Switzerland

So tickt Bronze-Desplanches: Er liebt Schwimm-Star – sein Trainer wollte ihn erst nicht

Fünf Jahre lang hat Jérémy Desplanches (26) auf ein einziges Ziel hingearbeitet. Olympische Spiele, Tokio, Olympia-Medaille: Das sind die Eckdaten des Plans, seit Rio 2016 liegt der Fokus darauf. Alles ordnet der Genfer dem Traum vom Edelmetall unter, er geht nach Nizza, trainiert bei Weltklasse-Trainer Fabrice Pellerin, schleift sich und seinen Körper. Keine Kompromisse, totale Besessenheit. All-in, sagt man dazu am Pokertisch.

Wer alles setzt, kann auch alles verlieren. Fünf Jahre kommen am Freitagmittag Ortszeit im Tokio Aquatics Center auf den Prüfstand. Der grosse Moment ist da: Der Olympia-Final über 200 m Lagen. Desplanches weiss: Jetzt muss er gleich das Rennen seines Lebens schwimmen.

«Die Augen zugemacht und die Pobacken zusammengepresst»

Der Start auf Bahn 2 gelingt, links neben ihm der Japaner Daiya Seto. Desplanches ist dran, nach 150 Metern liegt er auf Platz 4, Seto liegt leicht vorne, die Crawl-Länge muss die Entscheidung bringen! Doch es bleibt knapp, es kommt auf die letzten Meter an – und hier schiebt Desplanches noch einmal an, er zieht durch – und holt Bronze! 1:56,17 Minuten, den eigenen Schweizer Rekord um vier Zehntel pulverisiert, um sein Leben geschwommen, alles gewonnen. «Ich bin ein bisschen grösser als Seto», scherzt der 1,92 m grosse Schweizer später. «Vielleicht hat das den Unterschied ausgemacht. Auf jeden Fall habe ich auf den letzten fünf Metern die Augen geschlossen und meine Pobacken zusammengepresst!»

Es passt zum Genfer, dass er im grössten Triumph erst einmal einen Witz macht. Desplanches, ein charismatischer Typ mit einem feinen Sinn für Ironie, der so unfassbar schnell französisch spricht, dass einem als Deutschschweizer bald einmal der Kopf schwirrt, nimmt sich nicht so ernst. Und trotzdem kann er auch seriös. «Ich bin sehr stolz darauf. Es ist mir eine Ehre», sagt er darüber, dass er im Becken von Tokio gerade Geschichte geschrieben hat.

Der Lohn für fünf harte Jahre

Als zweiter Schweizer Schwimmer überhaupt holt er eine Olympia-Medaille, vor ihm hat das einzig Etienne Dagon geschafft (1984, 200 m Brust). «Diese fünf Jahre waren hart, mit Covid, mit vielen Zweifeln... Ich hatte das Glück, gut begleitet zu werden und Menschen zu haben, die an mich glaubten», sagt er. «Ich sagte mir immer wieder, dass mir all die Trainings, bei denen ich aus dem Wasser steigen musste, um mich zu übergeben, etwas nützen müssen.» Das tun sie. «Es ist verrückt. Ich habe meinen eigenen Weg eingeschlagen, ich bin keinem Modell gefolgt.»

Das Modell sieht so aus: Desplanches stellt sich 2014 bei Coach Pellerin in Nizza vor. Der ist zuerst überhaupt nicht euphorisch, lässt sich aber überzeugen, ihn trotzdem zu trainieren. In den Jahren darauf reift Desplanches zum Weltklasse-Schwimmer. Zusammen mit Freundin Charlotte Bonnet (26), die für Frankreich an die Spiele fährt, lebt er in Südfrankreich nur für seinen Sport. Das zahlt sich 2018 mit dem EM-Titel, 2019 mit WM-Silber aus, im Frühjahr wird er Zweiter an der EM. Und jetzt Olympia-Bronze. «Im Moment brauche ich Urlaub», sagt er und lacht. «Es waren sehr harte fünf Jahre. Ich habe die ganze Zeit an die Spiele gedacht, sogar in den Ferien. Jetzt muss ich mich erholen, es tut mir alles weh.»

Das nächste Ziel: Der Titel 2024!

Aber der Hunger ist noch da, der Blick geht schon auf Paris 2024. «Diese Bronzemedaille ist eine sehr schöne Medaille, aber ich bin noch eine Sekunde vom Titel entfernt. Man weiss ja nie... Mit den Emotionen, die ich erlebt habe, will ich mehr!»

Dabei ist die Zeit nach der Karriere schon aufgegleist. Desplanches hat Wirtschaft studiert und sein Vater hat in der Westschweiz ein Imperium aufgebaut. Aus einer Bäckerei und einer Confiserie hat Gilles Desplanches eine Kette aufgebaut. Jérémys Schwestern arbeiten bereits dort und er selber sieht seine Zukunft ebenfalls beim «Maison Desplanches».

Doch vorher wird Desplanches wieder All-in gehen. Die Medaille, die hat er auf sicher. Der 1,92-m-Mann ist jetzt schon der Grösste der Schweizer Schwimm-Geschichte. Weil er im entscheidenden Moment die Pobacken zusammengepresst hat.

Olympische Sommerspiele in Tokio

Die 32. Olympischen Sommerspiele finden vom 23. Juli bis 8. August 2021 in der japanischen Hauptstadt Tokio statt. Alle Infos zur Eröffnung, Übertragung, Wettkampfterminen, Disziplinen, Neuerungen, Austragungsstätten und Maskottchen erfahren Sie in der grossen Übersicht.

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