Switzerland

«So kickt die Schweiz»: Der FCZ muss unter Massimo Rizzo erstmals auf eine Niederlage reagieren +++ Der legendäre John Eriksen trifft mit links, mit rechts, mit dem Kopf und im Liegen – nur einen Titel gewinnt er nie

Der FCB und Dimitri Oberlin lösen den Vertrag auf. Lugano muss in Quarantäne. Und unsere Statistik der Woche zeigt: Der FC Basel verschläft den Saisonstart schon wieder — Ciriaco Sforza ist gefordert. Wissenswertes, Legendäres und Spannendes zum Schweizer Fussball gibt es in «So kickt die Schweiz».

Auf nzz.ch/sport finden Sie an dieser Stelle täglich Legendäres, Statistisches und Aktuelles aus der höchsten Schweizer Fussballliga – alles wohlgeordnet und kurz nach Schlusspfiff aktualisiert. Willkommen bei «So kickt die Schweiz».

FCZ-Trainer Massimo Rizzo.

FCZ-Trainer Massimo Rizzo.

Laurent Gillieron / Keystone

FC Zürich – Lausanne Sport (Sonntag, 16 Uhr): Wie viel mentale Substanz hat dem FCZ die Last-Minute-Niederlage in Genf bei Servette gekostet? Nach vier Siegen und einem Remis verlor der FCZ zum ersten Mal mit dem neuen Trainer Massimo Rizzo. «Wir haben die Ordnung verloren», sagte Rizzo über die Nachspielzeit, als der 17-jährige Wilfried Gnonto den Siegtreffer verpasste und im Gegenzug Servettes Theo Valls das 2:1 schoss. Mit Lausanne Sport reist am Sonntag eine junge Mannschaft in den Letzigrund, die der FCZ schlagen müsste, will er auf dem Weg in die obere Tabellenhälfte bleiben. Die Zürcher stützten sich zuletzt auf eine eher defensive Organisation. Nach dem resultatmässigen Rückschlag in Genf wird sich nun gegen Lausanne und am kommenden Mittwoch gegen St. Gallen weisen müssen, ob Rizzo sein Team auch in der Offensive inspirieren kann. (ram.)

Mit dem Sieg gegen den SC Kriens festigen die Grasshoppers die Tabellenführung in der Challenge League.

Mit dem Sieg gegen den SC Kriens festigen die Grasshoppers die Tabellenführung in der Challenge League.

Walter Bieri / Keystone

– Tore: 35. Pusic 1:0. 79. Morandi 2:0. – GC kombiniert ansehnlich, bringt vor dem gegnerischen Tor aber wenig zustande. Die defensiven Krienser sind glücklos bei ihren Kontern, erst nach Morandis 2:0 lassen sie nach. GC festigt mit dem Sieg die Tabellenführung.

Was uns aufgefallen ist: GC sucht noch immer einen Mittelstürmer. Gegen den SC Kriens schickte der GC-Trainer Carlos Pereira erstmals von Beginn an Daniel Ponde aufs Feld. Der 25-jährige Portugiese war im letzten Spiel in Wil eingewechselt worden und hatte den Ausgleich erzielt. Doch Ponde konnte am bisherigen Eindruck eines biederen Neuzugangs nichts ändern. Für ihn kam nach 65 Minuten Léo Bonatini aufs Feld, der mit bisher zwei Goals ebenfalls noch nicht angedeutet hat, weshalb er einst in Wolverhampton ein Publikumsliebling war. Auch Shkelqim Demhasaj, der dritte GC-Mittelstürmer, überzeugte bisher nicht. Bei GC bleibt das Sturmzentrum eine Zone ohne Hierarchie und Qualität. Ein Zustand, der auf längere Sicht Probleme bereiten wird. (ram.)

John Eriksen stand für die totale Reduktion des Fussballs auf das Toreschiessen.

John Eriksen stand für die totale Reduktion des Fussballs auf das Toreschiessen.

Keystone

fcl.

John Eriksen ist auf dem St.-Nicolai-Friedhof in Svendborg in Dänemark begraben, es ist ein unscheinbares Grab, ein Fussball-Journalist hat es kürzlich gesucht und kaum gefunden. 2002 ist Eriksen nach sechsjähriger Alzheimerkrankheit in einem Pflegeheim gestorben, mit 44. Vergessen hat man ihn nicht, gerade in der Schweiz nicht.

Eriksen ist für den Schweizer Fussball so etwas wie Gerd Müller für die Deutschen mit seinem unheimlichen Instinkt für Tore. Müller war tatsächlich Eriksens Vorbild, er hat ihn inspiriert, er stand für die totale Reduktion des Fussballs auf das Toreschiessen, Müller und Eriksen, beide konnten nichts anderes. «Ich konnte mein Spiel nie gut verkaufen», sagte Eriksen, der als Beruf Verkäufer gelernt hat, in einem Interview, «das Publikum liebt mich nicht für mein Spiel, sondern für meine Tore.» Der Stürmer, der schicksalshaft trifft und trifft, aber keine Titel gewinnt, so war Eriksens Fussballer-Leben, ein Abergläubiger, der die Kabine immer als Letzter verliess und nur seinem Gefühl vertraute.

