Switzerland

«So kickt die Schweiz»: GC hat ein Stürmerproblem – und gewinnt gegen den SC Kriens trotzdem 2:0 +++ Der legendäre John Eriksen trifft mit links, mit rechts, mit dem Kopf und im Liegen – nur einen Titel gewinnt er nie

Servette gelingt ein Transfercoup. Und unsere Statistik der Woche zeigt: Der FC Basel verschläft den Saisonstart schon wieder. Wissenswertes, Legendäres und Spannendes zum Schweizer Fussball gibt es in «So kickt die Schweiz».

Auf nzz.ch/sport finden Sie an dieser Stelle täglich Legendäres, Statistisches und Aktuelles aus der höchsten Schweizer Fussballliga – alles wohlgeordnet und kurz nach Schlusspfiff aktualisiert. Willkommen bei «So kickt die Schweiz».

Mit dem Sieg gegen den SC Kriens festigen die Grasshoppers die Tabellenführung in der Challenge League.

Mit dem Sieg gegen den SC Kriens festigen die Grasshoppers die Tabellenführung in der Challenge League.

Walter Bieri / Keystone

– Tore: 35. Pusic 1:0. 79. Morandi 2:0. – GC kombiniert ansehnlich, bringt vor dem gegnerischen Tor aber wenig zustande. Die defensiven Krienser sind glücklos bei ihren Kontern, erst nach Morandis 2:0 lassen sie nach. GC festigt mit dem Sieg die Tabellenführung.

Das ist uns aufgefallen: GC sucht noch immer einen Mittelstürmer. Gegen den SC Kriens schickte der GC-Trainer Carlos Pereira erstmals von Beginn an Daniel Ponde aufs Feld. Der 25-jährige Portugiese war im letzten Spiel in Wil eingewechselt worden und hatte den Ausgleich erzielt. Doch Ponde konnte am bisherigen Eindruck eines biederen Neuzugangs nichts ändern. Für ihn kam nach 65 Minuten Léo Bonatini aufs Feld, der mit bisher zwei Goals ebenfalls noch nicht angedeutet hat, weshalb er einst in Wolverhampton ein Publikumsliebling war. Auch Shkelqim Demhasaj, der dritte GC-Mittelstürmer, überzeugte bisher nicht. Bei GC bleibt das Sturmzentrum eine Zone ohne Hierarchie und Qualität. Ein Zustand, der auf längere Sicht Probleme bereiten wird. (ram.)

John Eriksen stand für die totale Reduktion des Fussballs auf das Toreschiessen.

John Eriksen stand für die totale Reduktion des Fussballs auf das Toreschiessen.

Keystone

fcl.

John Eriksen ist auf dem St.-Nicolai-Friedhof in Svendborg in Dänemark begraben, es ist ein unscheinbares Grab, ein Fussball-Journalist hat es kürzlich gesucht und kaum gefunden. 2002 ist Eriksen nach sechsjähriger Alzheimerkrankheit in einem Pflegeheim gestorben, mit 44. Vergessen hat man ihn nicht, gerade in der Schweiz nicht.

Eriksen ist für den Schweizer Fussball so etwas wie Gerd Müller für die Deutschen mit seinem unheimlichen Instinkt für Tore. Müller war tatsächlich Eriksens Vorbild, er hat ihn inspiriert, er stand für die totale Reduktion des Fussballs auf das Toreschiessen, Müller und Eriksen, beide konnten nichts anderes. «Ich konnte mein Spiel nie gut verkaufen», sagte Eriksen, der als Beruf Verkäufer gelernt hat, in einem Interview, «das Publikum liebt mich nicht für mein Spiel, sondern für meine Tore.» Der Stürmer, der schicksalshaft trifft und trifft, aber keine Titel gewinnt, so war Eriksens Fussballer-Leben, ein Abergläubiger, der die Kabine immer als Letzter verliess und nur seinem Gefühl vertraute.

