Switzerland

«So kickt die Schweiz»: Steht der FCZ erneut vor der Krise und was ist mit Servettes Offensive los? +++ Charles Amoah wird vom Torschützenkönig zum Lageristen

Wir erinnern uns an die St. Galler Stürmerlegende Charles Amoah, und Sforza wird von Oliver Kahn beglückwünscht. Wissenswertes, Legendäres und Spannendes zum Schweizer Fussball gibt es ab sofort in «So kickt die Schweiz».

Die neue Saison in der Super League hat begonnen. Auf nzz.ch/sport finden Sie an dieser Stelle täglich Legendäres, Statistisches und Aktuelles aus der höchsten Schweizer Fussballliga – alles wohlgeordnet und kurz nach Schlusspfiff aktualisiert. Willkommen bei «So kickt die Schweiz».

Antonio Marchesano (vorne) und der FC Zürich empfangen am Samstagabend den FC Lugano. Es gilt mit einem Sieg die nächste Krise abzuwenden.

Antonio Marchesano (vorne) und der FC Zürich empfangen am Samstagabend den FC Lugano. Es gilt mit einem Sieg die nächste Krise abzuwenden.

Peter Klaunzer / Keystone

FC Zürich - Lugano. Der wichtigste Kampf des FC Zürich findet dieses Wochenende nicht auf dem Rasen statt, sondern im Abstimmungslokal, wenn die Stadtzürcher Bevölkerung über ein neues Stadion entscheidet. Sportlich hat der FCZ wieder einmal einen missratenen Saisonstart hinter sich, nach der Cup-Niederlage in Chiasso und dem 1:2 gegen YB in der Meisterschaft wartet die Mannschaft von Trainer Ludovic Magnin am Samstagabend gegen Lugano sehnsüchtig auf bessere Zeiten. Magnin sagt: «Wir wollen gegen Lugano erfolgreich sein.» Sonst ist der FCZ bald wieder dort, wo er schon Ende Saison war: in der Krise. (fcl)

Servette – Basel. Als kecker Aufsteiger war der Servette FC neben St. Gallen die positive Überraschung der Saison 2019/20. Doch dem Team des Trainers Alain Geiger ist Sand ins Getriebe geraten, aus den letzten 15 Meisterschaftsspielen resultierten nur noch zwei Siege und das Europacup-Abenteuer ist auch bereits zu Ende. Das 0:1 in der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League von Ende August wäre zu verhindern gewesen, Stade Reims hatte sich bemerkenswert schwach präsentiert; der Präsident des französischen Erstligisten zog im Stadionlift nach Abpfiff das launige Fazit: «Quelle Tristesse! Wie kann man nur so schlecht spielen?». Die Antwort fand Reims offenbar nicht – es schied am Donnerstag in der 3. Runde aus. Basel dagegen setzte sich mit 3:2 gegen Famagusta durch. Es war ein Sieg, der Kraft kostete, was Servette am Sonntag in die Karten spielen könnte. Möglich, dass der neue, aus Nîmes verpflichtete Mittelfeldspieler Théo Valls für Servette debütiert. Das Hauptproblem bleibt jedoch unverändert die Offensive: in den letzten fünf Super-League-Partien gelang nur einmal mehr als ein Tor, designierte Schlüsselspieler wie Varol Tasar sind seit Längerem ausser Form (nbr)

Fünf Tore in sechs Spielen: die Europacup-Bilanz von Charles Amoah im Jahr 2000.

Fünf Tore in sechs Spielen: die Europacup-Bilanz von Charles Amoah im Jahr 2000.

Steffen Schmidt / Keystone

krp.

Wie so oft steht Charles Amoah an jenem Abend dort, wo ein guter Stürmer stehen muss, und trifft. Plötzlich führt der FC St. Gallen im Uefa-Cup gegen das grosse Chelsea 2:0 und erreicht gegen das Team mit Christian Panucci, Jimmy Floyd Hasselbaink und Gianfranco Zola die nächste Runde. 20 Jahre ist das her.

Amoah ist damals der Schlüsselspieler des FC St. Gallen, mit dem Trainer Marcel Koller hat der Ghanaer von Wil nach St. Gallen gewechselt und dort eingeschlagen. Amoah wird in der Saison 1999/2000 mit 26 Treffern Torschützenkönig und der FCSG erstmals seit 96 Jahren Meister. «Amoah, oh, oh», singen die Fans im Espenmoos. Und in der Stadt brechen alle Dämme, 60 000 Personen feiern auf dem Marktplatz. Amoah ist mittendrin.

Auf den Torriecher von Amoah ist auch im Europacup Verlass, fünf Tore in sechs Spielen erzielt er im Uefa-Cup und in der Champions-League-Qualifikation gegen Galatasaray Istanbul, Chelsea und Brügge.

Andere Klubs werden deshalb auf Amoahs Treffsicherheit aufmerksam. Für 54 Millionen Schilling (umgerechnet 4 Millionen Franken) wechselt er 2001 zu Sturm Graz. In Österreich wird er den Erwartungen nicht gerecht, er wird ausgeliehen, findet das Stürmerglück nicht mehr.

Nach dem Karriereende 2007 arbeitet Amoah für eine österreichische Brauerei als Lagerist, momentan sucht er eine Stelle. Sein Sohn Winfried Amoah ist ebenfalls Fussballprofi geworden. Der Vater Amoah, heute 45 Jahre alt, sagte gegenüber dem «Blick», er hoffe, dass Winfried dereinst für St. Gallen spielen werde. Mitkommen würde der Vater aber nicht. Sobald die drei Kinder erwachsen sind, will Charles Amoah nach Ghana zurückkehren.

