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So macht Pendeln klüger

Glücksforscher warnen: «Pendeln macht unglücklich!» Es führe zu Bluthochdruck, Depressionen und zu höheren Scheidungsraten. Das ist übertrieben, denn die gefundenen Zusammenhänge sind schwach und nicht kausal. Aber sie geben gute Schlagzeilen. Daher plagt viele Arbeitnehmende die Sorge, sie könnten durch Pendeln krank und unglücklich werden.

Fakt ist: Ob wir glücklich sind oder nicht, hängt in erster Linie von unserer Gesundheit ab, von unserer Familie, unserer Partnerschaft, unseren Freunden und unserer Arbeit – und viel weniger vom Weg, der die Lebensbereiche verbindet. Pendler wissen das. Sie wissen, dass Pendeln der Preis dafür ist, einen super Job und eine tolle Wohnung haben zu können.

Aber der Preis ist für manche zu hoch. Für sie ist das Pendeln der Preis dafür, überhaupt einen Job und eine Wohnung zu haben. Deshalb sind der gesellschaftlichen Akzeptanz des Pendelns Grenzen gesetzt. Diese Grenzen lassen sich benennen, wie eine Studie meiner Forschungsgruppe zeigen konnte:

Wie sehr wir unter diesen Belastungen leiden, hängt zum grossen Teil von unserer Pendelkompetenz ab: von den Bewältigungsstrategien, die das Pendeln weniger unangenehm machen.

Vier Strategien für mehr Freude beim Pendeln

Pendeln als Arbeitszeit

Smartphone und Notebook verwandeln das Zugabteil in ein Mini-Büro. Zumindest, wenn man nicht selber fahren muss. Für viele Zugpendler ist das sogar die produktivste Zeit des Tages, weil sie hier am wenigsten gestört werden. Fortschrittliche Arbeitgeber rechnen daher Pendelzeit als Arbeitszeit an.

Wer pendelt, kann seine E-Mails durchsehen und vorsortieren, was im Büro weiterbearbeitet werden muss. Am besten nutzt man die ruhigen Momente auf dem Weg zur Arbeit aber, indem man sich Gedanken darüber macht, was man heute erreichen will. Denn wir wissen: Spontaneität ist gut, Planung ist besser. Am Abend dann das Gegenstück: den Arbeitstag Revue passieren lassen, das Erreichte abhaken und Unerledigtes für morgen vormerken. Mit etwas Übung wird man so vom Pendler zum Produktivitätsprofi.

Pendeln als Unterhaltung

Zeitunglesen ist lehrreich, wie Sie hoffentlich gerade einmal mehr feststellen. Doch wann ist fürs Lesen noch Zeit? Beim Pendeln, zumindest im ÖV. Dabei gilt: Lesen auf dem Handy ist gut, lesen auf Papier ist besser. Forschung aus dem Bereich der «Embodied Cognition» hat gezeigt, dass das Lesen von gedruckten Texten bessere Gedächtnisspuren hinterlässt.

Gelesen wird – bedenklicherweise – auch im Auto, was unschwer am Fahrstil zu erkennen ist. Radiohören eignet sich schon besser, doch die manisch gute Laune vieler Sender stresst im dichten Verkehr schnell. Smarte Pendler hören deshalb Podcasts. Öffnen Sie mal die Podcast-App auf Ihrem Smartphone. Sie ist voll mit qualitativ guten und interessanten Inhalten. Dasselbe gilt für Spotify und iTunes. Etwas weniger smart sind übrigens die ganzen Pendlerspielchen. Manche werden zwar damit beworben, das Gedächtnis, die Reaktionsfähigkeit oder die Wahrnehmung zu verbessern. Doch Studien zeigen: Alles Humbug, leider.

Kein Humbug, sondern wissenschaftlich erwiesen: Wer mit anderen Pendlern ein freundliches Gespräch führt, fühlt sich anschliessend besser. Auch Pendler sind soziale Wesen, daher tut Austausch gut. Es muss noch nicht einmal zum Gespräch kommen – ein freundliches Lächeln, das erwidert wird, wirkt sich bereits spürbar auf unsere Laune aus.

Doch Sie müssen nicht zwingend sozial sein. Auch Denken ist ein gutes Unterhaltungsmedium – das häufig etwas vergessen geht. Das geht so: Man versorgt das Handy in der Tasche, lehnt sich zurück, richtet den Blick leicht nach oben und in die Ferne (kein Witz, das verbessert die Leistung beim kreativen Denken). Nun ruft man die zur Lösung des Problems erforderlichen Informationen ins Kurzzeitgedächtnis. Dort bilden sie die Requisiten unserer mentalen Probebühne, die es uns erlaubt, mögliche Szenarien in der Fantasie durchzuspielen, bis wir die Lösung des Problems gefunden haben.

Pendeln als Me-Time

Viele Pendler nutzen den Weg zwischen Arbeit und Zuhause als Trennstrich, um zur Ruhe zu kommen. Das Beste, was man dafür tun kann: nichts. Allenfalls gepaart mit Musikhören und aus dem Fenster schauen. Der Wert des Nichtstuns lässt sich steigern, indem man sich des Nichtstuns bewusst wird. Meditation heisst das dann. Um das zu lernen, braucht es keinen Retreat in Indien, es geht auch gut mit Apps. Teuer, aber ihr Geld wert sind beispielsweise Headspace und Waking Up.

Wer nicht meditieren will, kann auch einfach tagträumen und den Gedanken oder dem Kultivieren von Ideen Raum lassen. Dabei geschehen im Gehirn sehr nützliche Dinge. Manche Neurowissenschaftler glauben, dass durch zielloses Glaren das «Default Mode Network» aktiviert wird, das beim Verarbeiten autobiografischer Gedanken sowie beim Nachdenken über unser Selbst und über unsere sozialen Bindungen eine Rolle spielt. Einen zusätzlichen Nutzen erreichen Sie, wenn Sie beim Tagträumen aus dem Fenster schauen. Der Blick in die Ferne entspannt die Muskeln, die im Auge für das Scharfstellen zuständig sind. Davon profitiert insbesondere, wer sonst die ganze Zeit auf den Bildschirm schaut.

Vielleicht die wertvollste psychologische Technik: kognitive Umstrukturierung. Umdenken, sozusagen – und sich in stressigen Situationen an den Nutzen des Pendelns erinnern. Man soll es sich nicht schönreden. Aber wer den Fokus nur auf das Schlechte richtet, verliert das Gute aus den Augen.

Pendeln als Sport

Ihr Arbeitsweg ist nicht allzu weit und Sie müssen weder Anzug noch Deuxpièces tragen? Dann gibt es eine zusätzliche Option – eine, die allen anderen überlegen ist: Pendeln als Sport. Wer kann, sollte den Arbeitsweg zu Fuss oder mit dem Velo in Angriff nehmen. Studien zeigen nämlich, dass aktive Pendler nicht nur am gesündesten sind, sondern erst noch am zufriedensten. Nicht trotz der körperlichen Anstrengung, sondern wegen.

Doch egal, wie angenehm wir uns das Pendeln machen, es kann niemals Selbstzweck sein. Was also tun, wenn Sie trotz guter Strategien mit dem Pendeln nicht glücklich werden? Dann müssen Sie der Wahrheit ins Auge blicken und zügeln. Oder eine nähergelegene Arbeit suchen. Denn eines ist sicher: Kein Job ist es wert, dass Sie sich ständigem Reisestress aussetzen. Und die schönste Wohnung ist nutzlos, wenn Sie sie nur im Dunkeln sehen.

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