Switzerland

«So kickt die Schweiz»: Servette gelingt ein Transfercoup und bezwingt den FC Zürich in letzter Minute

Der FC St. Gallen muss länger in Quarantäne, sein Spiel vom Samstag gegen Vaduz ist verschoben. Und unsere Statistik der Woche zeigt: Der FC Basel verschläft den Saisonstart schon wieder. Wissenswertes, Legendäres und Spannendes zum Schweizer Fussball gibt es in «So kickt die Schweiz».

Auf nzz.ch/sport finden Sie an dieser Stelle täglich Legendäres, Statistisches und Aktuelles aus der höchsten Schweizer Fussballliga – alles wohlgeordnet und kurz nach Schlusspfiff aktualisiert. Willkommen bei «So kickt die Schweiz».

Servette, hier mit Regisseur Miroslav Stevanovic (vorne), kämpft sich zum Sieg gegen den FCZ.

Servette, hier mit Regisseur Miroslav Stevanovic (vorne), kämpft sich zum Sieg gegen den FCZ.

Martial Trezzini / Keystone

(sda) Der FC Zürich hat die erste Niederlage in dieser Saison mit dem Interimscoach Massimo Rizzo bezogen. Wenige Sekunden vor Schluss kassierte der FCZ bei Servette das entscheidende 1:2. In den weiteren Nachtragsspielen vom Mittwoch kamen Luzern und Lausanne zu Heimsiegen.

Auf den ersten Rückstand hatte der FC Zürich noch rasch reagieren können. Das 1:1 von Toni Domgjoni (75.) fiel rund fünf Minuten nach dem Treffer des Genfer Stürmers Grejohn Kyei. Auf das zweite Tor der Gastgeber war kein Reagieren mehr möglich: Théo Valls traf nach 93 Minuten und fast unmittelbar vor dem Schlusspfiff.

Der FC Luzern feierte wenige Tage nach dem ersten gleich den zweiten Sieg in der laufenden Meisterschaft. Die Innerschweizer setzten sich gegen den FC Sitten mit 2:0 durch.

Im Duell der Aufsteiger schlug Lausanne unter anderem dank zweier Tore von Aldin Turkes den FC Vaduz mit 3:0. Wenige Tage nach der Niederlage gegen die Young Boys bei der Stadioneröffnung war es der erste Lausanner Sieg im Stade de la Tuilière.

ram. · Mit acht Spielen ist das erste Viertel der Meisterschaft fast gespielt – der FC Basel hat nur zehn Punkte geholt und bereits acht Punkte Abstand auf den Tabellenführer YB. Das könnte den Eindruck erwecken, dass der Zug im Meisterschaftsrennen bereits abgefahren ist. Doch der Blick in die Statistik bietet dem rotblauen Anhänger und auch dem FCB-Trainer Ciriaco Sforza Trost: Vor elf Jahren war der FCB mit Thorsten Fink noch schlechter gestartet und hatte nach acht Runden sogar elf Punkte Rückstand auf den damaligen Leader YB – am Ende holte der FCB die Meisterschaft.

Auffällig ist, dass der FCB in den Jahren des andauernden Erfolges öfter nicht dominant in die Saison startete. Ausser mit dem Trainer Urs Fischer, der in beiden Saisons jeweils das Punktemaximum erreichte und Ende Saison auch den Titel, kam der FCB meist eher mühevoll aus den Startlöchern. Und als Marcel Koller vor einem Jahr nach acht Spielen an der Tabellenspitze stand, war am Ende der ersten Corona-Saison auch nichts mit dem Titel. Sforza muss sich also noch keinen Kopf machen über die dürftige Punktebilanz. Aber er sollte dennoch anfangen, mit seiner Mannschaft zu gewinnen – eher früher als später.

Der FC Basel verschläft den Saisonstart

Rückstand auf den Leader

Punkte Basel

Punkte Leader

051015202520/2119/2018/1917/1816/1715/1614/1513/1412/1311/1210/1109/10Saison / Trainer+8+8+12+12+6+6+1+1+3+3+5+5+6+6+4+4+11+11

Livio Zanetti war oft zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, auf und neben dem Spielfeld.

Livio Zanetti war oft zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, auf und neben dem Spielfeld.

Keystone

ac.

· Der Kanton Graubünden ist Wintersportland. Es kommt selten vor, dass es ein Spieler aus dieser Gegend in die grosse Fussballwelt schafft. Einer der wenigen war Livio Zanetti. Er erreichte mit GC zwischen 1980 und 1983 zwei Meistertitel, einen Cup-Sieg und einen Uefa-Cup-Viertelfinal. Gemessen am Werdegang darf man diesen Palmarès getrost als Sensation bezeichnen.

Denn Zanetti ist nicht nur Bündner, sondern auch: Puschlaver. Und das Puschlav, dieses verträumte Tal auf der südlichen Seite des Alpenpasses Bernina, war vor einem halben Jahrhundert nahezu Fussball-Brachland. Die Spieler organisierten sich selber, ohne Trainer, wenn sie auf einer Wiese kicken wollten. Und die Trikots mussten sie über der Grenze im italienischen Tirano besorgen, weil bei ihnen kein Sportgeschäft solche im Sortiment hatte. Ihre Mütter nähten dann Rückennummern auf.

