Switzerland

So viel kostet die Entsorgung der radioaktiven Abfälle der AKW

23,9 Milliarden Franken betragen die voraussichtlichen Kosten für Stilllegung und Entsorgung der Schweizer Atommeiler. Die zuständige Verwaltungskommission hat den Betrag höher angesetzt als die KKW-Betreiber, aber tiefer als das Uvek. In einem Jahr folgt die nächste Kostenschätzung.

Das Ende 2019 stillgelegte Kernkraftwerk Mühleberg.

Das Ende 2019 stillgelegte Kernkraftwerk Mühleberg.

Karin Hofer / NZZ

Die Kosten für die Entsorgung von radioaktiven Abfällen aus den Schweizer Kernkraftwerken fallen erst später an. Doch weil es um grosse Beträge geht, zahlen die Betreiber seit den 1980er Jahren jährlich in die entsprechenden Fonds ein. Kostenschätzungen für eine Zeitdauer von mutmasslich bis zu 100 Jahren sind jedoch mit grosser Unsicherheit behaftet. Um die Risiken zu minimieren, setzt der Bund deshalb auf rollende Schätzungen. Alle fünf Jahre werden die voraussichtlichen Gesamtkosten neu evaluiert. Dabei können neu aufgetauchte Risiken, aber auch technische Fortschritte das Kostenvolumen beeinflussen.

Am Freitag hat die Verwaltungskommission des Stilllegungs- und Entsorgungsfonds (Stenfo) den Stand des heutigen Wissens festgesetzt. Demnach betragen die voraussichtlichen Gesamtkosten für die Stilllegung der AKW und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle 23,856 Milliarden Franken. Die Stellen hinter dem Koma suggerieren dabei eine Prognosegenauigkeit, die es nicht gibt. Die Schätzung gilt für die Periode 2017 bis 2021. Für die Betreiber hat der Entscheid spürbare Folgen. Die Beiträge erhöhen sich für die gesamten fünf Jahre um rund 50 Millionen Franken im Vergleich zur provisorischen Festsetzung.

Vor Bundesgericht erfolgreich

Spannender als die eigentliche Zahl ist der Prozess dorthin. Ein Urteil des Bundesgerichts machte für die derzeitige Kostenschätzung eine Zusatzschlaufe notwendig. Am Beginn des Prozesses steht die Schätzung der Betreiber, die sich auf 21,76 Milliarden Franken beläuft. Sie haben ein Interesse daran, so wenig wie nötig in die Fonds zu bezahlen. Die Beiträge schmälern den Betriebsgewinn. Die Angaben wurden von externen Experten geprüft. Damit soll auch sichergestellt werden, dass neue Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Ausland berücksichtigt werden. Der Stenfo kam dann zum Schluss, dass die Betreiber die Kosten zu tief angesetzt hatten. Seine Berechnungen ergaben 23,48 Milliarden Franken. Dieser Betrag wiederum war für das Energiedepartement (Uvek) zu tief. Das damals noch von Doris Leuthard geführte Departement korrigiert die Kosten auf 24,58 Milliarden Franken.

Dabei wäre es geblieben, wenn die KKW-Betreiber nicht geklagt und vor Bundesgericht recht erhalten hätten. Sie bestritten, dass das Uvek die Kosten endgültig festlegt. Das Kernenergiegesetz erlaube keine solche Delegation an das Uvek, hält das Bundesgericht im Februar 2020 in seinem Urteil fest. Der Bundesrat dürfe gemäss Gesetz lediglich Regeln darüber erlassen, wie die Beiträge an den Fonds zu bemessen seien.

Aufgrund dieses Urteils steht nun der Stenfo in der letzten Verantwortung. Er hat seine Kostenschätzung von 2017 nochmals überprüft und sie um 372 Millionen Franken erhöht. Damit liegt er zwischen den Prognosen der Betreiber und jenen des Uvek.

Die Verwaltungskommission hat nachgerechnet

Wie kommt die Verwaltungskommission des Stenfo jetzt zu einem anderen Ergebnis als vor drei Jahren? «Umstritten sind nur drei Ausgabeposten, bei denen es um die Einschätzung geht, wie wahrscheinlich gewisse Szenarien sind», sagt Raymond Cron, der Präsident der Verwaltungskommission, im Gespräch. Wie weit der Rückbau erfolgen muss, die Chancen für ein günstigeres Kombilager, die Höhe der nicht gesetzlich festgelegten Abgeltungen an die Standortgemeinden.

Beim Rückbau kommt die Kommission nun zum gleichen Schluss wie das Uvek. Es interpretiert die Gesetzesgrundlage dahingehend, dass die Ausgaben für den Rückbau aller Gebäude inklusive der Fundamente (grüne Wiese) zu den Stilllegungskosten gehören. Damit erhöhen sich diese im Vergleich zum Antrag von 2017 um 46 Millionen Franken. Die Betreiber rechnen nur mit einem Rückbau zur braunen Wiese.

Könnten dereinst die schwach- und mittelaktiven Abfälle wie auch die hochaktiven Abfälle am gleichen Standort gelagert werden, würden sich die Baukosten reduzieren. Laut der Verwaltungskommission liegt die Chance dafür bei 20 Prozent. Beim Antrag 2017 ging sie noch von einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent aus. Damit erhöhen sich die Entsorgungskosten um 326 Millionen Franken. Bei ihrem Entscheid stützt sich die Kommission auf den Bundesrat, der ein Kombilager nicht ausschliesst, obwohl das Entsorgungskonzept von zwei verschiedenen geologischen Tiefenlagern ausgeht. Unverändert bleibt die Schätzung der Abgeltungskosten von 400 Millionen Franken.

Cron legt grossen Wert auf die Unabhängigkeit der Verwaltungskommission: «Wir sind weder das Sprachrohr der Betreiber noch der Befehlsempfänger des Bundesamts für Energie.» In der Kommission werde jeweils hart gerungen um die Entscheide.

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