der Waffenplatz nicht unbedingt Thuns Sehenswürdigkeit Nummer eins, es lohnt sich aber durchaus, ein paar Stunden vor Spielbeginn in das «Tor zum Berner Oberland» anzureisen, in den Gassen der Altstadt zu lädelen, über die charmanten Hochtrottoirs zu schlendern, einen Apéro an der Aare einzunehmen oder die Stufen hinauf aufs Schloss Thun zu stiefeln.

Von der Burganlage, die zu den eindrucksvollsten der Schweiz zählt, öffnet sich der Blick weit über die Stadt und das Wasser. Die Bühne auf dem See ist ab Mitte Juli der Ort, wo Jean-Rémy, Besitzer der Bahamas-Bar, seine Ehe mit Lilly retten will – in der kriselt es nach 20 Jahren nämlich gewaltig.

Im Musical «Io senza te» versucht Jean-Rémy gemeinsam mit Barmann Gio, das Herz seiner Ehefrau wieder zu erobern. Gio, selbst Musiker, Sängerin Ky und WG-Kumpel Dieter beschliessen, Lillys Lieblingssong live zu performen – mit ungeahnten Folgen. Nicht nur werden in Lilly alte Auswandererträume geweckt, es entspinnt sich auch die Frage, ob Musik wirklich zum Beruf werden kann. Lassen sich Selbstverwirklichung und Kommerz in Einklang bringen? Autoren sind Domenico Blass und Stefan Huber, der auch Regie führt.

 Erinnerungen an Peter, Sue & Marc

Die Lieder stammen von Peter, Sue & Marc aus den 70er-Jahren, Peter Reber hatte die Hits gemeinsam mit Rolf Zuckowski komponiert.

Bewährtes Musical-Trio (von links): Jörg Neubauer, Anja Haeseli und Ritschi.

Bewährtes Musical-Trio (von links): Jörg Neubauer, Anja Haeseli und Ritschi.

Foto: Kurt Reichenbach

Mit den Hauptdarstellenden Anja Haeseli, Jörg Neubauer und Ritschi setzt man auf ein bewährtes Musical-Trio. «Seit Jahren besuche ich die Premieren der Thunerseespiele. Es ist mir eine Ehre, nächsten Sommer hier – in meiner Heimat – zum ersten Mal auf der Bühne stehen zu dürfen», sagt Sänger Ritschi.

Es ist die vierte Mundartproduktion in der Geschichte der Thunerseespiele. «Dem Schweizer Publikum geht einfach viel schneller das Herz auf, wenn ein Stück auf Schweizerdeutsch gespielt wird. Das kann man immer sehr gut am Tribünenrand während der laufenden Vorstellung beobachten. Man identifiziert sich leichter, wenn eine einheimische Geschichte in der einheimischen Sprache gezeigt wird», meint Produzent Dinhobl.

Lokalkolorit kommt auch bei den Kostümen, für die Heike Sadler verantwortlich zeichnet, ins Spiel: Wie in vergangenen Jahren arbeitet die textile Fachschule IDM aus Thun bei der Umsetzung mit. Eine Möglichkeit für die jungen Auszubildenden, neben Prêt-à-porter und Haute Couture auch die Besonderheiten von Theaterkostümen kennen zu lernen.

Während am Kostümbild von der Zürcher Aufführung mehrheitlich nur Anpassungen vorgenommen wurden, musste das Bühnenbild für die Thunerseespiele komplett neu entworfen werden. «Eine Freiluftbühne stellt eine besondere Herausforderung dar», erklärt Dinhobl. «Mit die wichtigsten Vorrichtungen für Umbauten im Theater sind Schnürboden und Seitenbühne. Das haben wir open air natürlich nicht. Und die Dimensionen sind gewaltig. Ebenfalls müssen die Kräfte von Wind und Wetter einberechnet werden, denen das Bühnenbild standhalten muss.»

Dabei ist es gerade die Natur, die den Reiz der Thunerseespiele ausmacht. Wenn der Abendwind zur Hintergrundmusik wird und die Sonne zum zusätzlichen Scheinwerfer. Vorausgesetzt, Eiger, Mönch und Jungfrau stehlen nicht die Show.

Eine Zusammenarbeit von SonntagsZeitung und Thunerseespiele AG

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