Irgendwann landete die AC Poschiavo plötzlich irgendwie in der 3. Liga – und Zanetti beim grossen GC. Er verstand sich prächtig mit dem Trainer Timo Konietzka und stürmte an der Seite von Claudio Sulser. Dass es überhaupt dazu kam, war Zufällen zu verdanken, wie Zanetti der Zeitung «Südostschweiz» erzählte: «Wenn ich damals, ein Jahr vor der Maturaprüfung, wegen Missachtung der Internatsregeln nicht aus der Klosterschule Disentis verwiesen worden wäre, die Dinge hätten sich wohl komplett in eine andere Richtung entwickelt.»

Wegen dieses Hinauswurfs suchte er eine Teilzeitarbeitsstelle, um sich das Jus-Studium zu finanzieren, und er fand diese bei einer Bank in Zürich. Weil er dort in der 1. Liga bei den Young Fellows auf eine beachtliche Torquote kam, wurde GC auf ihn aufmerksam. Es zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben: Zanetti war oft zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, wie man gerne sagt.

Zanetti galt als sogenannter Strafraumstürmer und Abstauber, also als einer, der vor dem gegnerischen Tor den Riecher hatte, wohin die Bälle als Nächstes fliegen könnten. In 89 Nationalliga-A-Spielen für GC und Wettingen gelangen ihm 26 Tore. Mit Kampf kompensierte er technische Defizite, die seiner spärlichen fussballerischen Grundausbildung geschuldet waren. 1985, mit erst 27 Jahren, beendete Zanetti die Karriere. Er litt unter Knieproblemen.

Doch der Erfolg blieb ihm hold. Zanetti etablierte sich in Zürich als Rechtsanwalt, in einer Kanzlei am Hegibachplatz. Valposchiavo Calcio, der heute einzige Fussballklub des Puschlavs, spielt in der 3. Liga, in der Organisation des Ostschweizer Fussballverbands. Das Tal scheint nun noch abgeschnittener von der Fussballwelt zu sein als früher: Die Amateure benötigen bei Auswärtspartien für jede Anreise mehr als zwei, manchmal sogar mehr als drei Autostunden. Ein Spieler sagt in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Zwölf», sie kämen manchmal wie lahme Fliegen am Spielort an.

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Lucien Favre war ja schon Meistertrainer, damals mit dem FC Zürich, aber gut, das zählt vermutlich nicht.

Lucien Favre war ja schon Meistertrainer, damals mit dem FC Zürich, aber gut, das zählt vermutlich nicht.

Leon Kuegeler / Reuters

fcl. · Irgendetwas stimmt nicht mit den Deutschen, mit den Experten, den Journalisten, den Fussballfans. Da schicken wir ihnen unseren besten Mann, und sie verstehen ihn einfach nicht. Zweieinhalb Jahre ist Lucien Favre nun schon Trainer bei Borussia Dortmund, aber es ist immer noch, als wäre er erst gestern gekommen.

Am Wochenende hat er mit dem BVB wieder einmal verloren, 1:2 gegen Köln, das sollte nicht passieren, kann aber vorkommen. Normalerweise redet man dann über das, was da schiefgegangen sei, ob der Trainer etwas falsch gemacht habe. Lustig ist, dass im Fall von Favre jede Niederlage zur immergleichen Grundsatzfrage führt: Ist er wirklich der richtige Trainer für Dortmund? Vermutlich ist sie schon 24 Mal gestellt worden, so oft hat Favre nämlich verloren, in seinen 106 Spielen mit dem BVB. Auf Twitter schrieb jemand: «Es macht keinen Sinn, so weiterzuarbeiten. Diese Diskussion ist erst beendet, wenn Favre Geschichte ist.»

Es ist eine ermüdende Diskussion, vielleicht könnte man sich ja wenigstens einmal im Grundsatz darüber einig werden, was von Favre zu halten sei. Das sollte eigentlich möglich sein, in Deutschland versteht man ja viel von Fussball. Aber mit Favre ist es fast so, als habe man einen Spitzenkoch für französisches Essen engagiert und sich dann beklagt, dass man seine Menus nicht möge, weil er nie italienisch koche.

«Aus meiner Sicht ist Lucien Favre kein Meistertrainer», sagte Benedikt Höwedes, der frühere Schalker Captain, am Sonntag in einem Fussball-Talk am deutschen Fernsehen. Lothar Matthäus hat sich sinngemäss schon mehrfach so geäussert und immer auch gleich ein paar Nachfolger für Favre parat. Favre war ja schon Meistertrainer, damals mit dem FC Zürich, aber gut, das zählt vermutlich nicht. Aber die Frage, ob Favre ein Meistertrainer sei, ist vermutlich sowieso falsch gestellt. Am Ende entscheiden nicht nur Favre und seine Arbeit darüber, sondern auch der FC Bayern. Die beste Vereinsmannschaft der Welt.

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