1988 war Eriksens Wunder-Saison mit Servette, in 34 Spielen erzielte er 36 Tore, seit dem Zweiten Weltkrieg hatte niemand häufiger getroffen in der höchsten Schweizer Liga und seither auch nicht. Im letzten Spiel dieser sagenhaften Saison traf er gleich vier Mal, im Liegen, mit dem Kopf, mit rechts und links. Eriksen konnte alles, ein unscheinbarer blonder Däne in einer Genfer Star-Manege, mit Karl-Heinz Rummenigge, Lucien Favre, Sinval. Am Ende der Saison hatte Eriksen 15 Tore mehr erzielt als der zweitplatzierte Wynton Rufer, der damals für den FC Aarau spielte.

Eriksen war eine Ausnahmeerscheinung, ein Stürmer, der auch dank den Zahlen zu erfassen ist. Wo er auch war: Er hat überall mindestens in jedem zweiten Spiel getroffen, für Odense, Kerkrade, Mulhouse, Feyenoord, aber nie für einen ganz grossen Verein gespielt. Dafür aber in der dänischen Nationalmannschaft, an der WM 1986 und der EM 1988.

Nach drei Jahren und 75 Toren für Servette wechselte Eriksen 1989 zum Schweizer Meister Luzern. Für die Innerschweizer traf er in zwei Saisons noch 37 Mal. Nach fünf Jahren verliess Eriksen im Alter von 33 Jahren die Schweiz.

Lust auf weitere Legenden? Hier geht es zu den gesammelten Legenden der Woche.

Servette, hier mit dem Vorlagengeber Miroslav Stevanovic (vorne), kämpft sich zum Sieg gegen den FCZ.

Servette, hier mit dem Vorlagengeber Miroslav Stevanovic (vorne), kämpft sich zum Sieg gegen den FCZ.

Martial Trezzini / Keystone

Tore: 69. Kyei 1:0. 75. Domgjoni 1:1. 93. Valls 2:1. – Der FC Zürich verliert mit dem Interimscoach Massimo Rizzo erstmals. Dem Franzosen Théo Valls gelingt für den Tabellenletzten Servette wenige Sekunden vor Schluss der Siegtreffer. Für den FCZ ist die Niederlage bitter, er war in Genf das bessere Team gewesen.

Das ist uns aufgefallen: Trotz akuter Personalnot in der Abwehr besiegt Servette den FC Zürich. Der Genfer Trainer Alain Geiger hatte eine Patchwork-Abwehr aufstellen müssen – links der Franzose Yoan Severin, und neben ihm in der Viererkette der Kameruner Gaël Ondoua, der eigentlich im defensiven Mittelfeld zu Hause ist. Der FCZ verpasste es, aus den Sorgen des Gegners Kapital zu schlagen, weil er im Abschluss sündigte: Assan Ceesay kurz vor der Pause und das Talent Wilfried Gnonto in der Nachspielzeit verpassten beste Gelegenheiten für die Zürcher. Théo Valls bestrafte die Nachlässigkeiten mit einem Lucky Punch. Für den FCZ war es die erste Niederlage seit dem 3. Oktober und dem Trainerwechsel von Ludovic Magnin zu Massimo Rizzo. (nbr.)

ram. Mit acht Spielen ist das erste Viertel der Meisterschaft fast gespielt – der FC Basel hat nur zehn Punkte geholt und bereits acht Punkte Abstand auf den Tabellenführer YB. Das könnte den Eindruck erwecken, dass der Zug im Meisterschaftsrennen bereits abgefahren ist. Doch der Blick in die Statistik bietet dem rotblauen Anhänger und auch dem FCB-Trainer Ciriaco Sforza Trost: Vor elf Jahren war der FCB mit Thorsten Fink noch schlechter gestartet und hatte nach acht Runden sogar elf Punkte Rückstand auf den damaligen Leader YB – am Ende holte der FCB die Meisterschaft.

