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Social-Media-App Clubhouse: Willkommen im Club

Was heute die gehypte App Clubhouse ist, war früher die Burschenschaft. Über eine unstillbare Sehnsucht, immer und überall dabei sein zu wollen.

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Foto: Imago

«Rund um den Globus begehren Menschen Einlass in die angesagtesten Clubs», lautet der Werbetext einer Schweizer Agentur. «Doch der bleibt vielen dauerhaft verwehrt. Private Member Clubs suchen sich ihr Publikum aus und nur, wer in den Besitz einer der seltenen Clubkarten kommt, wird auch an der Tür durchgelassen.»

Ein schrecklicher Zustand für all jene, die zwar nach sozialem Aufstieg dürsten, denen die Stufen zum Erfolg aber verschlossen bleiben. Die Agentur verspricht hier Abhilfe: «Suchen Sie nach einer Lösung, das eigene Ansehen durch exklusive VIP-Clubmitgliedschaften effektiv aufzuwerten, arrangieren wir für Sie hochkarätige Clubmitgliedschaften – entweder zum Schein oder tatsächlich», heisst es weiter.

Schon auf Instagram und Facebook war man oft ausgesperrt von vielem Interessanten, weil man als «Freund» nicht zugelassen wurde.

Vereine, Clubs, Logen, Zirkel – immer wieder scheitert der auf Erfolg getrimmte Mensch an seinen Nichtzugehörigkeiten. Waren es früher Burschenschaften oder «das Kränzchen», von denen er hätte profitieren können, so sind es heute die digitalen Communitys, deren Zugänge ihm oft vorenthalten bleiben.

Schon seit Tagen wartet man ungeduldig etwa auf eine Einladung der neuen, angeblich sehr exklusiven Social-Media-App «Clubhouse». Doch sie kommt einfach nicht. Gehört man vielleicht schon längst nicht mehr dazu?

Ein Hauch von Exklusitivität: Die neue Social-Media-App Clubhouse.

Ein Hauch von Exklusitivität: Die neue Social-Media-App Clubhouse.

Foto: Rafael Zeier

Nicht, dass all das eine neue Erfahrung wäre. Schon auf Instagram und Facebook war man oft ausgesperrt von vielem Interessanten, weil man als «Freund» nicht zugelassen wurde. Im Mittelalter, da legte der Absender sein Anliegen noch in einen dieser von den Balkonen herunterhängenden Körbe und schützte das Papier mit einem schweren Stein vor Wind.

Alles in der Hoffnung, der Adressat im Obergeschoss werde die Nachricht schon irgendwann lesen. Und beantworten. Andernfalls bekam der Wartende nur «einen Korb».

Heute wird er digital blockiert. Das ist zwar simpler, tut aber genauso weh.

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Man würde ja so gerne dazugehören zu dieser oder jener netten oder gar erfolgsversprechenden Seilschaft, von dem Soziologen Nicholas A. Christakis oder dem Politikwissenschaftler James H. Fowler gerne auch «Dictyonomie» genannt (von griechisch «dictyo», «Netz»).

Und natürlich strebt man nach oben. Doch Clubhouse antwortet immer noch nicht!

Die Schweizer Agentur immerhin beruhigt: Schon früher sei es «nur einem sehr kleinen und elitären Kreis vorbehalten gewesen, Eintritt in die Clubs zu erhalten, in denen Künstler, Intellektuelle, Diplomaten und hochrangige Geschäftsmänner eingelassen wurden».

Und bitte beachten Sie: «Schönheit, Reichtum und gesellschaftliches Ansehen alleine reichen noch lange nicht aus, um in den Genuss einer VIP-Clubmitgliedschaft zu kommen. Damals wie heute gelten Empfehlungen und Vitamin B als die besten Türöffner.» Bei Interesse bitte melden.

Auch US-Medienunternehmerin Oprah Winfrey nutzt Clubhouse.

Auch US-Medienunternehmerin Oprah Winfrey nutzt Clubhouse.

Foto: GC Images

Wenn nur nicht diese Zugangsbeschränkungen wären. Sie sorgen für zusätzlichen Stress. Mit künstlicher Verknappung (nicht mehr als 144'000 Himmelsplätze) waren schon die Zeugen Jehovas erfolgreich. Aber auch in angesagten Wohngemeinschaften wie dem Soho-House kommt das Glück als Limited Edition daher.

Der Countdown läuft. In Deutschland werden ein Viertel der Stellen laut dem Institut für Arbeitsmarktforschung nur aufgrund persönlicher Empfehlungen vergeben. Da hilft einem auch Groucho Marx nicht weiter, der keinem Club angehören wollte, der ihn als Mitglied nimmt.

Ein anderer Marx, Karl nämlich, empörte sich über die «Koterie», wie man die Vetterliwirtschaft zu seinen Lebzeiten nannte. Der Machtantritt eines Lords, so schrieb er 1859, habe «einer Koterie der herrschenden Klasse» das Signal gegeben, «herbeizustürzen und die Posten zu besetzen, die eben frei geworden waren, nachdem man die andere Koterie gewaltsam vertrieben hatte».

Vielleicht sollte man es so halten wie Thomas Mann. Der hat nie einer Schule angehört, «die gerade obenauf war».

Heute klingt das so: «Aufgrund unserer engmaschigen Zusammenarbeit mit einem globalen Partner-Netzwerk ist es uns möglich, Ihnen zum Schein eine eindrucksvolle VIP-Mitgliedschaft an die Hand zu reichen oder für Sie hochkarätige VIP-Clubmitgliedschaften zu arrangieren.» So steht es im Werbetext der Agentur. «Nutzen Sie die Karte, um mit Prominenten, Künstlern und mit der High Society ins Gespräch zu kommen.»

Ob man hier endlich sein Passwort für Clubhouse bekommt?

Vielleicht sollte man es einfach so halten wie Thomas Mann. Der Literaturnobelpreisträger sagte einmal, er habe nie «einer Schule oder Koterie angehört, die gerade obenauf war». Und, klar, «ich bin darum auch nie von einer Schule getragen, von Literaten selten gelobt worden». Nach oben aber, wie man es gemeinhin so gerne nennt, hat er es dennoch geschafft.

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