1988 war Eriksens Wunder-Saison mit Servette, in 34 Spielen erzielte er 36 Tore, seit dem Zweiten Weltkrieg hatte niemand häufiger getroffen in der höchsten Schweizer Liga und seither auch nicht. Im letzten Spiel dieser sagenhaften Saison traf er gleich vier Mal, im Liegen, mit dem Kopf, mit rechts und links. Eriksen konnte alles, ein unscheinbarer blonder Däne in einer Genfer Star-Manege, mit Karl-Heinz Rummenigge, Lucien Favre, Sinval. Am Ende der Saison hatte Eriksen 15 Tore mehr erzielt als der zweitplatzierte Wynton Rufer, der damals für den FC Aarau spielte.

Eriksen war eine Ausnahmeerscheinung, ein Stürmer, der auch dank den Zahlen zu erfassen ist. Wo er auch war: Er hat überall mindestens in jedem zweiten Spiel getroffen, für Odense, Kerkrade, Mulhouse, Feyenoord, aber nie für einen ganz grossen Verein gespielt. Dafür aber in der dänischen Nationalmannschaft, an der WM 1986 und der EM 1988.

Nach drei Jahren und 75 Toren für Servette wechselte Eriksen 1989 zum Schweizer Meister Luzern. Für die Innerschweizer traf er in zwei Saisons noch 37 Mal. Nach fünf Jahren verliess Eriksen im Alter von 33 Jahren die Schweiz.

Lust auf weitere Legenden? Hier geht es zu den gesammelten Legenden der Woche.

ram. Mit acht Spielen ist das erste Viertel der Meisterschaft fast gespielt – der FC Basel hat nur zehn Punkte geholt und bereits acht Punkte Abstand auf den Tabellenführer YB. Das könnte den Eindruck erwecken, dass der Zug im Meisterschaftsrennen bereits abgefahren ist. Doch der Blick in die Statistik bietet dem rotblauen Anhänger und auch dem FCB-Trainer Ciriaco Sforza Trost: Vor elf Jahren war der FCB mit Thorsten Fink noch schlechter gestartet und hatte nach acht Runden sogar elf Punkte Rückstand auf den damaligen Leader YB – am Ende holte der FCB die Meisterschaft.

Auffällig ist, dass der FCB in den Jahren des andauernden Erfolges öfter nicht dominant in die Saison startete. Ausser mit dem Trainer Urs Fischer, der in beiden Saisons jeweils das Punktemaximum erreichte und Ende Saison auch den Titel, kam der FCB meist eher mühevoll aus den Startlöchern. Und als Marcel Koller vor einem Jahr nach acht Spielen an der Tabellenspitze stand, war am Ende der ersten Corona-Saison auch nichts mit dem Titel. Sforza muss sich also noch keinen Kopf machen über die dürftige Punktebilanz. Aber er sollte dennoch anfangen, mit seiner Mannschaft zu gewinnen – eher früher als später.

Der FC Basel verschläft den Saisonstart

Rückstand auf den Leader

Punkte Basel

Punkte Leader

051015202520/2119/2018/1917/1816/1715/1614/1513/1412/1311/1210/1109/10Saison / Trainer+8+8+12+12+6+6+1+1+3+3+5+5+6+6+4+4+11+11

Gaël Clichy, hier 2016 im Dress von Manchester City, spielt neu für Servette.

Gaël Clichy, hier 2016 im Dress von Manchester City, spielt neu für Servette.