Auffällig ist, dass der FCB in den Jahren des andauernden Erfolges öfter nicht dominant in die Saison startete. Ausser mit dem Trainer Urs Fischer, der in beiden Saisons jeweils das Punktemaximum erreichte und Ende Saison auch den Titel, kam der FCB meist eher mühevoll aus den Startlöchern. Und als Marcel Koller vor einem Jahr nach acht Spielen an der Tabellenspitze stand, war am Ende der ersten Corona-Saison auch nichts mit dem Titel. Sforza muss sich also noch keinen Kopf machen über die dürftige Punktebilanz. Aber er sollte dennoch anfangen, mit seiner Mannschaft zu gewinnen – eher früher als später.

Der FC Basel verschläft den Saisonstart

Rückstand auf den Leader

Punkte Basel

Punkte Leader

051015202520/2119/2018/1917/1816/1715/1614/1513/1412/1311/1210/1109/10Saison / Trainer+8+8+12+12+6+6+1+1+3+3+5+5+6+6+4+4+11+11

Gaël Clichy, hier 2016 im Dress von Manchester City, spielt neu für Servette.

Gaël Clichy, hier 2016 im Dress von Manchester City, spielt neu für Servette.

Darren Staples / Reuters

Lucien Favre war ja schon Meistertrainer, damals mit dem FC Zürich, aber gut, das zählt vermutlich nicht.

Lucien Favre war ja schon Meistertrainer, damals mit dem FC Zürich, aber gut, das zählt vermutlich nicht.

Leon Kuegeler / Reuters

fcl. Irgendetwas stimmt nicht mit den Deutschen, mit den Experten, den Journalisten, den Fussballfans. Da schicken wir ihnen unseren besten Mann, und sie verstehen ihn einfach nicht. Zweieinhalb Jahre ist Lucien Favre nun schon Trainer bei Borussia Dortmund, aber es ist immer noch, als wäre er erst gestern gekommen.

Am Wochenende hat er mit dem BVB wieder einmal verloren, 1:2 gegen Köln, das sollte nicht passieren, kann aber vorkommen. Normalerweise redet man dann über das, was da schiefgegangen sei, ob der Trainer etwas falsch gemacht habe. Lustig ist, dass im Fall von Favre jede Niederlage zur immergleichen Grundsatzfrage führt: Ist er wirklich der richtige Trainer für Dortmund? Vermutlich ist sie schon 24 Mal gestellt worden, so oft hat Favre nämlich verloren, in seinen 106 Spielen mit dem BVB. Auf Twitter schrieb jemand: «Es macht keinen Sinn, so weiterzuarbeiten. Diese Diskussion ist erst beendet, wenn Favre Geschichte ist.»

Es ist eine ermüdende Diskussion, vielleicht könnte man sich ja wenigstens einmal im Grundsatz darüber einig werden, was von Favre zu halten sei. Das sollte eigentlich möglich sein, in Deutschland versteht man ja viel von Fussball. Aber mit Favre ist es fast so, als habe man einen Spitzenkoch für französisches Essen engagiert und sich dann beklagt, dass man seine Menus nicht möge, weil er nie italienisch koche.

«Aus meiner Sicht ist Lucien Favre kein Meistertrainer», sagte Benedikt Höwedes, der frühere Schalker Captain, am Sonntag in einem Fussball-Talk am deutschen Fernsehen. Lothar Matthäus hat sich sinngemäss schon mehrfach so geäussert und immer auch gleich ein paar Nachfolger für Favre parat. Favre war ja schon Meistertrainer, damals mit dem FC Zürich, aber gut, das zählt vermutlich nicht. Aber die Frage, ob Favre ein Meistertrainer sei, ist vermutlich sowieso falsch gestellt. Am Ende entscheiden nicht nur Favre und seine Arbeit darüber, sondern auch der FC Bayern. Die beste Vereinsmannschaft der Welt.

Football news:

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