Der Schiedsrichter Urs Schnyder zeigt dem am Boden knienden Hekuran Kryeziu (rechts) die rote Karte. Dessen Mitspieler sind damit nicht einverstanden.

Der Schiedsrichter Urs Schnyder zeigt dem am Boden knienden Hekuran Kryeziu (rechts) die rote Karte. Dessen Mitspieler sind damit nicht einverstanden.

Peter Schneider / Keystone

Die Schiedsrichter hatten zum Auftakt der Super-League-Saison 2020/21 viel zu tun. In drei von fünf Spielen stellten sie insgesamt vier Spieler vom Platz. So viele rote Karten gab es in der ersten Runde seit Einführung der Super League nicht.

Anzahl rote Karten in der ersten Runde

Seit Einführung der Super League

0123452020/212019/202018/192017/182016/172015/162014/152013/142012/132011/122010/112009/102008/092007/082006/072005/062004/052003/04

Dafür gingen die Schiedsrichter mit Verwarnungen sparsamer um, so wenige gelbe Karten verteilten die Referees nur in der ersten Super-League-Saison 2003/04. Auffällig tief ist die Anzahl gelber Karten, die am Wochenende den Spielern der Super League gezeigt wurden.

Anzahl gelbe Karten in der ersten Runde der Super League

Seit Einführung der Super League

2020/212019/202018/192017/182016/172015/162014/152013/142012/132011/122010/112009/102008/092007/082006/072005/062004/052003/04172326262120181924232923162215262414

Ein neues Trainerduo: Ciriaco Sforza (vorne) und Patrick Rahmen sollen den FCB zurück in die Spur bringen.

Ein neues Trainerduo: Ciriaco Sforza (vorne) und Patrick Rahmen sollen den FCB zurück in die Spur bringen.

Georgios Kefalas / EPA

  • Alte Seilschaften im FC Basel: Ciriaco Sforza, seit wenigen Wochen Trainer im FC Basel, hat dem «Blick» ein Interview gegeben. Darin verrät er, dass auch der frühere Bayern-Goalie Oliver Kahn ihm zum neuen Trainerjob gratuliert habe. «Der FCB ist international eine Nummer», sagt Sforza. Dass er deutlich weniger verdienen dürfte als der Vorgänger Marcel Koller, bereitet Sforza keinen Unmut. Er sagt: «Eine günstige Lösung hat nichts mit Qualität zu tun. Mir geht es um den Fussball. Nicht um Geld.»

    Diese Woche wurde bekannt, dass Sforza mit Patrick Rahmen einen neuen Assistenten erhält. Rahmen war auch schon als Cheftrainer von Basel im Gespräch; sägt Rahmen also bald am Stuhl des Chefs? Sforza macht sich keine Sorgen und sagt: «Patrick ist nicht auf meinen Job aus.» Ausserdem kenne er Rahmen schon lange. «Mit seinem Bruder habe ich sogar die RS gemacht», sagt Sforza. Alte Seilschaften aus dem Militär gibt es nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im FCB. 

  • Präsident wechseln statt Trainer entlassen: Im November belegte der FC Vaduz den achten Rang in der Challenge League, der Aufstieg lag in weiter Ferne. Normalerweise tauschen Klubs in solchen Situationen den Trainer aus, nicht so in Liechtenstein. Mario Frick blieb. Dafür trat Ende 2019 die Präsidentin Ruth Ospelt zurück. Prompt kehrte der Erfolg ins Ländle zurück, Vaduz stieg in die Super League auf. Vielleicht ist ein Präsidentenwechsel das neue Erfolgsrezept – und eine Option für den FCZ und den FCB auf dem Weg zurück an die Spitze.
  • Der FC Sion erhält seinen Boykott gegenüber «Le Nouvelliste» zu Beginn der Super-League-Saison 2020/21 aufrecht. Dies gab die französischsprachige Tageszeitung des Wallis selber bekannt. Der Boykott ist seit Beginn der Saison 2018/19 in Kraft. Der Sitten-Präsident Christian Constantin und die Zeitung fanden bisher keine Einigung. Auch weil sich das Blatt weigerte, ein Interview mit Constantin als Teil der Bedingungen für die Beendigung des Boykotts zu veröffentlichen. Die Journalisten des «Nouvelliste» erhalten somit weiterhin keine Akkreditierung für die Heimspiele des FC Sion.

Football news:

Ex-FIFA-Inspektor Bartfeld über das 2.Tor von loko Red Bull: der Schiedsrichter hat sich geirrt. Der Ehemalige FIFA-Inspektor Nathan Bartfeld sagte, dass das zweite Tor des FC Lokomotive Im Champions-League-Spiel gegen Red Bull Salzburg von Francois Camano am Fuß des Gegners getroffen worden sei
Vinicius nach dem 2:3 mit Bergmann: Real konzentriert sich bereits darauf, den Clásico zu gewinnen
Coman über Atlético-Niederlage: Bayern will weiter gewinnen. Wir haben gut gespielt, ich habe zwei Tore geschossen, was mich sehr freut. Natürlich erinnere ich mich manchmal noch an ein Tor im Finale, aber die neue Saison hat bereits begonnen
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