Darren Staples / Reuters

  • Spiel gegen Sion abgesagt: Lugano muss in Quarantäne.
    Gemäss dem Schweizer Fernsehen kann das Super-League-Spiel vom Sonntag zwischen Lugano und dem FC Sion nicht stattfinden. Das Team der Tessiner habe sich nach einem positiven Coronavirus-Befund in Quarantäne begeben müssen, schreibt SRF. Eine Bestätigung der Swiss Football League (SFL) oder der Klubs steht noch aus. 
  • Dimitri Oberlin steht per Ende Jahr nicht mehr beim FC Basel unter Vertrag. Der 23-jährige Offensivspieler und der Basler Klub haben sich einvernehmlich auf eine Vertragsauflösung geeinigt.
    Oberlin stiess 2017 leihweise von Salzburg zu den Baslern, wurde dort aber bald nicht mehr glücklich. Es folgten für den Schweizer mit kamerunischen Wurzeln leihweise Engagements bei Empoli und dem belgischen Klub Zulte Waregem, ehe er im Sommer 2020 wieder nach Basel zurückkehrte. Zur Stammkraft reichte es Oberlin seit der Rückkehr nicht mehr. «Ich habe in Basel Höhen und Tiefen erlebt und möchte die Chance nun nutzen, bei einem neuen Verein regelmässig zu spielen und Freude am Fussball zu haben», liess sich Oberlin zitieren.
  • Servette mit Transfercoup. Die Genfer haben den früheren französischen Nationalspieler Gaël Clichy verpflichtet, mit einem bis Mitte 2022 gültigen Vertrag. Zuletzt stand der 35-jährige Aussenverteidiger beim türkischen Meister und aktuellen Champions-League-Teilnehmer Başakşehir Istanbul unter Vertrag. Früher spielte Clichy viele Jahre in der Premier League bei Arsenal London (mit dem heutigen Servette-Sportchef Philippe Senderos) sowie bei Manchester City. Für Frankreich absolvierte er 20 Länderspiele.
  • Längere Quarantäne beim FC St. Gallen. Seit vergangenem Freitag befindet sich die Mannschaft des FC St. Gallen in Quarantäne. Diese wurde vom Kantonsarzt nun bis und mit Samstag (5. Dezember) verlängert. Der Grund dafür ist, dass mit Yannis Letard, Miro Muheim und Nicolas Lüchinger drei weitere Spieler positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Das Heimspiel der St. Galler gegen Vaduz vom Samstagabend wurde verschoben. Wann die Partie nachgeholt wird, ist offen. 
  • Der FC Sion muss bis zur Winterpause ohne den Stürmer Guillaume Hoarau auskommen. Hoarau erlitt am Samstag im Spiel gegen Vaduz eine Muskelverletzung im Oberschenkel. Der 36-jährige Franzose verletzte sich bei einem Foul gegen einen Gegenspieler, für das er auch verwarnt wurde. Noch vor Ablauf einer halben Stunde musste er ausgewechselt werden. Dem Engagement des früheren Torschützenkönigs der Super League (für die Young Boys in der Saison 2018/19) ist im Wallis noch kein Erfolg beschieden. Hoarau stand seit seinem Transfer im Sommer von YB zu Sion erst zwei Mal in der Startformation der Mannschaft von Trainer Fabio Grosso. Ein Tor ist ihm noch nicht gelungen.
Lucien Favre war ja schon Meistertrainer, damals mit dem FC Zürich, aber gut, das zählt vermutlich nicht.

Lucien Favre war ja schon Meistertrainer, damals mit dem FC Zürich, aber gut, das zählt vermutlich nicht.

Leon Kuegeler / Reuters

fcl. Irgendetwas stimmt nicht mit den Deutschen, mit den Experten, den Journalisten, den Fussballfans. Da schicken wir ihnen unseren besten Mann, und sie verstehen ihn einfach nicht. Zweieinhalb Jahre ist Lucien Favre nun schon Trainer bei Borussia Dortmund, aber es ist immer noch, als wäre er erst gestern gekommen.

Am Wochenende hat er mit dem BVB wieder einmal verloren, 1:2 gegen Köln, das sollte nicht passieren, kann aber vorkommen. Normalerweise redet man dann über das, was da schiefgegangen sei, ob der Trainer etwas falsch gemacht habe. Lustig ist, dass im Fall von Favre jede Niederlage zur immergleichen Grundsatzfrage führt: Ist er wirklich der richtige Trainer für Dortmund? Vermutlich ist sie schon 24 Mal gestellt worden, so oft hat Favre nämlich verloren, in seinen 106 Spielen mit dem BVB. Auf Twitter schrieb jemand: «Es macht keinen Sinn, so weiterzuarbeiten. Diese Diskussion ist erst beendet, wenn Favre Geschichte ist.»

Es ist eine ermüdende Diskussion, vielleicht könnte man sich ja wenigstens einmal im Grundsatz darüber einig werden, was von Favre zu halten sei. Das sollte eigentlich möglich sein, in Deutschland versteht man ja viel von Fussball. Aber mit Favre ist es fast so, als habe man einen Spitzenkoch für französisches Essen engagiert und sich dann beklagt, dass man seine Menus nicht möge, weil er nie italienisch koche.

«Aus meiner Sicht ist Lucien Favre kein Meistertrainer», sagte Benedikt Höwedes, der frühere Schalker Captain, am Sonntag in einem Fussball-Talk am deutschen Fernsehen. Lothar Matthäus hat sich sinngemäss schon mehrfach so geäussert und immer auch gleich ein paar Nachfolger für Favre parat. Favre war ja schon Meistertrainer, damals mit dem FC Zürich, aber gut, das zählt vermutlich nicht. Aber die Frage, ob Favre ein Meistertrainer sei, ist vermutlich sowieso falsch gestellt. Am Ende entscheiden nicht nur Favre und seine Arbeit darüber, sondern auch der FC Bayern. Die beste Vereinsmannschaft der Welt.

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