Switzerland

So versüsst man die globale Umverteilung von Steuermilliarden

Der Länderverein OECD hat am Donnerstag vorgerechnet, dass der geplante Umbau der Besteuerung internationaler Firmen den Ländern total etwa 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr Zusatzerträge bringe. Doch für die Schweiz sieht das Bild ganz anders aus.

Für die Schweiz dürfte der geplante Umbau der Besteuerung internationaler Firmen zu hohen Verlusten führen.

Für die Schweiz dürfte der geplante Umbau der Besteuerung internationaler Firmen zu hohen Verlusten führen.

Gaetan Bally / Keystone

Kartelle bringen in der Regel höhere Preise. Das ist bei Steuerkartellen nicht anders. Unter der Ägide des globalen Ländervereins OECD brüten derzeit fast 140 Länder über Vorschläge zur Umverteilung der Gewinnsteuern internationaler Firmen. Vorgesehen ist eine Verschiebung der Besteuerung vom Ort der Wertschöpfung zum Ort der Absatzmärkte. Am Ende wird jedes Land die Vorschläge vor allem nach einem Kriterium beurteilen: Was heisst dies für unsere Einnahmen?

Die Experten des OECD-Sekretariats versuchten am Donnerstag, die Sache vielen Ländern schmackhaft zu machen. Gemäss neuster OECD-Schätzung bringt der geplante Umbau global Zusatzerträge für den Fiskus von etwa 100 Mrd. $ pro Jahr – rund 4% der weltweiten Gewinnsteuererträge. Zentrale Annahmen dabei: Ein «normaler» Vorsteuergewinn von bis zu 10% des Umsatzes wird weiter am Sitzort besteuert, und vom darüber hinausgehenden Gewinn wird künftig ein Fünftel an die Absatzländer verteilt. Und der globale Mindeststeuersatz beträgt 12,5% des Gewinns.

Dass globale Regeln, die Verlagerungen von Tief- zu Hochsteuerländern bringen und weltweit ein Minimum festsetzen, insgesamt Mehrerträge für den Fiskus bringen, ist zu erwarten – da nicht mit Abwanderungen von Firmen auf den Mond zu rechnen ist und die Mehrbesteuerung kaum durch Investitionsrückgänge überkompensiert wird. Ausweichmanöver wird es auch künftig geben, doch sie werden wohl eher schwieriger.

Die Schweiz dürfte zu den Ländern mit relativ hohen Verlusten zählen. Laut OECD-Schätzung verlieren internationale Investitionszentren unter den genannten Annahmen, aber ohne Berücksichtigung einer Mindestbesteuerung, im Mittel etwa 5% ihrer Gewinnsteuererträge. Für die Schweiz, die zu dieser Gruppe zählen mag, gäbe dies eine Einbusse von etwa 1 Mrd. Fr. pro Jahr; das entspricht ungefähr den derzeitigen Schweizer Schätzungen. Doch vieles hängt von der Ausgestaltung ab. Würden zum Beispiel nur Gewinnmargen, die über 20% statt über 10% liegen, zum Teil an die Absatzländer verteilt, reduzieren sich die Verluste der Investititionszentren laut OECD um etwa zwei Drittel.