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So nutzt die Bürgermeisterin von Tokio die Corona-Pandemie für ihre Wiederwahl

Tokios Gouverneurin Yuriko Koike inszeniert sich als erfolgreiche Managerin der Corona-Krise. Ihre Wiederwahl am Sonntag scheint sicher. Dabei will die «Kaiserin» noch viel höher hinaus.

Die Maske als Markenzeichen: Die Bürgermeisterin von Tokio, Yuriko Koike, wappnet sich für die Wiederwahl.

Die Maske als Markenzeichen: Die Bürgermeisterin von Tokio, Yuriko Koike, wappnet sich für die Wiederwahl.

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Sie ist die mächtigste Frau Japans. Die Bürgermeisterin von Tokio, Yuriko Koike, gibt sich als Krisenmanagerin medien- und modebewusst. Im Kampf um ihre Wiederwahl am kommenden Sonntag hat die 67-Jährige den Virenschutz zu ihrem Markenzeichen gemacht. Bald schillernd, bald mit bunten Mustern – ihre Gesichtsmasken wechseln ständig. Selbst in der jüngsten Online-Debatte mit fünf ihrer Rivalen trat sie anfangs vermummt auf.

Tokio hat 14 Millionen Einwohner und eine Wirtschaftsleistung von etwa einer Billion Dollar. Wäre die Hauptstadt Japans ein Staat, rangierte Tokio vor den Niederlanden auf Rang 17 der Wirtschaftsmächte. Koikes Griff zur Maske ist also ein Statement. Seit Monaten hat sie sich machtbewusst als Managerin der Corona-Krise inszeniert. Am 25. März rief Koike die Bewohner der Metropole zu einer Art informellen Notstand auf, während Japans Regierungschef Shinzo Abe noch zwei Wochen zögerte. Nun will sie die Früchte ihres kleinen Aufstands ernten.

Tokio sei «die sicherste und gesündeste Hauptstadt der Welt», wiederholt Koike wie ein Mantra. Auf die Covid-19-Fälle bezogen hat sie recht. Selbst auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie verzeichnete Tokio nur 200 Infektionen pro Tag. Als die Regierung den Notstand Ende Mai aufhob, waren es weniger als 10 pro Tag. Jetzt sind es wieder um die 50 neue Fälle täglich. Sie werde Tokio zur weltweit widerstandsfähigsten Stadt gegen Infektionskrankheiten machen, verspricht Koike. Ihre Massnahmen seien wirksam gewesen, lobt sie sich selbst.

Ihre Rivalen behaupten das Gegenteil. Koikes Virenpolitik sei «durchgefallen», sagen sie. Der jüngste Anstieg der Covid-19-Fälle beweise dies.

Kritik und Verleumdungen perlen an Koike ab

Koike rechnet mit dem Sieg. In Meinungsumfragen wird sie nicht nur von Fans ihres Wahlvereins «Stadtbürger zuerst» unterstützt, der in Tokios Regionalparlament die stärkste Fraktion ist. Glaubt man der linksliberalen Tageszeitung «Asahi», stimmen 80 Prozent der landesweiten Regierungskoalition aus Liberaldemokraten und der neuen Gerechtigkeitspartei für Koike. 70 Prozent der Wähler der oppositionellen Demokraten unterstützen sie. Der stärkste Kandidat der Opposition, der 73-jährige Rechtsanwalt Kenji Utsunomiya, kommt laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo nur auf 20 Prozent. Doch für Restspannung ist gesorgt. Ein Drittel der Wähler ist noch unentschieden.

Noch hoffen Koikes Gegner, dass ein Anstieg der Corona-Fälle den Blick der Wähler auf die Vorwürfe gegen Koike schärft. Die Autorin Taeko Ishi schildert die Gouverneurin in dem Bestseller «Kaiserin Yuriko Koike» als arrogante, selbstverliebte Opportunistin, die sich in der Gegenwart von Erdbebenopfern die Fingernägel poliert habe. Dazu passt eine Umfrage des Tokioter Politikmagazins «Tosei Shimpo»: Nur 21,5 Prozent ihrer Beamtenschaft würden mit ihr in eine zweite Amtszeit gehen wollen.

Ihr Vorgänger, Yoichi Masuzoe, wirft ihr gar «Lügen und Übertreibungen» vor. Kritiker behaupten, sie habe gar keinen Abschluss der ägyptischen Universität Kairo. Eine jüngste Ehrenerklärung ihrer Alma Mater entkräftet diesen Vorwurf. Ihre Gegner hingegen verstummen nicht. An Koike scheint der ganze Wirbel abzuperlen. Ihre Umfragewerte bleiben hoch.

Der Politologe Koichi Nakano spricht vom «Koike-Faktor», um ihren Erfolg zu erklären. «Sie ist ein Medienprodukt», sagt Nakano. Sie projiziere das Bild einer erfolgreichen Macherin, die sich in der politischen Männerwelt durchgesetzt habe. Dieses Bild sei wirksamer als reale Erfolge. «Sie stammt aus den Medien und weiss daher genau, wie sie die Medien manipulieren kann.»

Von der Journalistin zur Spitzenpolitikerin

Koikes politische Karriere ist aussergewöhnlich. Sie kommt anders als viele Spitzenpolitiker Japans nicht aus einer erfolgreichen Politikerfamilie. Ihr Vater versuchte zwar den Sprung aus der Heimatstadt Osaka in die nationale Politik, hat es aber nie geschafft.

Auch Koikes Ausbildung weicht von der Norm ab. Sie studierte Mitte der 1970er Jahre in der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Zuvor hatte sie ihr Studium an einer japanischen Universität abgebrochen. Wieder daheim, nutzte sie ihre Arabisch- und Englischkenntnisse, um schnell als Fernsehjournalistin und Ansagerin Karriere zu machen. So interviewte sie 1978 den libyschen Staatschef Muammar al-Ghadhafi. Anfang der 1990er Jahre erfüllte sie den Traum ihres Vaters: Dank ihrer hohen Bekanntheit eroberte sie für eine kleine konservative Oppositionspartei einen Parlamentssitz.

Seither erarbeitete Koike sich den Ruf, nicht Parteien, sondern ihren eigenen Ambitionen treu zu sein. 2002 wechselte sie zur Liberaldemokratischen Partei (LDP). Sie hatte unter anderem Posten als Umweltministerin und Beraterin für nationale Sicherheit inne. Während dreier Monate in der ersten Amtszeit des jetzigen Regierungschefs Shinzo Abe war sie die Verteidigungsministerin.

Koike ist bereits die mächtigste Frau Japans. Doch sie will noch höher hinaus. Als sich 2016 die Gelegenheit bot, trat sie gegen den LDP-Kandidaten als Gouverneurin von Tokio an. Dann gründete sie ihre eigene Partei und versuchte, die nationale Opposition aufzusaugen, um gegen Abe als Regierungschefin zu kandidieren. Der Versuch endete in einem Debakel. Die Demokratische Partei spaltete sich, statt überzulaufen. Gedemütigt musste Koike danach Bürgermeisterin bleiben. Der Politologe Nakano sagt: «Realistischerweise sind ihre Chancen aufs Amt des Ministerpräsidenten gering, aber ich bin mir sicher, dass sie ihre Ambitionen nicht aufgegeben hat.»

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