Switzerland

So erpresst Christian Constantin den Schweizer Fussball

Der Präsident des FC Sion bedient sich bei einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Es geht ihm vor allem um eines: Chaos zu säen.

Christian Constantin schreckt vor kaum etwas zurück, wenn es darum geht, seinen Willen durchzusetzen.

Christian Constantin schreckt vor kaum etwas zurück, wenn es darum geht, seinen Willen durchzusetzen.

KEYSTONE

Geoffroy Serey Die wird zum Pfand im Spiel des Präsidenten des FC Sion. Laut Fifa-Regeln darf der Ivorer in dieser Saison nicht für Sitten spielen.

Geoffroy Serey Die wird zum Pfand im Spiel des Präsidenten des FC Sion. Laut Fifa-Regeln darf der Ivorer in dieser Saison nicht für Sitten spielen.

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Schliesslich hat Serey Die in dieser Spielzeit bereits für Xamax und hier Aarau gespielt. Aber die Regeln könnten sich bereits am Freitag an der Generalversammlung der Swiss Football League ändern.

Schliesslich hat Serey Die in dieser Spielzeit bereits für Xamax und hier Aarau gespielt. Aber die Regeln könnten sich bereits am Freitag an der Generalversammlung der Swiss Football League ändern.

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Und er tut es wieder. Natürlich. Warum sollte er sich auch ändern? Am Freitag werden die zwanzig Clubs im Schweizer Profifussball entscheiden, ob sie die unterbrochene Saison wieder aufnehmen. Doch fünf Tage zuvor prescht Christian Constantin vor und sät Chaos.

Nein, der Präsident des FC Sion hat kein Gesetz und keine Regel gebrochen, als er Geoffroy Serey Die einen neuen Vertrag per 1. Juni 2020 anbot. Oder vielleicht doch: Er hat erneut die Regeln des guten Anstandes ausser Kraft gesetzt. Indem er den Mittelfeldpuncher von Neuchâtel Xamax weglockt, tut er nichts anderes als die anderen 19 Schweizer Proficlubs zu erpressen.

Allein bei Xamax enden im Sommer 17 von 26 Spieler-Verträgen.

Constantin hat sich immer offen für einen Abbruch der aktuellen Saison ausgesprochen. Das ist sein gutes Recht als Besitzer und Geldgeber eines betroffenen Clubs. Sein Hauptargument lautet, dass auslaufende Verträge die Fortführung der Meisterschaft in den Juli verunmöglichen. Schliesslich haben die meisten Spieler und Trainer befristete Arbeitspapiere, die jeweils am 30. Juni eines Jahres enden.

Constantin spricht ein reales Problem an, das die Clubs im Fall einer Weiterführung der Meisterschaft lösen müssen. In der Super League laufen am 30. Juni 2020 nicht weniger als 86 Spieler-Verträge aus. Allein bei Xamax sind 17 von 26 Profis betroffen, die derzeit noch im Kader stehen.

Die Swiss Football League hat den Clubs drei Vorschläge vorgelegt, wie mit dem Problem umgegangen werden könnte:

  1. Es dürfen keine Transfers getätigt werden, bis die 13 ausstehenden Runden zu Ende gespielt sind.
  2. Es dürfen ab dem 10. Juni nationale Transfers durchgeführt werden, wenn ein Club Spieler ersetzen muss, die mindestens die Hälfte der bislang ausgetragenen Partien auf dem Feld standen.
  3. Ab dem 10. Juni sind alle Transfers innerhalb der Schweiz zugelassen.

Nun hat Constantin mit Serey Die einen Spieler gefunden, dessen Vertrag bereits am 31. Mai endet, und ihn per 1. Juni verpflichtet. Mit dem Transfer stellt er den Rest der Liga vor vollendete Tatsachen. Wenn sich die Präsidenten am Freitag in Bern treffen, ist Variante eins bereits vom Tisch. Selbst wenn eine Mehrheit der Clubs dafür wäre, bis Saisonende keine Transfers zuzulassen.

Denn eines ist klar: Nichts und niemand könnte Constantin daran hindern, Serey Die aufs Feld zu schicken und dann mit intakten Chancen vor ein Arbeitsgericht zu ziehen. Zwar darf Serey Die gemäss den Regeln des Weltfussballverbandes derzeit nicht für Sion spielen. Der Ivorer hat in dieser Saison schon die Trikots von Aarau und Xamax getragen. Spiele für mehr als zwei Clubs in einer Saison verbietet die Fifa.

Aber es ist völlig offen, welche Rechtsgrundlage ab dem 1. Juli gilt. Also dann, wenn unter normalen Umständen eine neue Saison beginnen würde. Welches Zivilgericht würde Serey Die dann wohl verbieten, wieder seiner Arbeit als Profifussballer nachzugehen? Und eine Meisterschaft, deren Ausgang möglicherweise erst nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten feststeht, muss gar nicht erst wieder angepfiffen werden.

Constantin sammelt Argumente für einen Abbruch der Saison.

Indem Constantin die anderen Vereine aber dazu zwingt, Transfers in der Schlussphase der Meisterschaft zuzulassen, sammelt er Argumente für einen Saisonabbruch. Oder für die Aufstockung der Super League auf zwölf Teams. Auch etwas, was Constantin befürwortet und worüber am Freitag abgestimmt wird.

Denn: Will der FC Thun wirklich Gefahr laufen, dass ihm die Grasshoppers kurz vor einer möglichen Barrage um den letzten Platz in der Super League das Kader leerkaufen? Will der FC Lugano das Risiko eingehen, ohne vier aktuelle Stammspieler in die letzte Phase des Abstiegskampfs zu gehen, weil ihre Verträge auslaufen?

Constantin geht es nur um den eigenen Vorteil

Natürlich erzählt Constantin derzeit gerne, wie er und Serey Die schon vor langer Zeit gemeinsam beschlossen hätten, dass die Karriere des heute 35-Jährigen in Sion enden solle. Fakt ist, dass der Sittener Präsident schon 2017 vor dem Cupfinal gegen Basel vehement den Standpunkt vertrat, Serey Die habe seine guten Zeiten hinter sich.

Nein, es geht Christian Constantin nicht darum, eine schöne Geschichte zu Ende zu bringen. Es geht ihm nur um seinen eigenen Vorteil. Darum, seinen Club vor dem Abstiegskampf zu bewahren und seinen Willen durchzusetzen. Im für ihn besten Fall ist das der Abbruch der Saison unter Androhung von Rechtsstreit und Chaos. Im zweitbesten die Aufstockung der Super League auf zwölf Teams. Im schlechtesten Fall hat er wenigstens bei einem direkten Konkurrenten Unruhe gesät.

Und der Rest der Liga schaut hilflos zu, wie ihr Constantin auf der Nase herumtanzt.

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