Switzerland

Social Distancing im Urdorfer Notbunker: Können die Abstandsregeln eingehalten werden?

Social Distancing ist die Maxime im Kampf gegen Covid-19. In Geschäften, auf Baustellen, in Spitälern und auf dem Trottoir gehört das Abstand halten mittlerweile zum Alltag. Nicht so in der Notunterkunft in Urdorf – findet jedenfalls Jela Kistler. Sie arbeitet für das Bündnis «Wo Unrecht zu Recht wird» und betreut seit drei Jahren die dort lebenden abgewiesenen Asylsuchenden in juristischen Belangen. Das Bündnis versteht sich als eine Art Widerstandsbewegung gegen die «zunehmende Repression gegenüber abgewiesenen Asylsuchenden im Kanton Zürich».

Einmal pro Woche besucht Kistler die Männer im Rückkehrzentrum in Urdorf. Seit drei Wochen jedoch nicht mehr drinnen, sondern vor der Anlage, weil Besuchsverbot herrscht. «Der Abstand kann im Bunker schlicht nicht eingehalten werden. Die Sicherheitsdirektion muss die Notunterkunft unverzüglich schliessen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen», fordert Kistler. Die Abstands- und auch die Hygienemassnahmen liessen sich unter diesen Umständen unmöglich umsetzen. In der unterirdischen Zivilschutzanlage gebe es keine Fenster und keine frische Luft. «Sechs bis zehn Personen schlafen in einem Zimmer. Rund 40 Männer benutzen gemeinsam eine Küche und sanitäre Anlagen», sagt Kistler. Wenn sich nur ein Bewohner mit dem Virus anstecke, würden in diesen engen Wohnverhältnissen mit grosser Wahrscheinlichkeit alle abgewiesenen Asylsuchenden daran erkranken, ist sich Kistler sicher.

Die Rechtsberaterin aus Zürich ist nicht die erste, die die Situation im Rückkehrzentrum in Urdorf kritisiert. Ende März wandte sich bereits Hausarzt Theo Leutenegger an die «Limmattaler Zeitung», um auf das Thema aufmerksam zu machen. Leutenegger kümmert sich seit Jahren um die medizinische Betreuung der abgewiesenen Asylsuchenden und verlangte von der kantonalen Sicherheitsdirektion ebenso, dass sie die Unterkunft zum Schutze der abgewiesenen Asylsuchenden und vor allem der Urdorfer Bevölkerung stilllegt und die Bewohner in andere Zentren verteilt.

Besondere Situation für alle Kollektivunterkünfte

Die Sicherheitsdirektion sagte damals, dass bereits vor Feststellen der ausserordentlichen Lage die mit der Betreuung beauftragten Organisationen Sofortmassnahmen, vor allem im Bereich Bewohnerinformationen und Hygiene, ergriffen hätten. In allen Unterkünften würde die Belegungsdichte, wo immer möglich, reduziert, hiess es. Betont wurde überdies, dass die Unterkunft in Urdorf derzeit zu weniger als der Hälfte belegt sei. Die Sicherheitsdirektion erwähnte, dass die besondere Situation in Kollektivunterkünften nicht nur das Asylwesen betreffe, sondern auch betagte Menschen in Alters- und Pflegeheimen oder Menschen mit Behinderung in Wohneinrichtungen.

Kistler überzeugen diese Aussagen nicht. «Ich stehe mit einigen Bewohnern in Kontakt, sie haben mir Foto- und Videoaufnahmen geschickt. Die Situation hat sich in den letzten Tagen nicht verbessert.» Die Belegung sei nicht vermindert worden. Im Gegenteil: «Es finden immer noch Transfers nach Urdorf statt», sagt Kistler. Auch wenn die maximale Auslastung bei rund 80 Personen liege, sei auch die Hälfte bereits zu viel. «Es kommt doch nicht darauf an, ob sechs oder zehn Leute in einem Zimmer schlafen.»

Die Sicherheitsdirektion versuche sich herauszureden, indem sie den Vergleich zur Situation in anderen Kollektivunterkünften zieht. «Angebrachter wäre ein Vergleich zur Armee, welche die Unterbringung der Armeeangehörigen in unterirdischen Unterkünften während der Coronakrise explizit ausschliesst. Namentlich, weil die aktuellen Hygienevorschriften dort nicht eingehalten werden können», sagt Kistler.

Notunterkunft Urdorf

Die derzeit 34 dort lebenden abgewiesenen Asylsuchenden teilen sich die sanitären Anlagen und eine Küche.

Bei ihren Treffen spüre sie die grosse Besorgnis der abgewiesenen Asylbewerber in Urdorf. «Sie haben Angst um ihre Gesundheit und fühlen sich schlecht informiert.» Einige könnten provisorisch bei Bekannten privat unterkommen. Dass Problem sei jedoch, dass die meisten aufgrund einer Eingrenzungsverfügung den Aufenthaltsort Urdorf nicht verlassen dürften. Bei Verstoss drohe ihnen eine bis zu dreijährige Haftstrafe, so Kistler. Für sie ist klar: «Die Sicherheitsdirektion muss ihre Verantwortung endlich wahrnehmen und für die Asylsuchenden aus Urdorf eine Lösung finden.»

Die kantonale Sicherheitsdirektion verweist auf ihre aktuellste Medienmitteilung. «Der Schutz der Gesundheit aller Personen im Asylbereich hat für den Kanton Zürich hohe Priorität. Für die gesamte Asylinfrastruktur wurden Vorsorgemassnahmen getroffen, sodass die Coronavorgaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) bestmöglich umgesetzt werden können», steht darin.

Mehrere Massnahmen für Asylinfrastruktur getroffen

Bereits vor längerem seien in ­allen kantonalen Asylzentren Isolierzimmer für Verdachts­fälle und erkrankte Personen ein­gerichtet worden. Schon am 20. März sei spezifisch für ­vulnerable Personen eine se­parate Unterkunft im Kanton in Betrieb genommen worden. Ausserdem gelte seit dem 13. März – genauso wie in den Spitälern, Heimen und ­Behinderteninstitutionen – auch in allen kantonalen Asylunterkünften ein Besuchsverbot. Die kantonale Sicherheits­direktion vermeldet in der ­Mitteilung zudem, dass seit gestern Freitag eine separate Station in Form eines Notspitals im ehemaligen Pflegezentrum Erlenhof in der Stadt Zürich mit Krankenzimmern zur Verfügung steht.

Die durchschnittliche Be­legung in den kantonalen Unterkünften liege – wie es das Staatssekretariat für Migration auch für die Bundesasylzentren ­anstrebt – bei gut 50 Prozent. «Im Rückkehrzentrum Urdorf befinden sich derzeit 34 Personen. Die Auslastung liegt damit deutlich unter 50 Prozent», sagt die Sicherheitsdirektion. Die medizinische Betreuung der Bewohnerinnen und Be­wohner sei sowohl in den Asylzentren als auch in der neuen Station durch Hausärztinnen und Hausärzte sichergestellt. «Wir haben in einer für alle schwierigen Situation das ­Bestmögliche für die abge­wiesenen Asylsuchenden erreicht», sagt Regierungsrat ­Mario Fehr (SP), Vorsteher der Sicherheitsdirektion.

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